|
Ausgabe
März 2007

Homburger Forscher finden neuen Therapieansatz für Allergien
Wissenschaftler des Homburger Instituts für Pharmakologie haben
zusammen mit Kollegen des Instituts für Physiologie der Universität
Leuven in Belgien einen bisher unbekannten Mechanismus identifiziert,
der bei der Auslösung von Allergien und allergischen Reaktionen eine
entscheidende Rolle spielt. Die Wissenschaftler um Dr. Rudi Vennekens,
Professor Veit Flockerzi und Professor Marc Freichel konnten zeigen,
dass ein Ionenkanal, der als TRPM4 bezeichnet wird, die Bereitschaft
des Körpers erhöhen kann, auf Allergene mit Niesen, Heuschnupfen und
Hautausschlag bis hin zu akut lebensbedrohlichen Symptomen zu
reagieren. Die von den Wissenschaftlern in Homburg durchgeführten
Experimente, die am 11. Februar 2007 in der führenden
Wissenschaftszeitschrift für Immunologie Nature Immunology publiziert
wurden, eröffnen die Möglichkeit, Aktivatoren des TRPM4-Ionenkanals
als neue Arzneimittel zur Behandlung allergischer Erkrankungen zu
entwickeln.
Der Fachartikel ist am 11. Februar 2007 in der Online Ausgabe von
Nature Immunology erschienen (doi:10.1038/ni1441): "Increased IgE-
dependent mast cell activation and anaphylactic responses in mice
lacking the calciumactivated nonselective cation channel TRPM4" (Rudi
Vennekens, Jenny Olausson, Marcel Meissner, Wilhelm Bloch, Ilka
Mathar, Stephan E Philipp, Frank Schmitz, Petra Weissgerber, Bernd
Nilius, Veit Flockerzi & Marc Freichel).
Die entsprechenden PDFs finden Sie zum Download auch unter:
http://www.uniklinikum-saarland.de/de/aktuelles/pressemitteilungen/2007/02/1171280531
In Deutschland leiden mittlerweile bis zu 40% der Bevölkerung an
Allergien. Allergien sind Überempfindlichkeitsreaktionen des Körpers
gegenüber körperfremden Substanzen wie Blütenpollen, Insektengiften
oder Nahrungsbestandteilen. Diese Stoffe aus der Umwelt werden von
Gesunden problemlos toleriert, lösen aber bei Allergikern typische
Reaktionen wie verstärktes Niesen, eine verstopfte Nase, das Laufen
der Nase, das Jucken der Augen und Bindehautentzündungen bis hin zu
lebensbedrohenden Atemstörungen aus.
Bevor diese Symptome entstehen, binden die körperfremden, Allergie-
auslösenden Substanzen oder Allergene an Abwehrmoleküle des Körpers,
die sog. IgE-Antikörper, die sich auf besonderen Immunzellen, den
Mastzellen, befinden. Mastzellen reagieren daraufhin mit einer
drastisch gesteigerten Freisetzung von Entzündungsstoffen, welche die
oben genannten Symptome auslösen. Die bisher zur Behandlung von
Allergien eingesetzten Medikamente zielen darauf ab, die Wirkungen
dieser Entzündungsstoffe abzumildern. Weit effektiver könnten solche
Medikamente wirken, die von vorneherein der Freisetzung dieser
Entzündungsstoffe entgegenwirken. Hier nun setzen die Untersuchungen
der Homburger Wissenschaftler an. Der von ihnen identifizierte
Ionenkanal steuert die Freisetzung von Entzündungsstoffen aus den
Mastzellen: Seine Hemmung fördert die Freisetzung, während seine
Aktivierung die Freisetzung bremst. Entsprechend wären Substanzen, die
den TRPM4-Ionenkanal aktivieren, viel versprechende Medikamente zur
Behandlung von allergischen Krankheitssymptomen. Auch die bei vielen
Menschen vorhandene Disposition, eine Allergie zu entwickeln, könnte
auf diesen Ionenkanal bzw. Veränderung seines Gens zurückzuführen
sein. Die Suche nach neuen Arzneimitteln, die TRPM4 aktivieren, hat
bereits begonnen, ebenso genetische Untersuchungen von Allergikern, um
herauszufinden, inwieweit deren Krankheit auf Veränderungen des
TRPM4-Gens zurückzuführen ist.
Universität des Saarlandes, Fachrichtung Experimentelle und Klinische
Pharmakologie und Toxikologie: Online-Publikation in NATURE
IMMUNOLOGY, 11 February 2007, doi:10.1038/ni1441,
http://www.nature.com/ni/index.html
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Prof. Dr. med. Marc Freichel, Experimentelle und Klinische
Pharmakologie und Toxikologie, Abt. Experimentelle Pharmakologie und
Präklinische Krankheitsmodelle, Universität des Saarlandes, 66421
Homburg, Telefax (06841) 16-26402, E-Mail:marc.freichel@uks.eu
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.uniklinikum-saarland.de/de/aktuelles/pressemitteilungen/2007/02/1171280531
Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung
hier
|