Ein
Müsli-Riegel in einer unbeschrifteten Zellophanfolie
wurde einer 14-jährigen Schülerin im Frühjahr dieses
Jahres zum Verhängnis. Das Mädchen litt an einer
bekannten Erdnussallergie. Es verzehrte
unglücklicherweise den mit Erdnüssen hergestellten
Riegel, da ein entsprechender Aufdruck fehlte. Auf dem
Schulhof erlitt das Mädchen dann einen schweren
Asthmaanfall und wurde bewusstlos. Der hinzu gerufene
Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen. Der
Riegel war ursprünglich in einer vorschriftsmäßig
gekennzeichneten, größeren Verpackung enthalten gewesen.
In einem weiteren Fall entwickelte eine 12-jährige
Schülerin ebenfalls aufgrund einer bekannten
Erdnussallergie eine schwere allergische Reaktion nach
Verzehr eines undeklarierten Müsliriegels, konnte aber
noch gerettet werden. „Es ist für Allergiker
lebensgefährlich, wenn eine detaillierte Aufstellung der
Inhaltsstoffe auf Einzelverpackungen aus großen Kartons
fehlt“, so Professor Dr. Thomas Fuchs vom Ärzteverband
Deutscher Allergologen (ÄDA).
Ein
Schock mit ernsten Folgen
Die
Häufigkeit von Nahrungsmittel-Allergien liegt für die
erwachsene Bevölkerung in Deutschland bei knapp drei
Prozent.1
Die Betroffenen können lebensgefährliche allergische
Reaktionen erleiden, wenn sie versehentlich ein
Lebensmittel zu sich genommen haben, dass eine Allergie
auslösende Substanz enthielt.
Der
lebensbedrohliche, so genannte anaphylaktische Schock
stellt die wohl schwerste Komplikation bei
Nahrungsmittel-Allergien dar. Der Schock steht am Ende
einer rasch verlaufenden, krankhaften Reaktion des
Immunsystems und betrifft den gesamten Organismus.
Schuld ist eine überschießende Freisetzung von
Botenstoffen durch Zellen des Immunsystems, die durch
die Wirkung spezieller Antikörper (Immunglobuline vom
Typ IgE) verursacht wird. „Diese allergische
Überempfindlichkeitsreaktion setzt verschiedene Abläufe
in Gang, die zu schwerer Atemnot oder über die
Weitstellung der Blutgefäße und dem Austritt von
Flüssigkeit in das umliegende Gewebe zu einem raschen
Blutdruckabfall führen können. Dadurch werden Organe
nicht mehr ausreichend durchblutet. Die Folge kann der
Ausfall ihrer Funktion und der Tod sein“, warnt
Professor Fuchs.
Kennzeichnung kann Unglücksfälle verhindern
Die
Industrie hat prompt reagiert, nachdem das Problem der
fehlenden Kennzeichnung auf Einzelverpackungen bekannt
wurde. Einer der Hersteller versicherte im aktuellen
Fall auf Anfrage, dass alle einzeln verpackten
Müsli-Riegel oder ähnliche Produkte aus Großpackungen ab
sofort mit einem Warnhinweis für Allergiker versehen
werden sollen.
Solange jedoch keine generelle Kennzeichnungspflicht
besteht, sollten sich Menschen, die unter einer
Nahrungsmittelallergie leiden, immer vergewissern, ob
nicht „ihr Allergen“ in den Lebensmitteln vorhanden ist
und die Inhaltsliste stets erneut prüfen. Notfalls
müssen sie auf den Genuss ungekennzeichneter
Lebensmittel verzichten.
Professor Carl Peter Bauer, Vorsitzender der
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und
Umweltmedizin (GPA): „Erdnussallergien sind
bei Kindern sehr ernst zu nehmen. Die Behandlung sollte
möglichst durch einen auf Allergien spezialisierten
Kinderarzt erfolgen. Eine fachärztliche Diagnostik kann
sehr wichtig sein, um die auslösenden Allergene
eindeutig festzustellen. In letzter Zeit sind
beispielsweise in Deutschland vermehrt Allergien gegen
Pinienkerne aufgetreten.“
Glücklicherweise verlaufen nicht alle allergischen
Reaktionen tödlich. Die Therapie richtet sich nach
Ausprägung und Schwere der Reaktion. Leichte
Allgemeinreaktionen gehen mit allergischen Haut- und
Schleimhautveränderungen einher, die von Unruhe und
Kopfschmerzen begleitet sein können. Eine ausgeprägte
Allgemeinreaktion kann zu Kreislaufproblemen, Luftnot
und Harn- oder Stuhldrang führen. Bedrohlich wird es,
wenn Zeichen eines Schocks zu erkennen sind. Der
Betroffene wird blass, kriegt keine Luft mehr und ist
unter Umständen bewusstseinsgetrübt. Am Ende dieser
Entwicklung steht der Ausfall wichtiger Organe wie der
Niere und ein Herz-Kreislauf-Stillstand.2
Deshalb sollte bei dem Verdacht auf eine schwere
allergische Reaktion in jedem Fall sofort ein Arzt
verständigt werden.
Medikamente für den Notfall, Beratung durch den Fachmann
Ursache für eine schwere allergische Reaktion können
außer einer Nahrungsmittel-Allergie auch Allergien auf
Insektengift oder Arzneimittel sein. Menschen, die
bereits einmal eine schwere (systemische) allergische
Reaktion erlitten haben, sollten Medikamente erhalten,
die im Notfall sofort angewendet werden können. Das
setzt eine ausführliche Beratung und Einweisung durch
einen allergologisch erfahrenen Arzt voraus.