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Ausgabe Januar 2006

Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie (DGAKI)

5. Januar 2006
 


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Informieren, vorbeugen, therapieren: Keine Chance den Pollen

Die Pollenjäger lauern an 45 Orten in Deutschland. Dort haben sie ihre Pollenfallen aufgestellt – von Rügen bis zum Oberjoch in den Alpen. Luft wird durch einen schmalen Schlitz in eine Maschine gesaugt und über einen mit Vaseline beschichteten Papierstreifen geleitet. Dieser ist auf einer Trommel befestigt, die sich langsam dreht. Die Pollen bleiben an dem Streifen hängen und können entsprechend des Zeitpunkts ihres Auftretens mithilfe eines Mikroskops nach Sorten unterschieden und gezählt werden. Das geschieht zum Beispiel auf dem Dach von Universitätskliniken. Die Zahlen werden an den Deutschen Wetterdienst (DWD) in Freiburg weiter gegeben. „In Bad Lippspringe 5.000 Birkenpollen pro Kubikmeter Luft“ kann so eine Meldung zum Beispiel lauten.

Der DWD erstellt aus diesen Daten die Pollenflugvorhersage. Dazu verknüpft der DWD die Informationen mit meteorologischen Daten wie der vorhergesagten Windgeschwindigkeit oder erwarteten Niederschlägen. „Wenn zu wenig Wind weht, ist der Pollenflug behindert, bei zu viel Wind aber auch. An Regentagen werden natürlich auch weniger Pollen in der Luft sein. Allerdings spielt hier die Tageszeit, zu der der Niederschlag fällt, eine Rolle, genauso wie die Temperaturen“, erläutert Dr. Klaus Bucher vom DWD. „Wir schätzen anhand solcher Zusammenhänge ab, wie stark die Belastung durch Pollen tatsächlich ausfallen wird.“ Zusätzlich arbeitet der DWD mit etwa 400 so genannten phänologischen Sofortmeldern zusammen. Was sich nach Warnleuchten oder Sirenen anhört, sind in Wirklichkeit geschulte Personen, meist Biologen. Sie verfolgen das Wachstum der für Allergiker relevanten Pflanzen und können erkennen, ob sie bald anfangen werden zu blühen. Auch ihre Beobachtungen fließen in die Prognosen des DWD mit ein. Die Freiburger Wetterfrösche teilen Deutschland in 28 Regionen ein. Jede Region erhält – angepasst an die regionalen meteorologischen Bedingungen – ihre eigene Pollenflugvorhersage.

 

Wichtige Informationsquelle für Pollenallergiker

 

Anlass, der Pollenflugvorhersage zu lauschen, haben immer mehr Menschen. „Heute leiden bereits 25 Prozent der Bevölkerung an der Volkskrankheit Heuschnupfen“, erläutert Professor Dr. Claus Bachert, Gent, von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). „Und die Zahl der Patienten nimmt weiter zu – wenn auch scheinbar langsamer als noch vor zehn Jahren. Wahrscheinlich werden wir in fünf bis zehn Jahren 30 Prozent allergiekranke Menschen haben.“

Die Pollenflugvorhersage liefert Betroffenen eine wichtige Hilfestellung, um ihre Allergie in den Griff zu bekommen. „Wenn ein starker Flug von Birkenpollen angekündigt wird, und man ist Birkenpollenallergiker, sollte man zum Beispiel die Fenster geschlossen halten, den geplanten Ausflug ins Grüne noch einmal überdenken und vorbeugend ein antiallergisches Medikament einnehmen, ein so genanntes Antihistaminikum“, empfiehlt Bachert. Werden diese Mittel frühzeitig und langfristig eingenommen, so wirken sie effektiver, als wenn man erst bei Auftreten der Beschwerden mit der Anwendung beginnt.

 

Tablette zur spezifischen Immuntherapie

 

Die Therapie allergischer Erkrankungen wird ständig verbessert. Moderne Kortisonpräparate zum Inhalieren oder in Form von Nasensprays wirken inzwischen nahezu ausschließlich an den Schleimhäuten von Nase und Bronchien. Nebenwirkungen kommen dadurch nur noch extrem selten vor. Permanent weiterentwickelt wird auch die so genannte spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung), bei der der Körper durch regelmäßige Konfrontation mit standardisierten Allergenlösungen wieder „unempfindlich“ gemacht wird.

Bachert: „Meistens injiziert man die Allergene. Es kommen aber immer mehr Präparate auf den Markt, bei denen die Allergenlösungen unter die Zunge getropft werden. Dieses Verfahren ist bei erwachsenen Pollenallergikern ebenfalls gut wirksam.“ Neueste Innovation für die spezifische Immuntherapie ist eine Tablette, deren Wirksamkeit derzeit in einem umfangreichen Studienprogramm mit Gräserpollenallergikern untersucht wird. Die bisherigen Ergebnisse sind viel versprechend. Mit der Zulassung für die Routinebehandlung wird Ende 2006 gerechnet.

Kürzlich hat ein so genannter Anti-IgE-Antikörper die EU-Zulassung für die Behandlung von schwerem allergischen Asthma erhalten: „Das Medikament Omalizumab blockiert die so genannten IgE-Antikörper und soll dadurch die Beschwerden lindern“, erklärt der Allergologe und Hals-Nasen-Ohrenarzt Professor Bachert. „ Das neue Mittel muss alle zwei bis vier Wochen unter die Haut injiziert werden.“ Omalizumab ist nur für schwerkranke Asthmatiker zugelassen, nicht für Heuschnupfen-Patienten.

 

 

 

 

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