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Ausgabe Mai 2007





Banale Infekte:  Exogene allergische Alveolitis

Grippesymptome können durch Mikroorganismen ausgelöst
sein (5)


Hohe Konzentrationen von Schimmelpilzen und bestimmten Bakterien können beim Menschen eine seltene Form von Allergie, die exogene allergische Alveolitis (EAA) auslösen. Besonders betroffen sind Arbeitsplätze in der Abfall-, Land- und Forstwirtschaft sowie Lager- und Umschlagplätze von Futter- und Lebensmitteln. Überall dort, wo es feucht ist, vermehren sich die Mikroorganismen exponentiell. Die Diagnose einer EAA wird häufig erst auf den zweiten oder dritten Blick gestellt: Die Symptome ähneln einer Grippe und der Bezug zur Arbeit wird meist nicht sofort erkannt, auch weil die Beschwerden erst nach Feierabend beginnen.

Die Anzeichen sprechen in diesen Fällen nicht für sich:
Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Fieber, Husten, zum Teil verbunden mit Atemnot. Was auf den ersten Blick wie eine Grippe anmutet, kann sich auch als eine Exogen allergische Alveolitis (EAA) herausstellen. Eine EAA kann durch hohe Konzentrationen von Schimmelpilzen und bestimmten Bakterien verursacht werden, die Beschäftigte der Abfall, Land- und Forstwirtschaft, mitunter auch der in der Futter- und Lebensmittelindustrie am Arbeitsplatz einatmen.

Das Tückische: Die Erkrankung tritt häufig erst mehrere Jahre auf,
nachdem ein Beschäftigter seine Stelle angetreten hat. Beschwerden haben die Betroffenen dabei nicht während der Arbeitszeit, sondern nach Feierabend. Der Bezug zum Arbeitsplatz wird deshalb nicht selten übersehen. Zwei aktuelle Beispiele des Berufsgenossenschaftlichen Forschungsinstituts für Arbeitsmedizin (BGFA) demonstrieren dies: Die hier begutachteten Männer arbeiteten beide mehr als ein Jahr in der Abfallwirtschaft bevor sie erkrankten. Sie hielten es sogar noch einige Jahre trotz starker Beschwerden aus, bis der Zusammenhang mitder Arbeit erkannt wurde und sie ihren Job endgültig aufgaben. Einer der Männer sortierte in einer Wertsortieranlage Müll aus dem gelben
Sack, der andere Biomüll in einer Kompostieranlage. Beide standen
dabei an Sortierbändern, über die der zu sortierende Müll
transportiert wird. Trotz Belüftungsschächten über den Köpfen der
Arbeiter, waren die Beschäftigten hohen Konzentrationen an
Mikroorganismen ausgesetzt.

Als die beiden Arbeiter im BGFA untersucht wurden, hatten sie bereits rund 15 Monate ihre jeweiligen Arbeitsstellen aufgegeben. Beide Patienten hatten sich erholt, Langzeitschäden sind nicht
zurückgeblieben. Das macht aber auch eine Diagnose schwierig. Die Kriterien einer EAA lassen sich nach so langer Zeit nicht mehr
vollständig erfüllen: "Die typischen Veränderungen der Lungenfunktion und des Röntgenbildes sind oft nicht mehr feststellbar", erklärt PDDr. Jürgen Bünger, Arbeitsmediziner am BGFA, "dafür aber die spezifischen Antikörper, die lange persistieren". Diese Antikörperzeigen, dass die Beschäftigten auf die Mikroorganismen am Arbeitsplatzreagiert haben.

 

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Vicki Marschall.

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