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Ausgabe Dezember 2006



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Allergie auf Tierhaare

 

Ein neues Fell für Kater Mikesch

Gut jeder vierte Deutsche besitzt ein Haustier.1 Doch während die meisten Menschen die Gesellschaft eines kuscheligen Schmusekaters und eines drolligen Mischlingswelpen problemlos genießen können, gibt es andere, die sich nicht über die Anwesenheit der tierischen Begleiter freuen: Tierhaar-Allergiker. Möchte man den aktuellen Meldungen glauben, brechen für Katzenhaar-Allergiker jetzt aber gute Zeiten an. Eine amerikanische Firma teilte mit, dass es ihr gelungen sei, Katzen zu züchten, denen das krankmachende Allergen Fel d 1 fehlt.2 Der Marburger Professor Harald Renz von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) bleibt skeptisch: „Es ist wichtig, dass das auslösende Allergen komplett fehlt. Niedrige Konzentrationen führen noch eher als hohe Konzentrationen zu einer Sensibilisierung und sind so unter Umständen sogar gefährlicher für allergiekranke Personen. So lange nicht klar ist, ob bei den Tieren das Allergen vollständig fehlt, sollten Katzenhaar-Allergiker den Kontakt mit Katzen weiterhin meiden.“

Training für das Immunsystem

Hohe Allergen-Konzentrationen können auch einen Schutz gegen allergische Erkrankungen darstellen.3 Entweder viele Hunde oder keinen anschaffen: So ließe sich der Rat von Renz salopp zusammenfassen: „Hohe Allergen-Konzentrationen erreichen unter Umständen ein Niveau, das zu einer Toleranzentwicklung des Immunsystems führen kann. Leider wissen wir noch nicht, wie hoch die Konzentration für das jeweilige Allergen sein muss. Je nach Allergentyp sind die dafür erforderlichen Mengen unterschiedlich.“

Im letzten Drittel der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr kann außerdem die Umgebung einen positiven Einfluss auf das Immunsystem haben. Nach der so genannten Hygienehypothese kann beispielsweise das mikrobielle Millieu auf einem Bauernhof dazu beitragen, das Immunsystem zu trainieren. Man vermutet, dass dies bestimmte Moleküle aus Bakterienzellwänden, so genannte Endotoxine, bewerkstelligen. Eine aktuell laufende Studie der Abteilung für Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik an der Marburger Universität unterstützt die Annahmen früherer Untersuchungen.4,5


 

Karenz schützt, SIT bessert Allergie

Nahezu alle Haustiere können Allergien verursachen. Allerdings sind Hunde und Katzen die häufigsten Begleiter der Deutschen und auch meistens – vor allem die Katze – die Auslöser. Blutuntersuchungen von Kindern im Alter zwischen drei und 17 Jahren ergaben, dass 9,7 Prozent gegen Hunde und 8,4 Prozent gegen Katzen sensibilisiert waren.6 Das Katzenallergen Fel d 1 ist anscheinend das potenteste unter den von Tieren verbreiteten Allergenen und kommt im Speichel von Katzen vor.7 Durch die Fellpflege gelangen die Allergene an die Tierhaare und werden dann in der Raumluft verteilt, wo sie sich aufgrund ihrer Leichtigkeit und geringen Größe lange halten. Die Partikel heften sich auch an die eigenen Haare, an Polster und Textilien. Sie sind dort über Monate nachzuweisen und können auch an andere Orte wie die Schule oder den Arbeitsplatz verschleppt werden.8,9 Sensibilisierungen gegen Fel d 1 können bereits nachgewiesen werden, wenn die Betroffenen noch gar keine allergischen Symptome entwickelt haben.

Der Bochumer Professor Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), rät Familien, in denen häufig Allergien vorkommen, ein Haustier gar nicht erst anzuschaffen: „Bei Menschen, die besonders früh eine Überempfindlichkeit gegen die Allergene entwickeln, erhöht sich das Asthmarisiko deutlich. Auf keinen Fall sollte der Hund oder die Katze ins Schlafzimmer gelassen werden.“

 

1.    Robert-Koch-Institut: Heimtierhaltung – Chancen und Risiken für die Gesundheit –GBE-Heft 19; 2003

2.    http://www.allerca.com/

3.    Svanes C et al. Pet-keeping in childhood and adult asthma and hay fever: European community respiratory health survey. J Allergy Clin Immunol. 2003 Aug;112(2):289-300.

4.    Lau S, Wahn U. Pets – good or bad for individuals with atopic predisposition? J Allergy Clin Immunol. 2003 Aug;112(2):263-4.

5.    Ownby DR et al. Exposure to dogs and cats in the first year of life and risk of allergic sensitization at 6 to 7 years of age. JAMA. 2002 Aug 28;288(8):963-72.

6.  Symposium zur Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland; Robert Koch-Institut, 25. September 2006 in Berlin.

Im Internet: www.kiggs.de/experten/downloads/dokumente/Allergien_Schlaud.pdf

7.  Lau S. Die Entwicklung des kindlichen Asthma bronchiale unter der besonderen Berücksichtigung der Innenraumallergen-Exposition. Habilitationsschrift 29.01.2002

8.  Almqvist C et al. School as a risk environment for children allergic to cat and a site for transfer of cat allergen to homes. J Allergy Clin Immunol 1999 ; 103 : 1012-1017

9.  Almqvist C et al. Worsening of Asthma in Children Allergic to Cats, after Indirect Exposure to Cat at School. Am J Resp Crit Care Med, Volume 163, Number 3, March 2001, 694-698

 

 

 

 

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