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Ausgabe Januar 2006

Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie (DGAKI)

5. Januar 2006
 


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Die Pollen sind bald wieder unterwegs.  Es fliegt was in der Luft

Ist es nur eine kleine Erkältung oder etwa Heuschnupfen? Diese Frage stellen sich im Frühling und Sommer viele Menschen. Im Winter vermutet dagegen kaum jemand, dass er vielleicht an einer Pollenallergie leidet. Zu unrecht: Menschen mit einer Allergie gegen die Pollen frühblühender Bäume können bereits im Januar Beschwerden entwickeln. Denn Hasel und Erle lassen ihre Pollen heute durchschnittlich 20 Tage früher fliegen als noch vor 20 Jahren. Steht der Wind besonders ungünstig, können außerdem Pollen aus wärmeren Ländern früh im Jahr bis zu uns herüber wehen. So wurden Anfang Februar 2004 Birkenpollen registriert, die in Deutschland eigentlich frühestens Mitte März unterwegs sein dürften. Ein Wetterumschwung und ein kräftiger Südwestwind hatten dafür gesorgt, dass die südfranzösische Birkenblüte noch in Deutschland zu spüren war.1

 

Winterschnupfen oder Heuschnupfen?

 

An eine Pollenallergie sollten alle denken, deren Beschwerden saisonal auftreten, also immer wieder zur gleichen Jahreszeit. Dabei nehmen die allergischen Beschwerden eher zu und können auch zu ganzjährigen Symptomen oder zu Kreuzallergien bzw. Nahrungsmittelallergien führen. „Normale“ Erkältungsmedikamente gegen den Winterschnupfen helfen bei einer Pollenallergie nicht. Standardtherapie sind so genannte Antihistaminika zur Linderung der Beschwerden und eine spezifische Immuntherapie zur langfristig wirksamen Ursachenbekämpfung.

„In jedem Fall sollte bei Verdacht auf allergischen Schnupfen ein allergologisch geschulter Facharzt aufgesucht werden. Denn nur nach einer sorgfältigen Diagnose kann auch eine optimale Behandlung stattfinden“, sagt Professor Dr. Thomas Fuchs, Göttingen, vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA). „Oft ist allerdings detektivischer Spürsinn gefragt, um die relevanten Allergene herauszufiltern.“

 

Fachgerechte Diagnose

 

Zur exakten Diagnose einer Allergie erfragt der Allergologe zunächst Art und Dauer der Beschwerden und wann diese genau auftreten (Anamnese). So lassen sich die möglichen Allergieauslöser (Allergene) eingrenzen. Unter Umständen kann es auch sinnvoll sein, wenn der Patient ein Allergie-Tagebuch führt, in dem er festhält, wann genau welche Beschwerden auftreten. Zusätzlich wird meist ein Hauttest durchgeführt, am häufigsten ein so genannter Pricktest. Dazu werden Allergene auf den Unterarm getropft. Anschließend pikst der Arzt die Haut durch den Tropfen hindurch mit einer Pricklanzette leicht an. Nach 15 Minuten zeigen Quaddelbildung und Rötung an, gegen welches Allergen der Patient empfindlich ist.

Ergänzend zum Hauttest können Laboruntersuchungen durchgeführt werden. Labortests sind erforderlich, wenn ein Hauttest aus bestimmten Gründen nicht möglich ist, beispielsweise bei schwerem Ekzem. Gängig und bewährt sind Tests auf spezifisches IgE (Immunglobulin E) – spezielle Antikörper, die bei allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle spielen. Dem Patienten wird für die IgE-Bestimmung Blut abgenommen. Inzwischen stehen Testsysteme zur Verfügung, mit denen Screening-Untersuchungen auf 20 verschiedene Allergene gleichzeitig durchgeführt werden können. Diese Analysen sind unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll, müssen aber immer im Zusammenhang mit der Anamnese betrachtet werden.

Wenn Haut- oder Labortests eine Überempfindlichkeit gegen eine Substanz anzeigen, bedeutet das nicht automatisch, dass dieses Allergen tatsächlich eine relevante allergische Erkrankung verursacht. Bei etwa einem Drittel der Bevölkerung lassen sich in Allergietests nämlich immunologische Reaktionen nachweisen, obwohl die Auslöser keinerlei Beschwerden wie Schnupfen oder Atemnot verursachen.2 Erst die fachärztliche Beurteilung der Anamnese zusammen mit den Laborergebnissen führt dazu, dass der wirkliche Auslöser entlarvt wird. Im Zweifelsfall führt der Allergologe einen Provokationstest durch. Hierbei müssen Heuschnupfenpatienten beispielsweise die verdächtigen Pollen einatmen. Wenn eine Allergie vorliegt, kann die allergische Reaktion unter ärztlicher Aufsicht festgestellt werden.

 

Drei Säulen der Therapie

 

Die Therapie des allergischen Schnupfens ruht auf drei Säulen: Meiden der Allergieauslöser, medikamentöse Therapie und spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung, Allergie-Impfung). Für Pollenallergiker ist es nahezu unmöglich, die Auslöser zu meiden. Hinsichtlich der medikamentösen Therapie haben sich bei Patienten mit milden Symptomen Antihistaminika und Nasensprays mit Kortison bewährt.

Die bisher einzige kausale Therapie gegen allergische Atemwegserkrankungen ist die spezifische Immuntherapie (SIT), die eine Erfolgsrate von bis zu 90 Prozent aufweist, bis hin zur Symptomfreiheit.

 Die SIT mit modernen molekular standardisierten Präparaten führt langanhaltend – auch noch Jahre nach ihrem Ende – zu einer Besserung der Allergie und verringert den Medikamentenverbrauch. Darüber hinaus wirkt die SIT bei Allergien vorbeugend. Sie kann die Entstehung weiterer Allergien verhindern und das Risiko für Asthma senken. Eine spezifische Immuntherapie sollte nur von einem allergologisch ausgebildeten Facharzt durchgeführt werden.

 

 

1    Scheid G: Birkenpollen im Februar. Allergo J 2004; 13: 92

2    Weißbuch Allergie in Deutschland, 2. Auflage. DGAKI, ÄDA, DAAU (Ring J, Fuchs T, Schultze-Werninghaus G, Hrsg.), Urban und Vogel, München 2004.

 

 

 

 

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