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Ausgabe
Mai 2006

Das REDALL-Projekt:
Allergenreduzierte Lebensmittel als Alternative zur
Vermeidung des Lebensmittels bei Lebensmittelallergie
(Dr. Angelika Paschke, University of Hamburg, Institute of
Biochemistry and Food Chemistry, Grindelallee 117, 20146
Hamburg und das REDALL-Konsortium*)
Lebensmittelallergien gewinnen in der Diskussion und bezogen
auf den Gesundheitszustand der europäischen Bevölkerung
zunehmend an Bedeutung. Leider gibt es außer der Vermeidung
der allergieauslösenden
Lebensmittel keine wesentlichen neuen alternativen
Therapieansätze.
Die Europäische Union förderte daher im 5. Rahmenprogramm
eine Studie, in der allergene Lebensmittel tierischen
Ursprungs, d.h. Kuhmilch,
Hühnerei und Fleisch sowie deren Produkte am Menschen und im
Labor untersucht wurden. In einem neuartigen
multidisziplinären Ansatz unter Einbeziehen von
Universitätskliniken, Lebensmittelchemikern
(Analytikern), einem Meinungsforschungsinstitut und der
Industrie (Tab. 1, Abb. 1) wurde versucht, das allergene
Potenzial dieser Lebensmittel durch gezielte
Behandlungsstrategien zu vermindern, um so
eine verbesserte Verträglichkeit zu erreichen. Die
Ergebnisse aus dieser seit April 2003 laufenden Studie zur
Epidemiologie von Lebensmittelallergien in Europa,
Untersuchungen zur Allergenreduktion und neuen Testverfahren
sind vielversprechend:
Zur Problemerfassung wurden zunächst die Häufigkeit und
Charakteristika von Lebensmittelallergien in der
europäischen Bevölkerung unter Berücksichtigung regionaler
Unterschiede epidemiologisch untersucht. Dazu wurde eine
große randomisierte Telefonbefragung von mehr als 40000
Haushalten in 10 europäischen
Ländern durchgeführt. Es folgte eine gezielte Folgebefragung
der Lebensmittelallergiker. Zur Validierung dieser
Untersuchungen war eine Fragebogen-gestützte Befragung der
behandelnden Ärzte notwendig und von herausragender
Wichtigkeit.
Viele Lebensmittelprodukte enthalten allergene Komponenten
aus Kuhmilch, Hühnerei oder Fleisch. Neue analytische
Verfahren zum Nachweis kleinster Mengen der allergenen
Lebensmittel bzw. der Allergene an sich wurden im Rahmen der
Studie entwickelt, darunter
auch PCR-basierende DNA-Nachweismethoden und auf
Nanometallclustern basierende Immunoassays. Mit diesen
Verfahren wurden industriell hergestellte
Lebensmittelprodukte auf dem europäischen Markt
untersucht. Durch thermische und enzymatische
Behandlungsverfahren der Lebensmittel durch die Partner aus
der Lebensmitteltechnologie und der Industrie wurde
versucht, eine Reduktion des allergenen Potenzials der
Lebensmittel zu erreichen.
Patienten mit Lebensmittelallergie wurden
allergologisch-klinisch untersucht und Schwellenwerte zur
Auslösung von Symptomen evaluiert. Neue zelluläre
Testverfahren zur Erfassung einer Lebensmittelallergie
wurden entwickelt. Die Verträglichkeit der
allergenreduzierten
kommerziellen Produkte wurde untersucht.
Die Auswertungen zeigen sehr interessante Ergebnisse. Die
Prävalenz berichteter Lebensmittelallergien in Europa liegt
bei 3% und weist starke regionale Unterschiede auf. Auch die
Krankheitsmanifestationen und der Umgang mit der Allergie
sind länderspezifisch verschieden. Neue Analysenverfahren
zur schnellen Untersuchung des allergenen Potenzials von
Lebensmitteln wurden entwickelt. Mit diesen Verfahren
konnten erste Allergenreduktionen für "hypoallergene" bzw.
allergenreduzierte Lebensmittelprodukte basierend auf
Hühnerei, Kuhmilch und Fleisch nachgewiesen werden. Für die
allergenreduzierten Hühnereiprodukte wurde im Immunoassay
und anderen in-vitro Methoden
eine Allergenreduktion um mehr als das Tausendfache
nachgewiesen. Neue zelluläre Testverfahren mit
Mastzelllinien erscheinen in der Allergiediagnostik
vielversprechend und konnten das reduzierte
allergene Potenzial bestätigen. In-vivo-Testungen am
Menschen belegten eine bessere Verträglichkeit
allergenreduzierter Lebensmittel.
Die Ergebnisse der REDALL-Studie bestätigen die Bedeutung
der Lebensmittelallergie als Gesundheitsproblem für den
europäischen
Verbraucher, wobei große regionale Unterschiede auftreten.
Die industrielle Herstellung allergenreduzierter
Lebensmittel ist möglich. Untersuchungen zur Verträglichkeit
dieser Lebensmittel(-Produkte) sind
von großem Interesse. Bisher ist noch unbekannt, ob solche
Produkte mit ausreichender Sicherheit von Allergie-Patienten
eingenommen werden können. Die heutige Therapie der
Lebensmittelallergie beinhaltet das
vollständige Meiden des allergenen Lebensmittels. Der
Einfluss "hypoallergener" bzw. allergenreduzierter
Lebensmittelprodukte auf die Allergie- und Toleranzinduktion
ist jedoch noch nicht ausreichend
untersucht. Falls eine ausreichende Verträglichkeit "hypoallergener"
Lebensmittel gewährleistet werden kann, werden die
Untersuchungen sicherlich zu unserem Verständnis der
Allergieentwicklung und zur Toleranz beitragen.
*REDALL-Konsortium
1. Abteilung für Lebensmittelchemie, Universität Hamburg
(Dr. Angelika
Paschke, Studienleiterin), Deutschland
2. Institut für Analytische Chemie und Lebensmittelchemie,
Universität
Wien, Österreich
3. LEFO Institut für Lebensmittel und Umweltforschung,
Ahrensburg,
Deutschland
4. Procter Department of Food Science, University of Leeds,
England
5. Institut für Technologie Bundesanstalt für
Fleischforschung,
Kulmbach, Deutschland
6. Hipp-Werk Georg Hipp, Pfaffenhofen/Ilm, Deutschland
7. Nestlé Research Center, Lausanne, Schweiz
8. Danone Vitapole, Le Plessis Robinson, Frankreich
9. IFAV Institut für Angewandte Verbraucherforschung, Köln,
Deutschland
10. Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
am
Biederstein, Technische Universität München, Deutschland
11. Allergiestation, Dermatologische Klinik,
Universitätskrankenhaus
Zürich, Schweiz
12. Department of Paediatrics at the Macedonio Melloni
Hospital,
Milan, Italien
13. Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde,
Medizinische
Universität Wien, Österreich
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