Arthrose – der Verschleiß von
Gelenken – verursacht bei Bewegungen starke
chronische Schmerzen, ausgelöst durch eine
übermäßige Abnutzung des Gelenkknorpels. In späteren
Krankheitsstadien sind auch die Knochenanteile des
Gelenks betroffen. Die Implantation eines neuen
Gelenks – einer Endoprothese – kann den Betroffenen
wieder Schmerzfreiheit und Beweglichkeit geben. In
Deutschland erhalten etwa 200.000 Menschen jährlich
ein neues Hüft- oder Kniegelenk.
Bei manchen Personen kann die
Endoprothese jedoch Unverträglichkeitsreaktionen
verursachen: Ekzem, Nesselsucht, Schwellungen,
Ergüsse oder auch eine gestörte Wundheilung sind
mögliche Folgen. Ebenso kann es sein, dass sich eine
implantierte Prothese lockert. Der Dermatologe
Professor Peter Thomas von der Deutschen
Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie (DGAKI) untersucht deshalb mit seiner
Arbeitsgruppe die Verträglichkeit von Implantaten an
der Dermatologischen Klinik der
Ludwig-Maximilians-Universität München. Dazu wurde
von der Arbeitsgruppe ein so genanntes
„Implantatallergieregister“ ins Leben gerufen. Das
Register enthält alle der Arbeitsgruppe bekannten
Fälle, um für die Untersuchung relevante Daten zu
sammeln.
Endoprothesen werden mit
Knochenzement oder mechanisch im Knochen fixiert und
verbleiben dauerhaft im Körper. Sie bestehen aus
Komponenten wie Stahl, Titan,
Kobalt-Nickel-Chrom-Moblybdän-Legierungen, Keramik
und auch Kunststoffen. Seit längerem wird
diskutiert, ob die Materialien im Körper
sensibilisierend wirken und zu allergischen
Reaktionen führen können.1 Viele bei der
Herstellung verwendete Metalllegierungen enthalten
beispielsweise Nickel. „Eine Nickelallergie kommt im
Durchschnitt bei bis zu 12 Prozent der Bevölkerung
vor“, erklärt Professor Thomas. „Bisher wissen wir
nur wenig über die möglichen Auslöser und die
Häufigkeit der Unverträglichkeitsreaktionen auf
Implantate. Daher sammeln wir alle uns bekannten
Fälle in einem Implantatallergieregister.
Möglicherweise lassen sich aus den Daten
Erkenntnisse ableiten, wie Endoprothesen noch
verträglicher hergestellt werden können.“
Ausführliche Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr
veröffentlicht werden.
Wer bei sich eine
Unverträglichkeit auf ein künstliches Gelenk
vermutet, sollte einen allergologisch ausgebildeten
Hautarzt aufsuchen. Betroffene, aber auch ihre
behandelnden Ärzte, erhalten weitere Informationen
auf der Internetseite von Professor Thomas und
seiner Arbeitsgruppe für
allergologisch-immunologische Aspekte der
Implantatmaterial-Verträglichkeit in München:
http://allergomat.klinikum.uni-muenchen.de.