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Ausgabe
August 2006
Schaben sind für deutsche Allergologen kein
Thema – noch nicht?
Eine
Untersuchung von 145 unter deutscher Flagge fahrenden
Seeleuten ergab, dass mehr als ein Viertel im Haut-Pricktest
gegen Allergene von Schaben (Kakerlaken) sensibilisiert
waren.
Die Ursache: Auf einigen Schiffen tummeln sich jede Menge
dieser Insekten. „Eine Befragung der Seeleute zeigte, dass
etwa zwei Drittel schon mehrere Jahre auf Schiffen
gearbeitet hatten, die Schabenbefall aufwiesen. Bei einer
Screeninguntersuchung im Hamburger Hafen fanden wir bei
mindestens jedem zehnten Schiff mit regelmäßigem Verkehr in
die Tropen Schaben“, erklärt Dr. Marcus Oldenburg von der
Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin des Zentralinstituts für
Arbeitsmedizin in Hamburg.
„Bisher
ist die Allergie auf Schaben in der Allgemeinbevölkerung
kein Problem und somit auch kein Thema für die Allergologen
– noch nicht. Angesichts des allergenen Potenzials dieser
Schädlinge sollten wir Schaben aber als mögliche
Allergiequelle im Hinterkopf behalten“, sagt Professor
Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI).
Einer
Studie aus Dresden aus dem Jahr 2000 zufolge sind bei uns
immerhin etwa vier Prozent der Kinder gegen Schaben
sensibilisiert. Kakerlaken-Allergene fanden die Forscher in
29 Prozent der deutschen Küchen und in 43 Prozent der
Kindergärten. Allerdings waren die gemessenen
Allergenkonzentrationen zu gering, um Krankheitssymptome
auszulösen.1
In den USA sind vor allem in Städten viele Haushalte von
Schaben bevölkert und die krankheitsauslösende Schwelle der
Allergenendosis wird in mehr als jedem zehnten Raum
übertroffen.2
Einen
unfreiwilligen Versuch zum Thema Schaben und Allergiegefahr
hat die Region um die niedersächsische Stadt Damme im
Landkreis Vechta erlebt. Dort hatten sich in den Jahren 2004
und 2005 Schaben so massiv ausgebreitet, dass die eigentlich
lichtscheuen Tiere tagsüber durch die ländlichen Vororte
wanderten, um neuen Wohnraum zu finden. Befallen waren vor
allem die Ställe ortsansässiger Schweinezuchtbetriebe, in
deren warmen Ställen sich die Schaben das ganze Jahr über
leicht vermehren konnten. „Trotz des für Westeuropa
außerordentlichen Massenbefalls sind in unserer Region keine
vermehrten Fälle von Asthma oder Allergien aufgetreten",
sagt Dr. Hanns Rüdiger Röttgers, der Chef des
Gesundheitsamtes Vechta. "Wir haben aus Gründen des
Infektionsschutzes eine flächendeckende Zwangsbekämpfung
angeordnet, denn Schaben tragen viele Keime mit sich herum.
Jetzt ist die Plage vorbei."
Schaben kommen häufig in Kantinen und Restaurants und in
Lebensmittel verarbeitenden Betrieben vor. Sie lieben es
dunkel, warm und feucht. Uschi Wedekind, Mitarbeiterin
einer auf Schädlingsbekämpfung spezialisierten Firma,
sagt: „Schaben sind nachtaktiv. Man entdeckt diese
scheuen Mitbewohner manchmal, wenn sie eilig über den
Fußboden in Verstecke huschen, nachdem man einen dunklen
Raum betreten und Licht angemacht hat.“ Wedekind
schätzt, dass die in den letzten Jahrzehnten zunehmende
Reiselust dazu führen könnte, dass mehr Schaben nach
Deutschland eingeschleppt werden. Sie empfiehlt, nach
Reisen in wärmere Regionen das Gepäck genau zu
inspizieren und die Koffer am besten zunächst draußen
auf Balkon oder Terrasse zu öffnen, um nicht
unbeabsichtigt Schaben ins Haus zu tragen.
1. Hirsch T et al. Exposure and allergic sensitization to
cockroach allergen in East Germany. Clin Exp Allergy 2000;
30(4): 529-37
2. Cohn RD et al. National prevalence and exposure risk for
cockroach allergen in U.S. households. Environ Health
Perspect 2006; 114(4): 522-6
50 Zeilen
à 60 Anschläge
Belegexemplar erbeten
Hintergrund
Deutsche
Schabe (Blatella germanica)
Vorkommen:
Tagsüber
versteckt in Ritzen und Spalten, Leitungsröhren und
Abluftschächten. Befallen sind insbesondere Gebäude, in
denen regelmäßig große Mengen Nahrungsabfälle anfallen
(Bäckereien, Küchen, Gaststätten, Kantinen und Hotels). Aber
auch in privaten Haushalten sind sie insbesondere im Küchen
und Sanitärbereich anzutreffen. Bei Einschalten von Licht
flüchten sie.
Biologie:
Etwa 1,1
bis 1,4 Zentimeter groß, lehmfarben, mit einer dunkelbraun
melierten Vorderbrust. Sie haben lange, über den Hinterleib
herausragende Flügel. Die Weibchen tragen die blassbraunen
Eipakete, die 15 – 56 Eier enthalten können, etwa vier
Wochen am Körper. Die Larven schlüpfen gleich nach dem
Abwerfen des Eipaketes aus. Nach einer Entwicklungszeit von
zwei bis drei Monaten, in der sich die stecknadelkopfgroßen
Jungtiere mehrfach häuten, werden die Schaben
geschlechtsreif. Sie könne an Wänden empor laufen und fünf
bis zehn Zentimeter weit springen.
Materialschäden:
Da Schaben
Allesfresser sind, befallen Sie nachts jegliches organisches
Material – zum Beispiel Nahrungsmittel, aber auch feuchte
Gewebe, Papier, selbst Leder – und zerkleinern es mit ihren
kauend-beißenden Mundwerkzeugen. Durch Einschleppen von
Keimen und durch den Verbleib von penetranten, zum Teil
süßlichen Duftstoffen, werden Lebensmittel auch nach dem
Abzug der Schaben unbrauchbar.
Erkrankung
des Menschen:
Schaben
sind Überträger von Milzbrand, Salmonellen, Typhus,
Shigellosen, Tuberkulose, Pilzerkrankungen usw. Sie tragen
zum Großteil zum Krankheitsbild des so genannten Infektiösen
Hospitalismus bei. Hierbei erkranken Patienten im
Krankenhaus zusätzlich an Erregern, die lediglich im
Krankenhaus verbreitet sind. Auch die Ekelwirkung auf den
Menschen ist nicht zu unterschätzen. Schaben sind nach dem
Bundesseuchengesetz melde- und bekämpfungspflichtig.
Bekämpfung:
Die
Diagnose und Bekämpfung eines Schabenbefalles obliegt in
jedem Fall dem Fachmann. Eigene Bekämpfungsversuche führen
oftmals zu belasteten Räumlichkeiten und einer erhöhten
Schabenpopulation im befallenen Gebiet.
Biologische Alternativen sind mittlerweile anerkannt und
als sehr wirkungsvoll getestet. So kann bereits im
Monitoring und Gelverfahren eine Schabenpopulation
völlig beseitigt werden. Jedoch sollte auch diese Art
der Bekämpfung dem Fachmann vorbehalten bleiben.
Nach
Informationen der Firma Vogt & Sommer GmbH, Oberursel
www.vogt-sommer.de
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