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SIT, spezifische Immuntherapie, Navigation

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Ausgabe Dezember 2006




 

Highlights vom Allergie-Kongress

 

Die spezifische Immuntherapie – Trends und Entwicklungen

Die wichtigsten Neuerungen für die Behandlung von Allergien betreffen die spezifische Immuntherapie. Darauf wies Professor Dr. Ludger Klimek anlässlich des 29. Kongresses des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) im September in Wiesbaden hin. In Form von neuen Ko-Agenzien, Applikationsintervallen und Darreichungsformen erlebt die Immuntherapie derzeit einen enormen Aufschwung.

Eine spezifische Immuntherapie – auch als Allergie-Impfung bezeichnet – ist die einzige Möglichkeit, Atemwegs- und Insektengift-Allergien ursächlich zu behandeln. Die Therapie reduziert effektiv und lang anhaltend die Symptome und kann das zusätzliche Auftreten von Asthma verhindern. Dennoch erhalten zu wenige Patienten diese kausale Allergietherapie. „Seit Jahren wird fieberhaft geforscht, um der Immuntherapie zu mehr Akzeptanz bei Ärzten und Patienten zu verhelfen. Jetzt zeichnen sich wirkliche Innovationen ab“, erklärte Klimek.

Tabletten-Immuntherapie gegen Gräserpollen-Allergie

Bei einer spezifischen Immuntherapie (SIT) erhält der Patient regelmäßige Injektionen eines Präparats mit „seinem“ Allergen in einer molekular standardisierten Zubereitung. Alternativ können täglich oder mehrmals wöchentlich Tropfen unter die Zunge geträufelt werden (sublinguale Therapie). Die Behandlung wirkt gegen allergischen Schnupfen und allergisches Asthma aufgrund von Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaaren, aber auch gegen Insektengift-Allergien.

Im Oktober wurde erstmals eine Tablette mit Allergenen aus Gräserpollen in Deutschland zugelassen. Die so genannte Gräserimpftablette wird von den Betroffenen einfach zu Hause unter die Zunge gelegt, wo sie sich in Sekundenschnelle auflöst. „Die Tabletten-Immuntherapie ist eine neue Chance für Gräserpollenallergiker, die immerhin schätzungsweise 70 Prozent der Heuschnupfenkranken ausmachen“, erklärt der HNO-Arzt und Allergologe Klimek.


 

Gentherapie gegen Allergien

Aufgrund der Fortschritte bei der Aufklärung von Eiweißstrukturen und den ihnen zugrunde liegenden DNA-Sequenzen ist auch im Bereich der Allergiebehandlung eine Gentherapie denkbar: Allergieauslöser sind Proteine. Die „Baupläne“ dieser Allergene entsprechen bestimmten DNA-Abschnitten in den Zellen der Pflanzen oder Tiere, von denen die Allergieauslöser freigesetzt werden. Theoretisch lassen sich diese DNA-Sequenzen in bestimmte Immunzellen des Menschen übertragen. Diese Zellen sind dann gezwungen, die Allergene herzustellen, so dass diese das Immunsystem beeinflussen können. „Die für die Immuntherapie verwendeten Allergene würden also nicht regelmäßig von außen appliziert, sondern von den für die Immunabwehr zuständigen Zellen selbst hergestellt“, erläutert Klimek. „Die ‘AllerGentherapie’ ist bisher nur im Tierversuch getestet worden. Noch wirft dieses Konzept viele Fragen auf, doch die Aussicht auf eine vielleicht nur einmal erforderliche Impfung gegen Allergien ist eine reizvolle Zukunftsmusik.“

Außerdem wird untersucht, ob bestimmte Zusatzstoffe die spezifische Immuntherapie verbessern oder die Therapiedauer verkürzen können. Solche so genannten Adjuvantien können Viruspartikel oder DNA-Fragmente sein, die stimulierend auf das Immunsystem wirken. Erste Studien mit Pollen- und Hausstauballergikern in den USA beziehungsweise der Schweiz waren erfolgreich. Die Patienten benötigten nur sechs oder acht Injektionen mit Allergenen in Kombination mit den Adjuvantien. „Ebenso wie bei der Gentherapie muss auch die Immuntherapie mit Adjuvantien noch in vielen Studien überprüft werden“, meint Klimek. Dagegen haben die herkömmliche SIT und die dabei verwendeten Allergene ihre effektive und lang anhaltende Wirkung in zahlreichen Studien belegt.

Initialtherapie gegen Pollenallergie im Herbst beginnen

„Der Herbst ist SIT-Saison. Wenn der Pollenflug vorbei ist, sollte das Immunsystem von Heuschnupfenkranken durch regelmäßige Konfrontation mit den Allergenen trainiert werden“, rät Klimek. „Der Therapieerfolg macht sich bereits in der nächsten Pollensaison bemerkbar.“ Die besten Erfolgsraten mit über 90 Prozent hat die SIT bei Insektengift-Allergikern und bei Patienten mit allergischem Schnupfen aufgrund von Pollen oder Hausstaubmilben. Weitere Einsatzgebiete sind Allergien gegen Schimmelpilze und Tierhaare. Entscheidend für den Erfolg der Therapie ist eine sorgfältige Diagnostik bei einem allergologisch ausgebildeten Facharzt, damit die Allergieauslöser eindeutig festgestellt werden.

 

 

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