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Ausgabe August 2006

 

Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V.

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e. V.

Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.

 



 

Anaphylaxie bei Lebensmittelallergie

Todesfall durch Müsli-Riegel

Ein Müsli-Riegel in einer unbeschrifteten Zellophanfolie wurde einer 14-jährigen Schülerin im Frühjahr dieses Jahres zum Verhängnis. Das Mädchen litt an einer bekannten Erdnussallergie. Es verzehrte unglücklicherweise den mit Erdnüssen hergestellten Riegel, da ein entsprechender Aufdruck fehlte. Auf dem Schulhof erlitt das Mädchen dann einen schweren Asthmaanfall und wurde bewusstlos. Der hinzu gerufene Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen. Der Riegel war ursprünglich in einer vorschriftsmäßig gekennzeichneten, größeren Verpackung enthalten gewesen. In einem weiteren Fall entwickelte eine 12-jährige Schülerin ebenfalls aufgrund einer bekannten Erdnussallergie eine schwere allergische Reaktion nach Verzehr eines undeklarierten Müsliriegels, konnte aber noch gerettet werden. „Es ist für Allergiker lebensgefährlich, wenn eine detaillierte Aufstellung der Inhaltsstoffe auf Einzelverpackungen aus großen Kartons fehlt“, so Professor Dr. Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA).

Ein Schock mit ernsten Folgen

Die Häufigkeit von Nahrungsmittel-Allergien liegt für die erwachsene Bevölkerung in Deutschland bei knapp drei Prozent.1 Die Betroffenen können lebensgefährliche allergische Reaktionen erleiden, wenn sie versehentlich ein Lebensmittel zu sich genommen haben, dass eine Allergie auslösende Substanz enthielt.

Der lebensbedrohliche, so genannte anaphylaktische Schock stellt die wohl schwerste Komplikation bei Nahrungsmittel-Allergien dar. Der Schock steht am Ende einer rasch verlaufenden, krankhaften Reaktion des Immunsystems und betrifft den gesamten Organismus. Schuld ist eine überschießende Freisetzung von Botenstoffen durch Zellen des Immunsystems, die durch die Wirkung spezieller Antikörper (Immunglobuline vom Typ IgE) verursacht wird. „Diese allergische Überempfindlichkeitsreaktion setzt verschiedene Abläufe in Gang, die zu schwerer Atemnot oder über die Weitstellung der Blutgefäße und dem Austritt von Flüssigkeit in das umliegende Gewebe zu einem raschen Blutdruckabfall führen können. Dadurch werden Organe nicht mehr ausreichend durchblutet. Die Folge kann der Ausfall ihrer Funktion und der Tod sein“, warnt Professor Fuchs.

Kennzeichnung kann Unglücksfälle verhindern

Die Industrie hat prompt reagiert, nachdem das Problem der fehlenden Kennzeichnung auf Einzelverpackungen bekannt wurde. Einer der Hersteller versicherte im aktuellen Fall auf Anfrage, dass alle einzeln verpackten Müsli-Riegel oder ähnliche Produkte aus Großpackungen ab sofort mit einem Warnhinweis für Allergiker versehen werden sollen.

Solange jedoch keine generelle Kennzeichnungspflicht besteht, sollten sich Menschen, die unter einer Nahrungsmittelallergie leiden, immer vergewissern, ob nicht „ihr Allergen“ in den Lebensmitteln vorhanden ist und die Inhaltsliste stets erneut prüfen. Notfalls müssen sie auf den Genuss ungekennzeichneter Lebensmittel verzichten.

Professor Carl Peter Bauer, Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA): „Erdnussallergien sind bei Kindern sehr ernst zu nehmen. Die Behandlung sollte möglichst durch einen auf Allergien spezialisierten Kinderarzt erfolgen. Eine fachärztliche Diagnostik kann sehr wichtig sein, um die auslösenden Allergene eindeutig festzustellen. In letzter Zeit sind beispielsweise in Deutschland vermehrt Allergien gegen Pinienkerne aufgetreten.“

Glücklicherweise verlaufen nicht alle allergischen Reaktionen tödlich. Die Therapie richtet sich nach Ausprägung und Schwere der Reaktion. Leichte Allgemeinreaktionen gehen mit allergischen Haut- und Schleimhautveränderungen einher, die von Unruhe und Kopfschmerzen begleitet sein können. Eine ausgeprägte Allgemeinreaktion kann zu Kreislaufproblemen, Luftnot und Harn- oder Stuhldrang führen. Bedrohlich wird es, wenn Zeichen eines Schocks zu erkennen sind. Der Betroffene wird blass, kriegt keine Luft mehr und ist unter Umständen bewusstseinsgetrübt. Am Ende dieser Entwicklung steht der Ausfall wichtiger Organe wie der Niere und ein Herz-Kreislauf-Stillstand.2 Deshalb sollte bei dem Verdacht auf eine schwere allergische Reaktion in jedem Fall sofort ein Arzt verständigt werden.

Medikamente für den Notfall, Beratung durch den Fachmann

Ursache für eine schwere allergische Reaktion können außer einer Nahrungsmittel-Allergie auch Allergien auf Insektengift oder Arzneimittel sein. Menschen, die bereits einmal eine schwere (systemische) allergische Reaktion erlitten haben, sollten Medikamente erhalten, die im Notfall sofort angewendet werden können. Das setzt eine ausführliche Beratung und Einweisung durch einen allergologisch erfahrenen Arzt voraus.

 

1.  Zuberbier T, et al. Prevalence of adverse reactions to food in Germany – a population study. Allergy 2004; 59:338-345

2.  U. Müller-Werdan, K. Werdan: Anaphylaktischer Schock; in Eckart, Forst, Burchardi: Intensivmedizin, 2004, ecomed; ISBN 3-609-20177-0

 

 


 

 

 

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