|
Ausgabe
Dezember 2006

Kinder- und Jugendsurvey des Robert
Koch-Instituts
Hohe Allergiehäufigkeit bei Kindern
festgestellt
Allergien gehören zu den häufigsten
chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Das bestätigte auch
der erste bundesweite Kinder- und Jugendsurvey (KiGGS)1, den
das Robert Koch-Institut am 25. September 2006 in Berlin
vorgestellt hat. Mit Hilfe von Befragungen der Eltern war
die Häufigkeit von ärztlich diagnostiziertem Heuschnupfen,
Asthma und Neurodermitis bei Kindern und Jugendlichen im
Alter von null bis 17 Jahren festgestellt worden. Durch
Blutuntersuchungen wiesen die Wissenschaftler des Robert
Koch-Instituts bei den Drei- bis 17-Jährigen außerdem nach,
gegen welche Allergieauslöser die Kinder und Jugendlichen
sensibilisiert sind.1

Insgesamt leiden 16,7 Prozent aller
Kinder und Jugendlichen in Deutschland aktuell unter einer
allergischen Erkrankung des atopischen Formenkreises. Damit
zeigte sich wieder, dass Heuschnupfen, Neurodermitis und
Asthma sehr häufige Erkrankungen bei Kindern sind. Asthma
und Heuschnupfen kommen etwas häufiger bei Jungen als bei
Mädchen vor. Dagegen haben Mädchen häufiger Neurodermitis.
KiGGS zeigt auch, dass die Verbreitung von Heuschnupfen mit
dem Alter der Kinder steigt – im Alter von 14 bis 17 Jahren
sind bereits über 15 Prozent betroffen. An Neurodermitis
leiden dagegen eher jüngere Kinder.1
40,8 Prozent der Kinder und
Jugendlichen sind gegen mindestens eines der 20 getesteten
Allergene sensibilisiert; am häufigsten gegenüber
Allergenen, die eingeatmet werden, allen voran die Allergene
von Gräser- und Roggenpollen. Dagegen sind laut 22,4 bzw.
20,9 Prozent der Kinder sensibilisiert. Mit einer Häufigkeit
von knapp über 20 Prozent sind Sensibilisierungen gegen
Hausstaubmilben fast ebenso häufig. Sensibilisierungen gegen
Birkenpollen wurden bei 14 Prozent und gegen Beifußpollen
bei 11,2 der Kinder und Jugendlichen festgestellt.
Häufigster Auslöser einer Sensibilisierung gegenüber einem
Nahrungsmittel im Alter zwischen drei und 17 Jahren sind
Erdnüsse: 10,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben
spezifische IgE-Antikörper gegen Erdnussallergene im Blut.
Insgesamt konnte eine Sensibilisierung gegenüber
Nahrungsmittel bei 20,2 Prozent nachgewiesen werden.1
Risiko steigt durch Zigarettenrauch,
Milben und Schimmelpilze
Die Ursache dafür, dass heutzutage so
viele Kinder an Allergien erkranken, ist immer noch nicht
geklärt. Die so genannte Hygiene-Hypothese postuliert, dass
ein unzureichendes Training des Immunsystems dafür
verantwortlich sein kann. Unsere Immunabwehr braucht in der
frühkindlichen Entwicklung für die Reifung eine Stimulation
durch Bakterien beziehungsweise Bestandteile von
bakteriellen Zellwänden, den so genannten Endotoxinen. Ohne
dieses Training entwickelt sich anscheinend leichter eine
Überempfindlichkeit gegenüber Allergenen. Und die machen uns
heutzutage enorm zu schaffen: Durch die Klimaerwärmung
verlängert und verstärkt sich der Pollenflug vieler
Pflanzen. Außerdem sind unsere Wohnräume oft stark mit
Hausstaubmilben und Schimmelpilzen belastet.
„Angesichts der hohen Zahl
allergiekranker Kinder sollten sich bereits werdende Eltern
darüber informieren, wie sich das Allergierisiko bei Kindern
senken lässt“, empfiehlt der Kinderallergologe Professor
Carl Peter Bauer, Erster Vorsitzender der Gesellschaft für
Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) aus
Gaißach. „Nach heutigem Forschungsstand sollten Säuglinge
mindestens vier, nach Möglichkeit sechs Monate gestillt
werden. Ist Stillen nicht möglich, sollte mit einer
hypoallergenen Säuglingsnahrung gefüttert werden. Enorm
wichtig ist der Verzicht auf das Rauchen in Schwangerschaft
und Stillzeit sowie in Gegenwart von Kindern.“ Auch
Maßnahmen zur Verringerung der Belastung mit Hausstaubmilben
– beispielsweise milbenundurchlässige Matratzenbezüge – und
eine Eindämmung des Schimmelpilzwachstums in Innenräumen
können das Risiko für Allergien verringern. Zum
Allergierisiko durch Fell tragende Haustiere gibt es
inzwischen so widersprüchliche Daten, dass fundierte
Empfehlungen kaum möglich sind.
Besteht bei einem Kind der Verdacht auf
eine allergische Erkrankung, sollte ein darauf
spezialisierter Kinderarzt aufgesucht werden. „Je früher die
Allergie diagnostiziert und fachärztlich behandelt wird,
desto besser sind die Heilungschancen“, sagt Bauer.
„Allergien sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Ohne ausreichende Behandlung werden sie chronisch und können
zu einer großen Belastung im Alltag werden.“
1. Schlaud M, Thierfelder W:
Allergische Erkrankungen. Präsentation des Robert
Koch-Institut anlässlich des KiGGS-Symposiums am 25.9.2006
in Berlin
www.kiggs.de bzw. www.kiggs.de/experten/erste_ergebnisse/index.html |