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Ausgabe Mai 2006

 

Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI)

Bei Birkenpollenallergie Vorsicht mit Sojaprodukten

Menschen mit einer Allergie gegen Birkenpollen haben es schwer. Nicht genug damit, dass sie in jedem Frühling ein Taschentuch nach dem anderen vollschnäuzen und oft zusätzlich unter Asthma leiden. Viele von ihnen müssen darüber hinaus vorsichtig mit bestimmten Nahrungsmitteln sein. So enthalten Äpfel und Nüsse zum Teil ähnliche allergieauslösende Proteine (Allergene) wie Birkenpollen. Deshalb können Birkenpollenallergiker nach dem Genuss dieser Nahrungsmittel allergische Beschwerden entwickeln, bis hin zum allergischen Schock. „Kreuzallergie“ wird dieses Phänomen genannt.

Luftnot nach Sojamilch

Bereits seit einiger Zeit ist bekannt, dass es auch eine Kreuzallergie zwischen Kiwi und Birkenpollen gibt. Und Wissenschaftler aus Leipzig um Dr. Anke Süß berichteten Ende 2005 von drei Birkenpollenallergikern, die nach dem Genuss von Sojaprodukten schwere allergische Reaktionen mit Schwellungen des Gesichtes und ausgeprägter Atemnot entwickelten.1 Ursache: Das wichtigste Allergen der Birkenpollen, Bet v1, weist in seiner Struktur große Übereinstimmungen mit einem Sojaprotein auf. Eine Kreuzallergie zwischen Birkenpollen und Soja wurde auch von anderen Forschergruppen beobachtet.2 Wer auf Birkenpollen sehr stark allergisch reagiert, der sollte keine Sojaprodukte essen, empfehlen der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI).

Allergen-spezifische Immuntherapie vertreibt auch Kreuzallergie

Ob ein Patient an einer Allergie gegen Birkenpollen leidet, kann ein allergologisch geschulter Facharzt feststellen. Er erhebt dafür zunächst detailliert die Krankengeschichte. „Typisch für eine Birkenpollenallergie sind Beschwerden im März und April, der Hauptblütezeit der Birken“, so Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident der DGAKI. „Zusätzliche Fragen nach der Art und Intensität der Beschwerden, Hauttests, Blutuntersuchungen auf Allergie-typische Antikörper und gegebenenfalls spezielle Provokationstests, bei denen der Patient die vermuteten Allergieauslöser durch die Nase einatmet, können den Verdacht erhärten.“ Zur Therapie einer Birkenpollenallergie kommen unter anderem symptomlindernde Medikamente wie Antihistaminika oder kortisonhaltige Präparate in Frage. Die Ursache der Erkrankung lässt sich allerdings nur mit der spezifischen Immuntherapie („Allergie-Impfung“, Hyposensibilisierung) behandeln. Dazu werden den Patienten nach einer Anfangsbehandlung mit wöchentlichen Injektionen alle vier bis acht Wochen bevorzugt gut standardisierte Allergenextrakte unter die Haut gespritzt. Eine spezifische Immuntherapie führt dazu, dass sich die Funktion des Immunsystems normalisiert und bei Kontakt mit dem Allergen keine oder zumindest nur eine deutlich abgeschwächte Überempfindlichkeitsreaktion ausgelöst wird. Bei Pollenallergien profitieren über 90 Prozent der behandelten Patienten von dieser Behandlung. „Mit einer erfolgreichen Hyposensibilisierung bessern sich meistens auch Kreuzallergien“, so Schultze-Werninghaus. „Dies dürfe auch für die zunehmend verbreitete sublinguale Immuntherapie (SLIT) gelten. Belegt ist dies aber für die SLIT im Gegensatz zur SIT noch nicht.“

Erste Soja-Allergie schon 1934 beschrieben

Kreuzallergien mit Soja treten nicht nur bei Birkenpollenallergikern, sondern darüber hinaus bei Erdnussallergikern auf. Doch auch unabhängig davon bereiten Sojaprodukte aus allergologischer Sicht zunehmend Probleme. Die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen zählt Soja zu den acht wichtigsten Nahrungsmittelallergenen: 28 Proteine aus der Sojabohne werden als Allergene verdächtigt.3 Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sollen etwa 0,5 Prozent der Allgemeinbevölkerung und drei bis sechs Prozent aller Kinder allergisch auf Sojaprodukte reagieren. In den USA ist die Sojabohne das vierthäufigste und in Frankreich das dritthäufigste Nahrungsmittelallergen im Kindesalter.4 Der erste Fall einer Allergie gegen Soja wurde bereits im Jahr 1934 beschrieben.3 Inzwischen sind auch Todesfälle aufgrund eines allergischen Schocks nach Konsum von Sojaprodukten bekannt geworden. Grund dafür, dass Soja als Allergen mittlerweile so große Bedeutung hat, ist die zunehmende Verbreitung. Wegen ihres Protein-Reichtums werden Sojaprodukte wie Tofu oder Sojamilch im Rahmen einer vegetarischen Ernährung oft als Ersatz für Fleisch und Kuhmilch konsumiert. Daneben nutzt die Lebensmittelindustrie Soja und seine Bestandteile in vielen anderen Produkten. Etwa 30.000 Lebensmittel enthalten heutzutage Bestandteile der Sojabohne.3 Sojalecithin dient zum Beispiel in Backmitteln als Emulgator, der die Verarbeitung von Teig erleichtern soll, Sojamehl wird in vielen Backwaren mitverarbeitet. In Süßwaren wie Marzipan und Schokolade kommen ebenfalls oft Sojamehl und Lecithin zum Einsatz. Der dadurch häufige und fast unvermeidbare Kontakt mit Sojaproteinen begünstigt das Entstehen einer Überempfindlichkeit. Aus diesem Grund sollte Allergie-gefährdeten Säuglingen keine Sojamilch zu trinken gegeben werden. Das Allergie-Risiko wird dadurch nicht wie man früher annahm gesenkt5 – vielmehr setzt man die Kinder einem erhöhten  Risiko einer Soja-Allergie aus.

 

1  Süß A et al.: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2005; 3: 895-897

2  Mittag D et al.: Journal of Allergy and Clinical Immunology 2004; 113: 148-154

3  Cordle, CT: The Journal of Nutrition 2004; 134 (Suppl.): 1213S-1219S

4  Vielhuf I: Hautfreund 2001; 1: 12ff

5  Osborn DA, Sinn J: Cochrane Database of Sysematic Reviews 2004, Issue 3

 

 

 

 

 

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