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Ausgabe August 2006

 

Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V.

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e. V.

Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.

 

 

Allergietherapie

Unkontrollierte Diäten bei drei Viertel aller Kinder mit Neurodermitis

 

Die Neurodermitis ist eine Hauterkrankung, die zumeist im Säuglings- oder Kindesalter erstmals auftritt und mit starkem Juckreiz einhergeht. Oft sieht man den Kindern ihr Leiden bereits von weitem an. Die Hilflosigkeit sowohl der Kinder als auch der Eltern ist groß.

Viele Eltern suchen fieberhaft nach Möglichkeiten, das Leiden ihrer Kinder zu lindern. Für viele liegt die Lösung in Diäten, die versprechen, zu einer Verbesserung der Erkrankung zu führen. Aber nicht alle diätetischen Maßnahmen sind auch wirklich sinnvoll. Einige können den Kindern sogar gefährlich werden. Nach einer Studie von Johnston et al. entzogen 75 Prozent der Eltern ihren an Neurodermitis erkrankten Kindern unüberprüft Nahrungsmittel.1

„Unsinnige Diäten müssen unbedingt vermieden werden, um die Kinder in ihrer Entwicklung nicht zu gefährden", sagt Ernst Rietschel von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA).

Neurodermitis und Nahrungsmittelallergie

Die Neurodermitis, auch „atopische Dermatitis“ oder „atopisches Ekzem“ genannt, ist eine chronisch verlaufende, nicht ansteckende Hauterkrankung. Das Erscheinungsbild kann – abhängig vom Alter – sehr unterschiedlich sein und geht zumeist mit starkem Juckreiz einher. Manchmal sind nur einige Hautpartien, manchmal aber auch große Flächen der Haut betroffen. Je nach Lokalisation und Ausdehnung kann dadurch die Lebensqualität deutlich und langfristig gemindert werden.

Die Wahrscheinlichkeit, mit der Kinder bis zum Schulanfang eine Neurodermitis entwickeln, liegt derzeit zwischen acht bis 16 Prozent. Sie ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. „Die Ursachen hierfür sind bisher noch ungeklärt“, so Wolfgang Rebien, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA).

Bei 30 bis 50 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder, die anhaltend an einer Neurodermitis erkrankt sind, kann gleichzeitig mit einer Allergie gegen Nahrungsmittel gerechnet werden. Dabei sind aber meist nur ein oder wenige Nahrungsmittel verursachend.2,3 Kuhmilch ist der häufigste Auslöser bei kleinen Kindern, gefolgt von Allergien gegen Hühnerei, Getreideprodukte, Soja und Nüsse.

In der frühen Kindheit tritt eine Nahrungsmittelallergie häufiger auf als eine Inhalationsallergie, also als eine Allergie auf Pollen, Milben oder Tierhaare.

Radikaldiäten vermeiden

Der Rat, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten, sollte gut belegt sein. Spezielle Blutuntersuchungen helfen, die Diagnose zu sichern. „Eine qualifizierte Allergie-Diagnostik mit Bestimmung der spezifischen IgE-Antikörper ist sehr wichtig. IgG-Antikörper erlauben nach heutigem Kenntnisstand keine Aussage über bei Neurodermitis relevante Nahrungsmittel-Allergien oder -Unverträglichkeiten“, so Rietschel.

Falls die Krankheitsvorgeschichte und der Bluttest kein eindeutiges Ergebnis erbringen, sollte ein Auslass- und Provokationsversuch durchgeführt werden. Dies ist eine sichere und praktikable Methode herauszufinden, ob ein Nahrungsmittel tatsächlich die Neurodermitis verschlechtert. Dabei wird das entsprechende Nahrungsmittel mindestens eine Woche weggelassen und dann wieder gegeben.4,6 Nur wenn sich der Zustand der Haut daraufhin erneut verschlechtert, ist ein Weglassen dieses Nahrungsmittels sinnvoll. Diese Diätempfehlung gilt zunächst für ein bis zwei Jahre.5 Sie sollte stets eng von einem allergologisch ausgebildeten Arzt begleitet werden. Die Notwendigkeit diätetischer Maßnahmen ist meist zeitlich begrenzt, weil sich oft eine Toleranz gegen das betreffende Nahrungsmittel entwickeln kann.5 Diäten, bei denen eine Vielzahl von Nahrungsmitteln vorenthalten werden, schaden dem Kind und stellen ein nicht zu unterschätzendes gesundheitliches Risiko dar.

Nahrungsmittelallergien als Auslösefaktor für die Neurodermitis nehmen übrigens mit zunehmendem Alter ab.6,7

 

1.  Johnston GA, Bilbao RM, Graham-Brown RA. The use of dietary manipulation by parents of children with atopic dermatitis. Br J Dermatol. 2004 Jun;150(6):1186-9.

2.  Werfel T, Breuer K. Role of food allergy in atopic dermatitis. Curr Opin Allergy Clin Immunol. 2004 Oct;4(5):379-85.

3.  Eigenmann PA, Sicherer SH, Borkowski TA, Cohen BA, Sampson HA. Prevalence of IgE-mediated food allergy among children with atopic dermatitis. Pediatrics. 1998 Mar;101(3):E8.

4.  AWMF Richtlinie Standardisierung von oralen Provokationstests bei IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien. Allergologie 2000; 23: 564-591

5.  Werfel T et al. Vorgehen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis. Allergologie 2003; 26: 33-41; Allergo J 2002; 11:386-393

6.  Rietschel et al. Diagnostik IgE-vermittelter Allergien bei Kindern und Jugendlichen. Positionspapier der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin, 02/03

7.  Nickel R et al. Messages from the German Multicentre Allergy Study. Pediatr Allergy Immunol 2002;13 (Suppl 15): 7-10

 


 

 

 

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