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Ausgabe
Dezember 2006

Klinische Studie bringt Hoffnung
Neurodermitis – Oft
sind auch Milben die Übeltäter
In
mehreren deutschen Universitäts-Hautkliniken und
Allergie-Zentren wird derzeit eine neue Behandlung getestet,
die vielen der etwa 2,5 Millionen an Neurodermitis
erkrankten Menschen in Deutschland helfen könnte. „Wir
überprüfen bei Patienten mit Neurodermitis und gleichzeitig
bestehender Hausstaubmilbenallergie die Wirksamkeit einer
spezifischen Immuntherapie“, erklärt der Studienleiter
Professor Alexander Kapp von der Deutschen Gesellschaft für
Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). Kapp ist
Direktor der Hautklinik der Medizinischen Hochschule
Hannover (MHH). Er hat bereits in einer früheren Studie
Hinweise dafür gefunden, dass Neurodermitiker von einer
Immuntherapie profitieren.1 Diese Behandlungsform
ist eine Standardtherapie bei Allergien gegen Pollen,
Hausstaubmilben, Tierhaare und Insektengift.
Teufelskreis aus Juckreiz und Entzündung
Neurodermitis – auch atopisches Ekzem genannt – zählt ebenso
wie Heuschnupfen und Asthma zu den so genannten atopischen
Erkrankungen, deren Ursache noch weitgehend unbekannt ist.
Vermutlich führen eine genetische Vorbelastung und bestimmte
Umweltfaktoren dazu, dass das Immunsystem überempfindlich
ist und auf eigentlich harmlose Reize mit einer allergischen
Entzündung reagiert. Bei Patienten mit Neurodermitis ist die
Haut entzündet, vor allem am Hals und in den Gelenkbeugen.
Die betroffenen Stellen sind gerötet, schuppig und haben
eine vergröberte Struktur. Ein zum Teil unerträglicher
Juckreiz ist jedoch das hervorstechende Symptom. Der
Juckreiz führt die Betroffenen in einen Teufelskreis: Sie
kratzen sich sehr viel, um Linderung zu finden. Durch das
Kratzen entstehen nässende und mit Krusten belegte
Entzündungsherde, die wiederum den Juckreiz steigern.
Individualbehandlung durch Spezialisten wichtig
Zur
Standardtherapie gehören pflegende und – bei schubartigen
Verschlechterungen der Hautkrankheit – kortisonhaltige
Salben. Kortison wirkt stark entzündungshemmend. „Für eine
erfolgreiche Behandlung ist es auch sehr wichtig, die
Auslösefaktoren genau zu analysieren und die Therapie
individuell auf den Patienten abzustimmen“, sagt der
Hautarzt und Allergologe Professor Kapp. Er empfiehlt den
Betroffenen, einen auf die Behandlung von Allergien
spezialisierten Facharzt aufzusuchen.
Allergieauslöser wie
Hausstaubmilben, Pollen oder bestimmte Nahrungsmittel
haben sich als Risikofaktor für Neurodermitis entpuppt.
So sind bis zu 90 Prozent der Patienten allergisch gegen
Milben.2,3 „Das wissen die Betroffenen
meistens gar nicht. Sie merken aber vielleicht, dass die
Krankheitssymptome sich im Herbst mit dem Beginn der
Heizperiode verstärken“, erklärt Kapp. Bei Menschen mit
Neurodermitis und einer Milbenallergie kann die
spezifische Immuntherapie, bei der in regelmäßigen
Abständen Milbenallergene gespritzt werden, das
Immunsystem unempfindlich machen. „Die Therapie bewirkt
eine langsame Gewöhnung an das Allergen“, so Kapp. „Die
Patienten haben nach der Behandlung viel weniger
Symptome und benötigen auch weniger Kortisonsalben. Ob
diese Erfolge langfristig sind, überprüfen wir jetzt in
einer großen kontrollierten Studie an mehreren Zentren
in Kiel, Hamburg, Berlin, Hannover, Bonn, Wuppertal,
Frankfurt und München.“ Menschen mit Neurodermitis und
Verdacht auf eine Hausstaubmilben-Allergie, die an der
Studienteilnahme interessiert sind, können sich an den
Universitäts-Hautkliniken oder Allergie-Zentren dieser
Orte melden.
1 Werfel
T, et al.: Usefulness of specific immunotherapy in patients
with atopic dermatitis and allergic sensitization to house
dust mites: a multi-centre, randomized, dose-respond study.
Allergy 2006;61:202-5
2 Sporik
R, Holgate ST, Platts-Mills TAE, Cogswell JJ: Exposure to
house-dust mite allergen (Der p I) and the development of
asthma in childhood. N Engl J Med 1990;323:502-7
3 Werfel
T, Kapp A: Environmental and other major provocation factors
in atopic dermatitis. Allergy 1998;53:731-9
Adressen von
Selbsthilfegruppen
·
Bundesverband
Neurodermitiskranker in Deutschland e.V.
Oberstraße 171
56154 Boppard
Tel.: 06742/8713-0
Internet: www.neurodermitis.net
·
Deutscher
Neurodermitiker Bund e.V.
Spaldingstraße 210
20097 Hamburg
Tel.: 040/230810
Internet: www.dnb-ev.de
·
Deutscher
Allergie- und Asthmabund e.V.
Hindenburgstraße 110
41061 Mönchengladbach
Tel.: 02161/10207 (Hotline von 9.30 – 12.30 Uhr)
Internet: www.daab.de |