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Ausgabe
November 2006

Gräser-Impftablette ist endlich da.
Obgleich sich die spezifische Immuntherapie (SIT) seit
vielen Jahren bewährt hat, kommt sie nur bei einer
Minderheit der Allergiker zum Einsatz. Es verwundert daher
nicht, dass etwa jeder dritte Allergiker schließlich ein allergisches
Asthma entwickelt. Dies könnte nun ein Ende haben, da die
seit dem 15. November in jeder Apotheke erhältliche
Gräser-Impftablette die Behandlung der auch in Deutschland
weit verbreiteten Gräser-Pollenallergie revolutioniert.
Presseinformation vom 15. November 2006
Erwachsene Gräserpollenallergiker können aufatmen!
Grünes Licht für die Gräser-Impftablette
Jeder Vierte in den westlichen Industrieländern leidet
inzwischen an Heuschnupfen. Häufigster Auslöser sind
Gräserpollen. Sie provozieren das Immunsystem der
betroffenen Allergiker zu einer heftigen Abwehrreaktion. Die
Folgen sind Schnupfen, Augenjucken oder gar Atemnot. Eine
neue Gräser-Impftablette mit Gräserpollenallergenen lässt
Gräserallergiker jetzt aufatmen: Sie gewöhnt das Immunsystem
allmählich an den Allergieauslöser, so dass es im Sommer
nicht mehr zu solchen heftigen Symptomen kommt.
Die spezifische Immuntherapie mit der neuen
Gräser-Impftablette (GRAZAX®) ist eine Impfung gegen die
Allergie auf Gräserpollen. Die Weltgesundheitsorganisation
definiert medizinische Impfstoffe als Substanzen, die
modulierend auf das Immunsystem einwirken. Und genau das
macht jede allergenspezifische Immuntherapie: Sie erzeugt
beim Immunsystem eine Toleranz.
Die
Gräser-Impftablette wird einmal täglich unter die Zunge
gelegt, wo sie sich sekundenschnell auflöst. Die in der
Tablette enthaltenen Gräserallergene werden über die
Mundschleimhaut aufgenommen und machen das Immunsystem
unempfindlicher dagegen. Es kommt dann bei erneutem Kontakt
mit dem Allergieauslöser zu weniger Symptomen. Im besten
Fall bleiben die Beschwerden ganz aus. Die
Gräser-Impftablette bekämpft also die Allergieursache und
die Symptome.
Um einen optimalen und lang anhaltenden Effekt zu erzielen,
sollte die Gräser-Impftablette, entsprechend den
Empfehlungen der WHO für die spezifische Immuntherapie, über
drei Jahre eingenommen werden.
Die Gräser-Impftablette ist bereits an über 1.700
erwachsenen Gräserallergikern mit sehr gutem Erfolg getestet
worden. Die meisten Patienten verspürten bereits wenige
Monate nach Behandlungsbeginn eine deutliche Besserung. Das
hat auch die zuständigen Behörden in 27 europäischen Ländern
überzeugt: Sie gaben grünes Licht für die Zulassung.

Ab dem 15. November kann
die Gräser-Impftablette in Deutschland auf Kassenrezept
verschrieben werden. Genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn bei
Therapiebeginn einige Monate vor der Pollensaison können
Allergiker schon im nächsten Sommer von der neuen
Allergie-Impfung profitieren. Am besten suchen sie dafür
einen Allergologen auf.

Interview mit Dr. med. Stefan Espenschied
Allergologe und Arzt für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten,
Städtische Kliniken Karlsruhe
Was ist Heuschnupfen?
Als Heuschnupfen wird eine Allergie auf Blütenpollen
bezeichnet. Das Immunsystem der Betroffenen reagiert
überempfindlich auf die Pollen bestimmter Pflanzen. Mehr als
die Hälfte der Heuschnupfenkranken reagiert allergisch auf
Gräserpollen. Daneben kommt Heuschnupfen auch häufig
aufgrund von Baum- und Kräuterpollen vor.
Welches sind die typischen Symptome?
Patienten mit Heuschupfen haben während der Pollensaison,
also im Frühjahr und im Sommer, Schnupfensymptome wie eine
verstopfte oder laufende Nase und Niesattacken. Auch
Juckreiz an den Augen, am Gaumen, am Rachenzäpfchen und
sogar in den Ohren kann vorkommen. Einige Betroffene leiden
auch unter asthmatischen Beschwerden. Sie haben Atemnot und
Husten. Heuschnupfen betrifft also nicht nur die Nase.
Was hilft gegen Heuschnupfen?
Oberstes Gebot bei Allergien ist es, den Allergieauslöser zu
meiden. Das ist bei einer Pollenallergie aber kaum möglich.
Diesen Allergenen kann man praktisch nicht aus dem Weg
gehen. Daher bleiben den Patienten zwei Möglichkeiten: Sie
können Medikamente gegen die Heuschnupfensymptome einnehmen,
beispielsweise Antihistaminika oder kortisonhaltige
Nasensprays, mit denen sich die Beschwerden recht gut
lindern lassen. Und sie können bei einem auf Allergien
spezialisierten Arzt die Ursache der Allergie, die
Überempfindlichkeit des Immunsystems, mit einer spezifischen
Immuntherapie behandeln lassen.
Was passiert bei einer spezifischen Immuntherapie?
Der Patient erhält regelmäßig eine kleine Dosis seines
Allergens, also beispielsweise einen Extrakt aus
Gräserpollen. Durch diese Allergie-Impfung wird das
Immunsystem dauerhaft unempfindlicher gegenüber dem
Allergieauslöser. Der Körper entwickelt eine Toleranz, eine
Gewöhnung an die Allergene, und reagiert nicht mehr so
heftig darauf. Die Therapie hilft etwa 90 Prozent der
Menschen mit Heuschnupfen, einige sind danach völlig
beschwerdefrei und das über viele Jahre.
Was ist das Besondere an der neuen Gräser-Impftablette?
Die neue Gräser-Impftablette hat sich im größten
Studienprogramm, das jemals zur Immuntherapie durchgeführt
wurde, als sehr wirksam und gut verträglich erwiesen. Mit
der neuen Gräser-Impftablette kann der Patient die Therapie
nun zu Hause durchführen. Die Tablette wird einfach einmal
täglich unter die Zunge gelegt. Viele Patienten, die bisher
keine Immuntherapie erhalten haben und nur symptomatisch
z.B. mit Antihistaminika behandelt wurden, haben nun die
Chance auf eine Behandlung der Ursache.
Wer kann mit der neuen Allergie-Impfung behandelt werden?
Die Gräser-Impftablette eignet sich für alle Erwachsenen mit
einer Allergie auf Gräserpollen. Sie wirkt aber sehr
spezifisch, das heißt sie wirkt tatsächlich nur bei einer
Gräserallergie. Daher muss der Allergieauslöser vor dem
Beginn der Behandlung sehr sorgfältig von einem Allergologen
festgestellt werden.
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