|
Ausgabe
Mai 2006

Ärzteverband Deutscher
Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Gesellschaft für
Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI)
Pollenallergie: spezifische Immuntherapie
(SIT) und einfache Regeln helfen
Unbeschwerte Gartenarbeit trotz Allergie
Hobby-Gärtner mussten dieses Jahr lange auf das Ende des
Winters warten. Jetzt ist es soweit. Endlich können sie
anfangen zu pflanzen, zu säen und den Garten neu zu
gestalten. Gartenarbeit ist auch aus medizinischer Sicht zu
begrüßen: Bewegung an der frischen Luft hält Herz und
Kreislauf in Schwung und stärkt das Immunsystem.
Gartenliebhaber, die an einer Allergie leiden, sollten
allerdings einige Regeln beachten. Das empfiehlt der
Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA).
Zum Allergologen gehen: Allergische
Beschwerden gehören in die Behandlung eines allergologisch
geschulten Facharztes. Er kann die Allergie eindeutig
diagnostizieren, feststellen, gegen welche Substanzen, zum
Beispiel gegen welche Pollen sie sich richtet und eine
effektive Therapie in die Wege leiten. Pollen- und
Insektengiftallergien lassen sich wirkungsvoll und
ursächlich mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT)
behandeln: Dem Patienten wird die Substanz, auf die er
allergisch reagiert, regelmäßig in langsam ansteigenden
Dosen injiziert. Dadurch gewöhnt sich das Immunsystem wieder
an die Allergieauslöser und reagiert nicht mehr mit einer
krankhaften Abwehrreaktion. Die Erfolgsquoten einer SIT mit
standardisierten Allergenextrakten betragen bei
Pollenallergien über 80 Prozent und bei Allergien gegen
Insektengift über 90 Prozent.
Geeignete Pflanzen auswählen: Die Pollen mancher
Pflanzen verursachen häufiger eine Allergie als andere.
„Frühblühende Bäume wie Haselnuss, Erle und Birke gehören zu
den allergieträchtigsten Bäumen überhaupt“, erklärt
Professor Dr. Thomas Fuchs aus Göttingen, Vorstandsmitglied
des ÄDA. „Zwar steigt der größte Teil ihrer Pollen zu-nächst
nach oben und geht erst ein Stück entfernt nieder. Trotzdem
sollten die Bäume besser nicht auf dem eignen Grundstück neu
angepflanzt werden, wenn ein Familienmitglied mit Schnupfen
und juckenden Augen reagiert.“ Als Alternative kommen zum
Beispiel Kastanien oder Linden in Betracht, die viel
seltener Ursache allergischer Erkrankungen sind. Bei vielen
Baumarten reicht es schon, auf das Geschlecht zu achten. So
produzieren bei Ahorn, Weide und Pappel nur die männlichen
Bäume Pollen. Wichtig zu beachten: Auch Kräuter wie Beifuß
und Wegerich können allergische Beschwerden verursachen.
Weil sie ihre Pollen überwiegend in Bodennähe freisetzen,
ist die Pollen-Konzentrationen zur Blütezeit im Sommer und
Spätsommer vor Ort recht hoch. Fuchs: „Wer gegen diese
Pflanzen allergisch ist, sollte sie aus seinem Garten
verbannen.“
Den Rasen kurz halten: Die Belastung durch
Gräserpollen lässt sich reduzieren, wenn man den Rasen vor
der Gräserblüte Anfang bis Mitte Mai mäht und dann durch
regelmäßiges Mähen kurz hält. Allergiker sollten allerdings
nicht selber mähen.
Wespen und Bienen nicht anlocken: Wer auf das Gift
von Wespen oder Bienen allergisch reagiert, sollte sich gut
überlegen, ob er unbedingt Obstbäume in seinem Garten
braucht. Bienen laben sich sehr gerne an den Blüten der
Bäume, und Wespen lieben die süßen Früchte. Tummeln sich die
Tiere in und unter den Bäumen, steigt das Risiko für einen
Stich. Dasselbe gilt für Pflanzen mit „attraktiven“ Blüten.
Bienen ernten zum Beispiel gerne Tulpen, Glockenblumen,
Fingerhut, Klee, Disteln und Dahlien.
Die Haut schützen: Man weiß inzwischen von über 300
Pflanzenarten, dass sie Allergien auslösen können. Relativ
häufig kommen zum Beispiel Über-empfindlichkeitsreaktionen
gegen Inhaltsstoffe der Tulpenzwiebel vor. Deshalb ist in
Gärtnerkreisen das Krankheitsbild der „Tulpenfinger“ gut
bekannt. Auch Kontaktallergien gegen Chrysanthemen, Primeln,
Astern, Löwenzahn, Narzissen und Arnika sind weit
verbreitet. Auf dem Blumengroßmarkt in Hamburg leiden
beispielsweise 30 Prozent der Beschäftigten an einer
Kontaktallergie auf Chrysanthemen. Besonders Menschen, die
zu allergischen Hauterkrankungen neigen, sollten bei der
Gartenarbeit Handschuhe, langärmelige Kleidung und lange
Hosen tragen. Unproblematisch für die Haut sind unter
anderem Rosen und Fuchsien.
Die Pollenflugvorhersage beachten: Frühblühende Bäume
lassen bereits seit Ende Februar wieder ihre Pollen fliegen.
Wer weiß, dass er gegen Pol-len allergisch ist, sollte vor
dem Gärtnern die Pollenflugvorhersage hören oder abrufen und
die Arbeit gegebenenfalls auf einen anderen Tag ver-schieben.
Eine Pollenflugvorhersage im Internet findet sich zum
Beispiel unter
www.pollenstiftung.de.
2006 wird ein „fettes“ Jahr für Baumpollen
Das Allergie-Dokumentations- und Informationszentrum in Bad
Lippspringe (ADIZ) geht davon aus, dass Bäume in diesem Jahr
besonders viele Pollen produzieren werden.
„Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass viele
Bäume alle zwei Jahre vermehrt Pollen produzieren. 2005 war
eher ein schwaches Baumpollenjahr, deshalb erwarten wir
dieses Jahr einen starken Baumpollenflug. Landwirte würden
sagen, es wird ein fettes Jahr für Baumpollen“, so Dr. Horst
Müsken vom ADIZ, Mitglied im Ärzteverband Deutscher
Allergologen (ÄDA).
„Insbesondere Birken- und
Erlenpollenallergiker müssen sich dieses Jahr auf verstärkte
Beschwerden einstellen. Sie sollten deshalb rechtzeitig
beginnen, ihre antiallergischen Medikamente einzunehmen.“
Für Birkenpollenallergiker kann das allerdings schwierig
sein. Müsken: „Birken setzen ihre Pollen explosionsartig
frei. Es gibt keine Übergangsphase mit milden Beschwerden,
keine Vorwarnung, sondern die allergischen Beschwerden
treten plötzlich, von einem Tag zum anderen, auf. Deshalb
sollten die Betroffenen besonders aufmerksam die
Pollenflugvorhersage beachten.“
|