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Ausgabe
Dezember 2006

Milbenallergie
Nachts sind Sie nie allein:
Bettnachbar Hausstaubmilben
Viele Deutsche wachen mitten
in der Nacht auf, weil sie Schnupfen, Husten oder Atemnot
plagen. Die Ursache ist häufig eine Allergie auf
Hausstaubmilben, die sich in der feuchtwarmen Umgebung des
Bettes besonders wohl fühlen. Hier finden die Milben
Lebensbedingungen vor, die für sie optimal sind: 75 Prozent
Luftfeuchtigkeit bei einer Temperatur von 25 Grad. Hinzu
kommt, dass sich diese winzigen Spinnentiere von
Hautschuppen ernähren, von denen Menschen täglich etwa ein
Gramm verlieren.
Die Beschwerden bei einer
Hausstaubmilbenallergie werden durch Substanzen im Kot der
Tiere ausgelöst. Vor allem Kinder reagieren oftmals
allergisch auf Milbenallergene. Etwa jedes fünfte Kind ist
bereits sensibilisiert.1 „Bei Verdacht auf eine
Milbenallergie sollte ein auf Allergien spezialisierter Arzt
bzw. Kinderarzt aufgesucht werden“, so Dr. Ernst Rietschel
von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und
Umweltmedizin (GPA). „Wenn die Auslöser der
Beschwerden feststehen, kann der Facharzt eine wirksame
Behandlung beginnen und außerdem erklären, wie sich die
Belastung mit Milbenallergenen in der Wohnung herabsetzen
lässt.“
Spezifische Immuntherapie
schützt vor den Langzeitfolgen
Hausstaubmilben sind mit
38,3 Prozent nach Pollen (85,9 Prozent) die zweithäufigsten
Auslöser allergischer Atemwegserkrankungen in Deutschland.2
Wird ein allergischer Schnupfen nicht behandelt, droht der
so genannte Etagenwechsel, eine Ausweitung der Beschwerden
von den oberen auf die unteren Atemwege; allergisches Asthma
ist die Folge. Das Asthmarisiko ist bei Patienten mit einem
allergischen Schnupfen 3,2-mal höher als in der
Normalbevölkerung.3 So genannte Antihistaminika
helfen, die akuten Allergiesymptome zu lindern. Um eine
langfristige Besserung zu erzielen, empfiehlt Rietschel
jedoch die Durchführung einer spezifischen Immuntherapie (SIT),
die in etwa 90 Prozent der Fälle die Allergiesymptome
dauerhaft und effektiv bessert. Eine kürzlich in Hongkong
abgeschlossene Studie hat gezeigt, dass
Hausstaubmilbenallergiker mit leichtem bis mittelgradigem
Asthma auch dann von einer SIT profitieren, wenn ihr Asthma
bereits medikamentös optimal behandelt wird. Die Patienten,
die mit einer SIT behandelt wurden, hatten weniger
Asthmasymptome und benötigten auch weniger Medikamente. Sie
schätzten die Gesamtsymptomatik besser ein und berichteten
eine Verbesserung der Häufigkeit und Schwere ihrer
Asthma-Anfälle.4
Beschwerdezunahme in den
kalten Monaten
Etwa ab Mai beginnen die
Milben, sich zu vermehren: Dann ist die Luft feuchter und
die Temperaturen steigen. Im Herbst gibt es allerdings die
meisten Hausstaubmilben. Das führt dazu, dass gerade im
Winter die Beschwerden, die durch den Milbenkot verursacht
werden, besonders häufig sind. Und das, obwohl viele der
Milben aufgrund der ungünstigeren Lebensbedingungen im
Winter sterben. Doch ihr Kot bleibt und wird mit dem Staub
durch die zirkulierende Heizungsluft in der Wohnung
verteilt. Allergiekranke Menschen sollten deshalb unnötige
Staubfänger aus der Wohnung und besonders aus dem
Schlafzimmer verbannen. Darüber hinaus empfiehlt Rietschel,
Fußböden häufig zu saugen oder zu wischen und in der Wohnung
eine regelmäßige Stoßlüftung durchzuführen. Das senkt die
Luftfeuchtigkeit und kühlt den Raum. Auch das Bettzeug
sollte regelmäßig gewaschen und Matratzen einmal jährlich
gereinigt werden. Für Hausstauballergiker besteht die
Möglichkeit, spezielle milbendichte Bezüge für Kissen,
Decken und Matratzen, so genannte Encasings, zu benutzen.
Wer den Plagegeistern
einmal wirklich entkommen möchte, sollte den nächsten
Urlaub in den Bergen machen. Ab 1.500 Meter ist die
jährliche Durchschnittstemperatur so niedrig, dass keine
Milben mehr vorkommen.
1. Symposium zur Studie zur Gesundheit von Kindern und
Jugendlichen in Deutschland; Robert Koch-Institut, 25.
September 2006 in Berlin.
Im
Internet: www.kiggs.de/experten/downloads/dokumente/Allergien_Schlaud.pdf
2.
Bergmann KC, Albrecht G, Fischer P. Atemwegsallergiker in
Deutschland.
Ergebnisse der Studie Allergy – Living & Learning.
Allergologie 2002; 3: 137-146
3. Pariente PD, LePen C, Los F, Bousquet J. Quality-of-life
outcomes and the use of antihistamines in a French national
population-based sample of patients with perennial rhinitis.
Pharmacoeconomics 1997; 12: 585-95
4. Wang H,
Lin X, Zhang C, Sun B, Zheng J, Chen P, Sheng J, Wu A.,
Zhong N. Doppelblinde placebokontrollierte Studie zur
Immuntherapie gegen Hausstaubmilben bei Asthmapatienten in
China. Allergy 2006: 61, 191-197 |