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Ausgabe Oktober 2005
Informationen des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen e.V.
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie e.V.
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Manche mögen´s
nass:
Gesundheitsrisiken durch Schimmel in der
Wohnung
Etwa ein Liter Wasser
gelangt bei jeder Dusche in die Raumluft, ein weiterer Liter
beim Kochen, und noch einmal 1,5 Liter, wenn die Wäsche
trocknet. Zusätzlich verdunstet jeder Mensch pro Tag ein bis
1,5 Liter über seine Haut und Schleimhäute.1
Ein Dreipersonenhaushalt setzt so täglich bis zu 14 Liter
Wasser frei.2
In Zeiten hermetisch schließender Fenster und Türen bleibt
ein großer Teil dieser Flüssigkeit in der Raumluft, wenn man
nicht richtig lüftet. Dann kann die relative
Luftfeuchtigkeit schnell auf 80 Prozent oder mehr steigen –
ideale Bedingungen für das Wachstum von Schimmelpilzen. Und
weil wir Stubenhocker die meiste Zeit in den eigenen vier
Wänden verbringen – nämlich durchschnittlich 15,7 Stunden
pro Tag3
– beginnt dann für manche Menschen auch ein langer
Leidensweg.
Vielfältige
Gesundheitsgefahren
Bewohner pilzbelasteter
Räume klagen häufig über Husten, Schnupfen,
Bindehautentzündung, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Für einen
Teil dieser Beschwerden sind allergische Reaktionen vom
IgE-Typ gegen die Sporen der Pilze verantwortlich.
Zusätzlich können verschiedene von den Pilzen freigesetzte
Toxine auch ohne allergische Sensibilisierung Haut und
Schleimhäute reizen. Wer in einem pilzbelasteten Umfeld
lebt, entwickelt außerdem häufiger Asthma. Wie eine
englische Studie Anfang dieses Jahres ergab, steigt durch
Feuchtigkeit und Schimmel in der Wohnung das
Erkrankungsrisiko für Kinder um mehr als das Doppelte.4
Allerdings lassen sich nicht alle beobachteten Fälle von
Asthma auf IgE-vermittelte Reaktionen zurückführen. Es
scheinen zusätzlich andere, bisher nicht geklärte
Pathomechanismen eine Rolle zu spielen.5
Indirekt machen Schimmelpilze
auch Hausstaubmilbenallergikern zu schaffen.
„Hausstaubmilben können sich von Pilzen ernähren und
benötigen wie die Schimmelpilze viel Feuchtigkeit. Sie
gedeihen deshalb in pilzbefallenen Räumen besonders gut“,
erläutert Frau Dr. Uta Rabe vom Johanniter-Krankenhaus in
Treuenbrietzen, Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes
Deutscher Allergologen (ÄDA).
Neben Asthma und
allergischer Rhinokonjunktivitis können Schimmelpilze über
eine IgG-vermittelte Immunreaktion eine exogen allergische
Alveolitis auslösen. Hier kommt es durch den inhalativen
Kontakt mit Pilzbestandteilen zur Bildung von Immunkomplexen
im alveolären
Interstitium. Unbehandelt kann die exogen allergische
Alveolitis in einer Lungenfibrose enden. „Insgesamt ist eine
exogen allergische
Alveolitis durch Schimmelpilze in der Wohnung aber selten“,
so Rabe. „Dasselbe gilt für invasive Mykosen. Sie treten nur
bei abwehrgeschwächten Personen auf.“
Rex, der
Schimmelpilz-Spürhund
Die häufigsten Pilze in
Innenräumen sind Aspergillus, Penicillium und
Cladosporium. Oft erkennt man sie sofort – als hässliche
blaue, grüne, schwarze oder gelbe Flecken oder an ihrem
typisch moderigen Geruch. In weniger eindeutigen Fällen und
zur Differenzierung der verschiedenen Pilzarten helfen
mikrobiologische Untersuchungen. Hier kommen zum Beispiel
Klebefilmproben, Abklatschproben und automatisierte
Luftkeimsammlungen in Frage. Weiß man nicht genau, wo der
Schimmel eigentlich sitzt, kann eventuell des Menschen
bester Freund Hilfe leisten: Speziell ausgebildete
Schimmelpilz-Spürhunde sollen selbst gut versteckte
Pilzkolonien erschnüffeln können.
Bei Innenraumallergie
an Schimmelpilze denken
„Wenn Patienten in den
eigenen vier Wänden immer wieder über Schnupfen, Husten und
juckende Augen klagen und eine Allergie auf Hausstaubmilben
ausgeschlossen wurde, sollte auch an eine
Schimmelpilz-bedingte Erkrankung gedacht werden“, erläutert
die Allergologin Rabe. „Eine Allergie vom Soforttyp gegen
die Pilzsporen kann der allergologisch geschulte Facharzt
mithilfe von Hauttestungen, Provokationsstests und der
Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper feststellen. Häufig
liegt aber keine Allergie vor, sondern die Beschwerden sind
Folge einer Schleimhautreizung durch Pilzgifte. Bei Verdacht
auf eine exogen allergische Alveolitis muss nach
spezifischem IgG gesucht werden.“ Und wie lassen sich
Erkrankungen durch Schimmelpilzbefall in der Wohnung
behandeln? „Die wichtigste Maßnahme ist die Sanierung der
Wohnung oder gar ein Wohnungswechsel“, so Rabe. „Leider
lassen sich Allergien gegen die typischen Innenraumpilze
noch nicht mit einer spezifischen Immuntherapie behandeln.
Bei der Pilzart Alternaria, die gerne auf Gräsern
wächst und Beschwerden meistens im Sommer und im Freien
verursacht, ist man da schon einen Schritt weiter. Hier
stehen standardisierte Extrakte für eine spezifische
Immuntherapie zur Verfügung.“
Sanierung nur nach
fachkundiger Beratung
Schon mehr als 20 Quadratzentimeter
Schimmelpilzbefall in der Wohnung sind nach Angaben des
Umweltbundesamtes ein Grund zu handeln. Bei einem Befall von
mehr als 50 Quadratzentimeter besteht sogar dringender
Handlungsbedarf2
– wegen der vielfältigen Gesundheitsgefahren auch dann, wenn
keine Schimmelpilz-Allergie vorliegt. Vor der Sanierung der
Wohnräume sollte dabei auf jeden Fall eine Ursachensuche
erfolgen. Oft stecken undichte
Rohrleitungen, falsche Isolierungen, Risse im Mauerwerk oder
ungenügende Belüftungssysteme hinter der
Feuchtigkeitsbildung. Solche Mängel müssen behoben werden,
sonst kommt der Schimmel sofort nach seiner Beseitigung
zurück. „Die befallenen Flächen
einfach mit Fungiziden zu tränken, also mit Mitteln, die die
Pilze abtöten, sorgt nicht für eine nachhaltige Wirkung“,
gibt Diplom-Ingenieur Gunter Hankammer zu bedenken,
Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes für
Schimmelpilzsanierung e.V. (BSS). Die Sanierung
sollte allerdings nur nach fachkundiger Beratung erfolgen
und bei großflächigem Befall einem Spezialisten vorbehalten
bleiben. Anlaufstelle kann hier der BSS sein. Der Verband
organisiert
die bundeseinheitliche Qualifikation und die Zertifizierung
von Sanierungsexperten (Informationen unter
www.schimmelpilz.tv).
Ist keine zügige Sanierung
möglich, empfiehlt das Umweltbundesamt, befallene Stellen
übergangsweise mit 70- (trockene Flächen) bzw.
80-prozentigem (nasse Flächen) Alkohol zu reinigen und zu
desinfizieren. Wichtig bei der Sanierung: sich selbst
schützen. Handschuhe, Mundschutz und Schutzbrille sind
unerlässlich. „Der Transport von
ausgebautem, belastetem Baumaterial zur Entsorgung darf
nicht offen und ungeschützt durch bisher schimmelfreie
Bereiche des Gebäudes erfolgen. Sonst werden die Pilze
verschleppt. Der hieraus resultierende Schaden ist
erfahrungsgemäß erheblich größer, als der Ausgangsschaden,
weil sich die Kosten für eine ausgeweitete Sanierung und
Desinfektion oft vervielfachen“, ergänzt Hankammer.
Nach getaner Arbeit sollte man duschen und die Kleidung
waschen. Schimmelpilzallergiker, Menschen mit chronischen
Atemwegserkrankungen und Abwehrgeschwächte überlassen die
Sanierungsarbeiten lieber anderen Personen.
Lüften heißt wirklich
lüften
Als Nutzer einer Wohnung
kann man selber eine Menge tun, damit kein Schimmel
entsteht. In erster Linie kommt es auf das richtige Heizen
und Lüften an. „Die Luftfeuchtigkeit sollte unter 60 Prozent
liegen“, so Rabe. Aber Lüften heißt wirklich lüften: Um 13
Liter Wasser aus der Wohnung abzuführen, muss man 3.000
Kubikmeter Luft bewegen. Der Luftinhalt der Wohnung sollte
etwa siebenmal täglich komplett ausgetauscht werden! Bewährt
hat sich mehrmaliges Stoßlüften von jeweils fünf bis zehn
Minuten Dauer.
Weitere Tipps gegen
den Schimmel:
·
Im Badezimmer nach dem
Duschen besonders gut lüften und das Wasser vom
Fußboden und von
den Wänden wischen.
·
Wenn es im Bad kein Fenster gibt:
sicherstellen, dass eingebaute Lüftungsanlagen richtig
funktionieren, eingebaute Filter alle 2-3 Monate auswaschen
und einmal jährlich austauschen.
·
Badezimmerheizung im Winter nicht abschalten,
sonst wird das Bad zu langsam trocken.
·
In der Küche sollte ein Dunstabzug
installiert sein, der die Abluft nach draußen leitet.
·
Auf permanentes „Kipplüften“ verzichten, weil
dadurch die Wandoberflächen oberhalb und seitlich des
Fensters stark auskühlen und das Wasser an ihnen
kondensiert.
·
Möbel an Außenwänden mit
einem Mindestabstand von zehn Zentimetern zur Wand
aufstellen.
·
Kühlere Räume nicht durch das Öffnen der Tür
zum Rest der Wohnung heizen. Sonst kondensiert das Wasser
aus der warmen Luft an den kalten Zimmerwänden, und die Wand
wird nass.
·
Das Schlafzimmer gleich morgens nach dem
Aufstehen gut durchlüften.
·
Keine Farben oder Tapeten verwenden, die die
Wände luftdicht verschließen.
·
Dicke, raumhohe Vorhänge wirken als
Wärmebarrieren. Man sollte sie nicht vor Fenstern, Wänden
oder in Bereichen mit schlechter Zirkulation anbringen.
·
Auf Luftbefeuchter verzichten.
·
Wäsche möglichst nicht in der Wohnung
trocknen, sondern an der frischen Luft oder auf dem
Dachboden.
·
Abfalleimer und Biotonne häufig leeren.
·
Bei Verdacht auf
Schimmelpilzbelastung der Wohnung Kontakt mit dem
Gesundheitsamt aufnehmen.
1
Verbraucherzentrale Bayern (www.verbraucherzentrale-bayern.de)
2
Hilfe! Schimmel im Haus. Ratgeber des Umweltbundesamtes,
August 2004.
3
Brasche S, Bischof W: Int J Hyg Environ Health 2005; 208:
247-53
4
Jaakkola JJ et al.: Environ Health Perspect 2005; 113:
357-61
5
Stiefelhagen P: MMW 2004; 20: 4-6
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