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Ausgabe Mai 2005

Pollenallergie und
Pollenflug : Ändert sich
das Feindbild?
Erlenpollen scheinen eine größere Bedeutung als
Haselnußpollen als Auslöser der bereits im Spätwinter zu
beobachtenden Pollenallergien zu haben. Viele Pollen legen
sogar Tausende von Kilometern zurück, bevor sie an den
empfindlichen Schleimhäuten der Atemwege andocken.
Von Jochen Kubitschek
Bisher galten die Pollen der Haselnusssträucher als die
größte Geißel jener Allergiker, die bereist in den letzten
Wintertagen überempfindlich auf Baumpollen reagieren. Ein
durchschnittlicher Haselnussbusch bringt es auf rund 600
Millionen Pollen, die ihrerseits wiederum das Potential
besitzen, um bei großen Teilen der deutschen Bevölkerung
eine Pollenallergie auszulösen.
„Bei Menschen mit einer entsprechenden Allergie reichen
bereits zehn Pollen pro Kubikmeter Luft aus, um eine
allergische Reaktion in Gang zu setzen“, betonte Professor
Dr. Karl-Christian Bergmann von der Deutschen Gesellschaft
für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI).
Die Pollenallergien haben für die Volksgesundheit eine große
praktische Bedeutung da sie erstens sehr häufig sind und
zweitens oft nach Jahren zu einem allergischen Asthma
führen. Die Allergologen gehen davon aus, daß zwischen 30
und 40% der Allergiker ein allergisches Asthma entwickeln.
Besonders gefährdet sind Menschen, die über lange Zeit
lediglich die Symptome der Allergie mit Medikamenten wie
Antihistaminika bekämpfen, ohne der Krankheit mit einer
spezifischen Immuntherapie ursächlich zu Leibe zu rücken.
Die spezifische Immuntherapie (SIT) wirkt bei rund 90% der
Pollenallergiker. Hat sich nach Jahren ein allergisches
Asthma eingestellt, wird aus der eher als lästig empfundenen
Befindlichkeitsstörung eine lebensbedrohliche Krankheit.
Erlen blühen früher als die Haselnuß
In der letzten Zeit mehren sich Hinweise darauf, daß die
Pollen der Erle jene der Haselnuß auf der Hitliste der
Allergieauslöser überholen könnten. Dr. Uta Rabe ,
Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen,
hat bereits im Vorjahr beobachtet, daß die Erlenpollen in
besonders großer Menge in der Luft anzutreffen waren. Schon
seit der zweiten Januarwoche konnten sie in der Luft
nachgewiesen werden.
„Erlen haben in diesem Jahr sogar schon vor der Haselnuß zu
blühen begonnen. Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang, dessen
Ursache wir noch nicht kennen“, meint Allergologe Bergmann.
Durch diese zeitliche Verschiebung werden die Erlenpollen
daher zumindest aus zeitlicher Sicht zum primären Auslöser
der im Frühjahr zu beobachtenden allergischen Reaktionen.
Nach wie vor werden die meisten entsprechenden Allergien
aber von Birkenpollen ausgelöst, die pro Blütenstand bis zu
5 Millionen Pollen an die Umwelt abgeben. Ende März/Anfang
April werden diese winzig kleinen Pollen-Marschflugkörper
freigesetzt und finden mit Hilfe des Windes und der
temperaturgesteuerten Luftströmungen ihren Weg zu den
empfindlichen Schleimhäuten des Nasen-Rachenraums der
Allergiker.
Pollen aus dem Ausland gefährden deutsche Nasenschleimhäute
Anläßlich des 7. Europäischen Pollensymposiums wiesen die
Experten darauf hin, daß die winzigen Baumpollen gewaltige
Entfernungen zurücklegen können. So ist es nicht
ungewöhnlich, daß in Deutschland Pollen identifiziert
werden, die aus dem marokkanischen Atlas-Gebirge stammen.
Und schwedische Allergiker verdanken ihre brennenden Augen
und laufenden Nasen ab und an Pollen, die aus Ungarn, Polen
oder Tschechien stammen.
Doch Allergologe Bergmann sieht aus ärztlicher Sicht keinen
Grund vor den Pollen zu kapitulieren indem man lediglich die
lästigen Symptome mit Medikamenten unterdrückt: “Die
spezifische Immuntherapie ist bisher die einzige Behandlung
mit der wir Allergien heilen und den Etagenwechsel vom
Heuschnupfen zum Asthma verhindern können.“
Bisher scheuten
viele Allergiker aber vor der kausal wirkenden Therapie
zurück, da die Allergene unter die Haut gespritzt werden
mußten. Doch nun setzt sich neben dieser konventionellen
Therapieform auch die sog. „sublinguale spezifische
Immuntherapie“ (SLIT) durch, bei der die Allergene unter die
Zunge geträufelt werden. Diese „entschärfte“ Behandlung der
Allergie eignet sich naturgemäß besonders gut für Kinder,
die im Regelfall mehr unter den Allergiespritzen leiden als
unter der Allergie selbst. |