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Ausgabe
Juni 2006
Gesundheitsprobleme durch Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie
(1)
Amerikanischer Korbblütler kann schwere Pollenallergien
auslösen /Bundesweiter Arbeitskreis gegründet
Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) und
ihr
Gesundheitsgefährdungspotenzial stand im Mittelpunkt eines
von der
Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in
Braunschweig organisierten Workshops. Die aus Nordamerika
stammende
Art kann schwere Pollenallergien hervorrufen. Die Brisanz
des Themas
für die menschliche Gesundheit bewog die Teilnehmer des
Workshops,
einen interdisziplinären Arbeitskreis zu gründen und sich
regelmäßig
zu treffen.
Weit verbreitet ist die Beifuß-Ambrosie bereits in mehreren
europäischen Ländern, beispielsweise im Raum Lyon oder Raum
Mailand
oder Ungarn einschließlich aller umgebender Länder. Derzeit
breitet
sie sich auch in mehreren Regionen Deutschlands aus, etwa im
Raum
Mannheim-Karlsruhe. Aus Hessen sind bislang nur wenige und
zudem
individuenarme Vorkommen bekannt.
Die zu der Familie der Korbblütler (Asteraceae) zählende
Beifuß-Ambrosie ist eine einjährige Pflanze, die bis zu 200
cm hoch
werden kann. Als windblütige Art produziert sie in ihrer
Hauptblütezeit zwischen August und Oktober große Menge an
Pollen.
Einzelne große Pflanzen können bis zu 62.000 Samen
ausbilden, die im
Boden mehr als 39 Jahre lebensfähig bleiben.
Die Universität Frankfurt lieferte im Rahmen des Workshops
einige
zentrale Beiträge. Dr. Beate Alberternst und Dr. Stefan
Nawrath vom
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität berichteten
im
Einleitungsreferat von ihren Forschungsergebnissen zur
Biologie, der
Verbreitung und den Einschleppungswegen der Beifuß-Ambrosie
in
Deutschland. Dr. Ralf Horres von der Firma GenXPro GmbH,
einer jungen
Ausgründung der Universität im Frankfurter
Innovationszentrum
Biotechnologie (FIZ), referierte über molekularbiologische
Ansätze zur
Problemanalyse und Entwicklung von Handlungsstrategien. Eine vergleichende Analyse markerbasierter biogeographischer
Daten mit
meteorologischen Daten, Pollenkonzentrationsmessungen und
Untersuchungen zur Sensibilisierung der Bevölkerung
gegenüber Ambrosia
artemisiifolia-Pollen ermöglicht seiner Meinung nach ein
effektives
Monitoring der Ausbreitungsdynamik und somit der Entwicklung
des
Allergie auslösenden Potentials der Beifuß-Ambrosie in
Deutschland.
Dr. Frank Reinhardt schließlich hat im Auftrag des
Umweltbundesamtes
eine Studie zu den ökonomischen Folgen sich ausbreitender
gebietsfremder Arten erstellt und dabei erstmals für
Deutschland eine
Monetarisierung ökologischer Schäden vorgenommen. Obwohl die
Beifuß-Ambrosie bislang in Deutschland noch recht selten
ist,
verursacht sie im Gesundheitswesen nach seinen Schätzungen
bereits
Kosten von etwa 32 Mio. Euro jährlich. Bei der zu
erwartenden weiteren
Ausbreitung der Art ist eine Vervielfachung der Kosten
absehbar.
Wesentlich zu klären ist für die Frankfurter Forscher, ob
und wie
schnell eine Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie erfolgen wird;
auch
Einschleppungswege gilt es zu identifizieren.
Eine effektive Einschleppung geschieht über
Vogelstreufutter, das mit
Samen der Pflanze verunreinigt ist. Nach Analyse von 33
Vogelfutterproben aus verschiedenen Geschäften des
Rhein-Main-Gebietes
wurden in der Mehrzahl der Produkte Ambrosia-Samen
nachgewiesen, teils
in großer Zahl. Vielfach kommt es bei diesen Einschleppungen
jedoch
nicht zum Aufwuchs von Ambrosia, da die Jungpflanzen meist
der
Gartenpflege zum Opfer fallen. Streuvogelfutter sollte
außerhalb
gepflegter Gärten jedoch nicht verwendet werden.
Wünschenswert wäre,
dass bei der Produktion von Streuvogelfutter ebenso strenge
Kriterien
an die Saatgutreinheit gestellt würden, wie bei dem zu
Nahrungszwecken
bestimmten Saatgut um eine Einbringung der Art zu
verhindern.
Da zu erwarten ist, dass sich die Beifuß-Ambrosie auch im
Rhein-Main-
Gebiet ausbreiten wird, sind alle Leser gebeten, nach dieser
Art zu
schauen und Fundorte an Dr. Stefan Nawrath zu melden. Nähere
Beschreibungen und Abbildungen sind unter
www.ambrosiainfo.de
einzusehen
Kontakt: Dr. Stefan Nawrath; Abteilung Ökologie und
Diversität;
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität des
Fachbereichs Bio-wissenschaften; Siesmayerstr. 70; 60323 Frankfurt; E-Mail: S.M.Nawrath@em.uni-frankfurt.de
Foto 1: Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) und
Foto 2:Samen der Beifuß-Ambrosie können Sie unter www.muk.uni-frankfurt.de/pm/pm2006/0206/024/ abrufen.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://http:www.ambrosiainfo.de
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