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Ausgabe Oktober 2005

Informationen des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen e.V.
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie e.V.
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Allergie nach dem Haarefärben:
Ist eine iatrogene Sensibilisierung auf
p-Phenylendiamin Schuld?
Die Deutsche
Kontaktallergie-Gruppe (DKG) schlägt Alarm.
Epikutantestungen auf p-Phenylendiamin (p-PD) sollten nicht
mehr zur Standardtestreihe bei der Suche nach möglichen
Kontaktallergenen gehören. Hintergrund der Empfehlung: In
einer Studie der DKG, die in Kürze veröffentlicht werden
wird, war es nach der Applikation von p-PD gehäuft zu
allergischen Spätreaktionen auf die Testsubstanz gekommen.
„Das spricht dafür, dass der Epikutantest zu einer
Sensibilisierung gegen p-Phenylendiamin geführt hat“,
erläutert der Dermatologe und Allergologe Professor Dr.
Thomas Fuchs von der Uniklinik Göttingen, Mitglied der DKG
und des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA).
Vorsicht vor
Haarfärbemitteln und Henna-Tattoos
p-PD ist ein weit
verbreitetes Kontaktallergen. Die Substanz und ihre
Abkömmlinge machten in der Vergangenheit in erster Linie als
Auslöser schwerer allergischer Reaktionen nach dem
Haarefärben und nach Henna-Tattoos1
von sich reden. Sowohl in dunklen Haarfärbemitteln als auch
in vielen Henna-Farbstoffen wird die Stoffgruppe eingesetzt,
um besonders intensive Farbtöne zu erzeugen. „Wir sehen
immer wieder Patienten, bei denen Haarfärbemittel schwerste
Kontaktallergien an der Kopf- und Gesichtshaut hervorgerufen
haben“, sagt Professor Fuchs. Die Beschwerden können
dramatisch sein. Einige Tage nach dem Färben kommt es zu
heftigem Pruritus sowie zu teilweise entstellenden
Hautveränderungen mit Erythemen, Papeln, Bläschen- und
Krustenbildung. Die Irritationen ziehen sich trotz
konsequenter Therapie oft über Wochen und Monate hin. Zur
Behandlung der Kontaktallergie kommen in erster Linie
topische, in schweren Fällen auch systemische Steroide zum
Einsatz.
Eine Berufsgruppe, die
aus nahe liegenden Gründen relativ häufig betroffen ist,
sind Frisöre. Bei ihnen treten die Hautveränderungen
bevorzugt an den Händen auf. „Frisöre sollten beim Kontakt
mit Haarfärbemitteln und anderen Haarkosmetika konsequent
Handschuhen tragen“, fordert Fuchs. „Sonst ist eine
Kontaktallergie fast vorprogrammiert.“ Neben p-PD und
ähnlichen Substanzen gibt es eine Reihe anderer Stoffe in
Haarkosmetika, die Allergien hervorrufen können. Eine
aktuelle spanische Studie macht allerdings deutlich, dass
mehr als die Hälfte der beruflichen Hautprobleme bei
Frisören auf p-PD zurückzuführen sein dürften.2
Sensibilisierung auf
verschiedenen Wegen möglich
Trotz der Warnung der
DKG ist die Sensibilisierung gegen p-PD im Rahmen eines
Epikutantests eher die Ausnahme. Eine viel wichtigere Rolle
spielen in der Pathogenese Henna-Tattoos, denn die meisten
verwendeten Farben enthalten p-PD in sehr hoher
Konzentration. „Daneben führt häufiges Haarefärben zur
Sensibilisierung“, ergänzt Fuchs. Kritisch sieht der
Allergologe und Dermatologe den Tipp vieler Hersteller,
Haarfärbemittel zunächst an einer kleinen Stelle hinter dem
Ohr oder auf dem Arm aufzutragen, um selber auszuprobieren,
ob man allergisch reagiert. „Natürlich kann auch dadurch
eine Sensibilisierung stattfinden“, warnt Fuchs. Dasselbe
gilt für den Hautkontakt mit dunklen Stoffen – sie enthalten
ebenfalls oft p-PD.
Epikutantest auf p-PD
nur noch bei konkretem Verdacht
Die DKG empfiehlt,
symptomatische Patienten nur noch bei konkretem Verdacht auf
eine p-PD-Allergie mittels Epikutantest zu untersuchen –wenn
sie zum Beispiel häufig Haarfärbemitteln ausgesetzt sind,
nach dem Haarefärben Symptome zeigen oder ihre Haut mit
Henna-Tattoos verziert hatten. Fuchs: „Diese Beschränkung
minimiert das Risiko einer Sensibilisierung durch den
Epikutantest.“ Steht die Diagnose einer Allergie auf p-PD
fest, bleibt eigentlich nur eins – man muss der Substanz und
ihren Abkömmlingen konsequent aus dem Weg gehen. Das ist gar
nicht so einfach: p-PD ist zum Beispiel in vielen schwarzen
Kleidungsstücken, Schuhen, Handschuhen, Portemonnaies,
Fahrradgriffen, Lenkrädern und sogar in manchen dunklen
Brillengestellen enthalten. „Es gibt immer wieder Ekzeme,
die auf den ersten Blick völlig rätselhaft sind“, so Fuchs.
„Wer denkt bei Hautveränderungen im Bereich der Brillenbügel
schon an p-Phenylendiamin? Da muss man als Allergologe oft
richtige Detektivarbeit leisten.“
1
Lippert U et al.: Allergologie, Jahrgang 24, Nr. 6/2001:
261-264
2
Valks R et al.: Dermatitis 2005; 16: 28-31
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