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Ausgabe Oktober 2005

Informationen des Ärzteverbandes Deutscher
Allergologen e.V.
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie e.V.
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Ungewöhnliche Nahrungsmittelallergien
Hilfe! Schnecken in meinem Essen
Feinschmecker genießen Schnecken gerne mit Baguette
und Knoblauchbutter oder im Weißweinsud. Sie loben das angenehm
feste Fleisch, das in seiner Konsistenz an Herz oder Leber
erinnert, und verweisen auf den hohen Proteingehalt. Manche
Hausstaubmilbenallergiker machen um die Tieren dagegen einen
weiten Bogen – zumindest wenn sie auf ihrem Teller
landen. Sie bekommen nämlich nach dem Genuss von Schnecken
– speziell der Weinbergschnecken-Art Helix aspera
– Schnupfen, Urtikaria und Luftnot. Sogar ein anaphylaktischer
Schock ist möglich. Ursache der Symptome: Die schweren Ketten
des Myosins der Schnecken enthalten Eiweißstrukturen, die
dem Hausstaubmilbenallergen sehr ähnlich sind.1
Dadurch kann es zu einer Kreuzallergie kommen. Oft betrifft
diese nicht nur Helix aspera, sondern auch andere Schneckenarten,
Muscheln und Krebstiere wie Shrimps und Garnelen. Deren Allergene
sind ebenfalls mit dem der Hausstaubmilbe verwandt. Die Beschwerden
können schon nach dem ersten Verzehr von Weich- oder Krebstieren
auftreten. Eine eigenständige Sensibilisierung ist nicht notwendig,
weil die allergische Reaktionsbereitschaft gegen Milbenallergene
bereits besteht.
Bratwurst-Liebhaber aufgepasst
Aber auch für die Bratwurst-Fraktion unter den
Allergikern gibt es Neuigkeiten. Spanische Allergieforscher
machten Anfang des Jahres auf das „Senf-Beifuß-Syndrom“
aufmerksam.2 Sie hatten 38 Patienten untersucht,
die nach dem Verzehr von Senf allergische Beschwerden entwickelt
hatten, und ausgetestet, ob die Studienteilnehmer auch auf
andere Substanzen reagierten. Ergebnis: Fast alle Studienteilnehmer
waren zusätzlich auf Beifuß-Pollen sensibilisiert. Allergien
gegen die Pollen von Beifuß sind in Mitteleuropa relativ weit
verbreitet, die Kreuzallergie zwischen Beifuß und Senf war
bisher aber unbekannt. Man wusste lediglich, dass viele Beifuß-Allergiker
Gemüsesorten wie Sellerie, Mohrrüben und Paprika sowie verschiedene
Gewürze nicht vertragen.
Zuverlässige Diagnostik beim Allergologen
Während Nahrungsmittelallergien gegen Schnecken
oder Senf insgesamt selten sind, haben andere Kreuzallergien
enorme Bedeutung. Viele Patienten, die auf Pollen früh blühender
Bäume wie Birke und Haselnuss allergisch reagieren, bekommen
zum Beispiel nach dem Verzehr von Äpfeln oder Nüssen Beschwerden.
„Bei den meisten Nahrungsmittelallergien handelt es
sich um Kreuzallergien“, sagt dazu Professor Dr. Gerhard
Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen Gesellschaft
für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). Er empfiehlt,
unklare Nahrungsmittelunverträglichkeiten allergologisch abzuklären.
Professor Schultze-Werninghaus: „Durch eine gezielte
Anamnese, Haut- und Provokationstests sowie die Bestimmung
spezifischer IgE-Antikörper lässt sich in den meisten Fällen
eindeutig klären, ob eine Allergie vorliegt und gegen welche
Nahrungsmittel sie sich richtet. Das ist die Voraussetzung,
um einen sinnvollen Diätplan aufzustellen, der die gefährlichen
Lebensmittel konsequent vermeidet, gleichzeitig aber keinen
unnötigen Verzicht verlangt oder gar zu einer Mangelernährung
führt. Leider wird hier oft über das Ziel hinaus geschossen.“
Besonders muss vor der Diagnose „Nahrungsmittel-Allergie“
aufgrund einer Bestimmung von IgG-Antikörpern gewarnt werden.
Dies ist leider zur Zeit ein übliches, für den Patienten teures
und unsinniges Vorgehen.
Um einen anaphylaktischen Schock zu verhindern,
sollte Nahrungsmittelallergikern in schweren Fällen ein
Notfallset verordnet und dessen korrekte Anwendung erklärt
werden. Dieses Set enthält ein Antihistaminikum, ein Kortison-Präparat
und eine Fertigspritze mit Adrenalin. „Ein solches
Notfallset kann – eine ausreichende Schulung vorausgesetzt
– Leben retten“, so Professor Schultze-Werninghaus.
1 Martins
LM et al.: Int Arch Allergy Immunol 2005; 136: 7-15
2 Figueroa
et al.: Allergy 2005; 60: 48-55
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