Heuschnupfen-kranke Kinder
Husten in der Pollensaison
ist Alarmsignal für Asthma (4)
Etwa sieben
Prozent der sechs- bis siebenjährigen Kinder und 15
Prozent der 13- bis 14-Jährigen sind an Heuschnupfen
erkrankt.1 Sie kämpfen während der
Pollensaison mit Niesanfällen, laufender Nase und
juckenden Augen. Dies beeinträchtigt nicht nur das
Spielen im Freien – Heuschnupfenkinder können sich in
der Schule auch schlecht konzentrieren. Deshalb lassen
in der Pollensaison oft die schulischen Leistungen nach.
„Heuschnupfen bei Kindern sollte nicht auf die leichte
Schulter genommen werden“, warnt der
Vorsitzende der Gesellschaft für Pädiatrische
Allergologie und Umweltmedizin (GPA), Professor Carl
Peter Bauer aus Gaißach. Er rät zu einer
frühzeitigen Behandlung bei einem auf Allergien
spezialisierten Kinder- und Jugendarzt: „Aus
Heuschnupfen kann chronisches Asthma werden. Mit einer
fachärztlichen Therapie kann dies verhindert werden.“
Aus
Heuschnupfen wird oft Asthma
Das
Immunsystem von Kindern mit Heuschnupfen reagiert
überempfindlich auf bestimmte Eiweiße aus Hasel-, Erlen,
Birken- oder Gräserpollen. Die Folge ist eine
entzündliche Reaktion der Schleimhäute nach
Pollenkontakt – spürbar durch Schwellung, Rötung,
Juckreiz und Sekretabsonderung. Bei etwa jedem dritten
Kind mit Heuschnupfen entwickelt sich irgendwann
zusätzlich ein allergisches Asthma mit Husten,
pfeifender Atmung und Anfällen von Atemnot. Der Arzt
nennt dies „Etagenwechsel“, weil die Allergie von der
Nase in die Bronchien eine Etage hinab gestiegen ist.
„Das erste Zeichen für ein beginnendes Asthma ist oft
ein trockener Reizhusten in der Nacht. Spätestens bei
diesem Alarmsignal ist ein Arztbesuch dringend
erforderlich“, erläutert Bauer. Weitere typische
Symptome für ein allergisches Asthma sind eine
pfeifende, giemende Atmung und Atemnot, weil die
Bronchialmuskulatur sich verkrampft. Die geschwollene
Schleimhaut und ein zäher Schleim in den Atemwegen
erschweren das Luftholen zusätzlich.
Auch Kinder
mit leichtem Asthma benötigen eine konsequente Therapie.
Dadurch werden nicht nur die Symptome gebessert, sondern
es kann auch verhindert werden, dass das Asthma mit den
Jahren immer schlimmer oder chronisch wird. Denn werden
Anfälle von allergischem Asthma anfangs nur durch den
Kontakt mit Allergieauslösern verursacht, können im
späteren Krankheitsverlauf – wenn das Bronchialgewebe
durch die häufige Entzündung bereits geschädigt ist –
auch unspezifische Auslöser wie Kälte, Anstrengung,
Staub und Reizstoffe einen Asthmaanfall hervorrufen.
Und: Asthma kann durch akute Atemnot zum Tod führen.
Laut
statistischem Bundesamt sterben in Deutschland jährlich
etwa 1.800 Menschen an Asthma bronchiale. „Diese Zahl
ist vermutlich viel zu hoch. Asthma wird häufig in
Totenscheinen als Todesursache angegeben, auch wenn der
Tod durch Herzversagen, eine Lungenembolie oder ein
anderes akutes Ereignis eingetreten ist“, gibt der
Lungenfacharzt und Allergologe Professor Gerhard
Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie
(DGAKI) aus Bochum, zu Bedenken. Er schätzt, dass in
Deutschland nur einige wenige hundert Personen jährlich
an Asthma sterben. „Die Anzahl der Todesfälle durch
Asthma ist seit Jahren rückläufig. Ein Grund dafür sind
moderne Wirksubstanzen und der leitliniengerechte –
frühe – Einsatz von Kortison zum Inhalieren“, erklärt
Schultze-Werninghaus.
Obwohl die
Asthmatherapie große Fortschritte gemacht hat, nimmt die
Häufigkeit von Kindern mit Asthma weiter zu: Der Anteil
der Kinder mit Asthmasymptomen im Alter von sechs bis
sieben Jahren hat in den Jahren zwischen 1995 und 2000
von 9,6 Prozent auf 12,8 Prozent zugenommen. Somit ist
jedes achte Kind betroffen. Für Jugendliche im Alter von
13 bis 14 Jahren wird ebenfalls ein Anstieg der
Asthmahäufigkeit diskutiert.1 „In der Studie
wurde die Anzahl der Betroffenen mit für Asthma
typischen Symptomen erhoben. Man muss jedoch
unterscheiden zwischen einer dauerhaften
Asthmaerkrankung und Asthmasymptomen, wie sie auch im
Rahmen anderer Erkrankungen auftreten können. An einem
chronischen Asthma sind erfreulicherweise nicht viele
Jugendliche erkrankt“, sagt der Kinder- und Jugendarzt
Bauer.
Kinder mit
Heuschnupfen müssen zum Facharzt
Bei
allergiekranken Kindern ist der Gang zum Facharzt
unvermeidlich. Der Kinderallergologe stellt zunächst den
Allergieauslöser anhand der Krankengeschichte und
Allergietests fest – eine wichtige Grundlage für die
erfolgreiche Behandlung. „Mit den heute zur Verfügung
stehenden Medikamenten können die Patienten nahezu
beschwerdefrei sein – auch in der Pollensaison“, sagt
Bauer. So blockieren Antihistaminika einen Botenstoff
der allergischen Entzündung. Moderne Präparate machen –
besonders wichtig für Schulkinder – auch nicht mehr
müde. Kortisonhaltige Nasensprays können bei
regelmäßiger Anwendung ebenfalls eine große Hilfe bei
Heuschnupfen sein. „Die neuen Kortisone wirken nur in
der Nase und gelangen kaum mehr in den Blutkreislauf. Es
besteht kein Grund mehr zur Angst vor Nebenwirkungen.“
Bei andauernden Beschwerden rät der Kinder- und
Jugendarzt Professor Bauer zur spezifischen
Immuntherapie. Diese „Allergie-Impfung“ mit molekular
standardisierten Allergenpräparaten verhindert weitere
Sensibilisierungen und senkt als einzige Therapie das
Risiko für den Etagenwechsel, also die Ausweitung der
Allergie zu einem Asthma bronchiale. Ausschlaggebend für
den Behandlungserfolg ist der rechtzeitige
Therapiebeginn. Bei Kindern mit Heuschnupfen oder
leichtem allergischen Asthma kann mit der spezifischen
Immuntherapie außerdem eine dauerhafte Heilung erreicht
werden.
1. Asher MI
et al: Worldwide time trends in the prevalence of
symptoms of asthma, allergic rhinoconjunctivitis, and
eczema in childhood: ISAAC Phases One and Three repeat
multicountry cross-sectional surveys. Lancet
2006;368:733-743.