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Ausgabe 46 (Oktober 2007)

Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e. V. (DGAKI)
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA)

 

 

Zigarettenrauch lässt das Allergierisiko steigen

Allergien bei Kindern vorbeugen

Angesichts der hohen Zahl allergiekranker Kinder sind Maßnahmen zur Allergie-Prävention ein Schwerpunkt der allergologischen Forschung und der praktischen Allergologie. „Allergische Erkrankungen sind nicht angeboren, sondern werden im Laufe des Lebens erworben. Die Weichen für eine Allergikerkarriere werden bereits im frühen Säuglingsalter gestellt. Für die Allergieentstehung ist dabei vor allem die frühkindliche Ernährung von großer Bedeutung“, sagt Professor Dr. Carl-Peter Bauer, Erster Vorsitzende der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) aus Gaißach, anlässlich des 2. Gemeinsamen Deutschen Allergie-Kongresses vom 26. bis 29. September 2007 in Lübeck.

Um Allergien bei Kleinkindern vorzubeugen, sollten Säuglinge in den ersten sechs Monaten Muttermilch erhalten. Während der ersten vier Monate empfiehlt es sich, sogar ausschließlich zu stillen. Kinder, die nicht oder nicht ausreichend gestillt werden können, sollten nach den Ergebnissen der so genannten GINI-Studie alternativ mit einer allergenreduzierten (hypoallergenen) Nahrung ernährt werden. Die hypoallergene Nahrung kann bei ein- und dreijährigen Kindern die Häufigkeit von Neurodermitis im Vergleich zur Säuglingsnahrung auf Kuhmilchbasis signifikant senken. Die GINI-Studie ist die weltweit größte Studie zur alimentären Atopie­prävention (n = 2252 Kinder). Sie wurde in Wesel und München durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Ernährung in den ersten Lebensmonaten die Allergieentwicklung bei Säuglingen und Kleinkindern beeinflusst.

Ein weiterer Ansatz der Allergieprävention könnte die Gabe von probiotischen Bakterien sein. Es gibt Hinweise, dass die Gabe von Probiotika in den letzten Wochen der Schwangerschaft und in den ersten sechs Monaten nach der Geburt die Neurodermitisrate senken kann. Dieser Effekt zeigte sich jedoch nicht in allen Studien und differiert in Abhängigkeit von Zeitraum der Gabe und Art des probiotischen Keimes.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Diskussion um die Allergieprävention ist die Haustierhaltung. Die früher vertretene Empfehlung, konsequent auf Haustiere zu verzichten, um den Allergengehalt in der Wohnung zu reduzieren, kann heute so nicht mehr aufrecht erhalten werden. Der bereits länger in der Familie lebende Hund muss also nicht abgeschafft werden, um Allergien bei den Kindern vorzubeugen. Ein absolutes Muss ist jedoch nach wie vor der Verzicht auf jegliche Passivrauchbelastung der Kinder. Die Wohnung der Familie sollte eine absolut rauchfreie Zone sein. „Es genügt nicht, nur in der Gegenwart der Kinder auf das Rauchen zu verzichten“, betont Professor Bauer. „Auch der Zigarettenrauch im Wohnzimmer oder in der Küche kann dem im Kinderzimmer schlafenden Kind schaden.“

Nach Einschätzung des Ersten Vorsitzenden der GPA sind zur Allergieprävention bei Kindern mit erhöhtem Allergierisiko folgende Punkte zu berücksichtigen:

·       Ein erhöhtes Allergierisiko definiert sich über die familiäre Allergiebelastung: Vater, Mutter, Geschwisterkind; mindestens ein Familienmitglied betroffen.

·       Die beste Milchnahrung in den ersten sechs Monaten ist die Muttermilch.

·       Auf jegliche Passivrauchbelastung ist zu verzichten.

·       Es wird derzeit weder für die Schwangerschaft noch für die Stillzeit empfohlen, dass die Mutter eine bestimmte Diät einhält. Nur wenn die Mutter an einer Nahrungsmittelallergie leidet, sind die relevanten Nahrungsmittel natürlich zu vermeiden.

·       Beginn mit Beikost erst im fünften oder sechsten Lebensmonat. Diese sollte möglichst über ein geringes Sensibilisierungspotential verfügen. Geeignet sind beispielsweise Reis, Karotten, Kartoffeln, Birnen und Äpfel. Das ganze erste Jahr sollte auf Nahrungsmittel wie Eier, Zitrusfrüchte und Nüsse verzichtet werden.

·       Bei nicht gestillten oder teilgestillten Säuglingen wird ausschließlich die Verwendung von Hydrolysatnahrungen (eHF oder pHF) empfohlen, die auch in klinischen Präventionsstudien untersucht wurden. Die Stärke der Hydrolyse selbst ist kein Entscheidungskriterium.

·       Offen ist die Frage, ob eine Ernährung mit Hydrolysatnahrungen nach dem sechsten Lebensmonat aus präventiven Gründen sinnvoll ist. Zu dieser Fragestellung liegen bisher keine Studien vor.

·       Die Frage, ob eine alimentäre Prävention nicht nur für Risikokinder, sondern für alle Kinder zu empfehlen ist, sollte durch weitere Studien geklärt werden.

·       Die Hinweise auf die Bedeutung von Probiotika für die Atopieprävention stellen einen interessanten Ansatz dar, müssen jedoch vor einer allgemeinen Empfehlung weiter überprüft werden.

 

 

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Eine englischsprachige Kurzversion dieser Studie (sog. MEDLINE Abstract) finden Sie hier

 

 

 



 

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