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Ausgabe 46 (Oktober 2007)
 


Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e. V. (DGAKI)
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA)

 

 

Neu entdeckte Substanzen aus Pollen machen Immunsystem empfindlicher

PALMs – Wegbereiter für die Pollenallergie

Niesen, Schnupfen, juckende Augen – in Deutschland leiden nahezu 20 Millionen der Erwachsenen an allergischem Schnupfen.1,2 Ursache ist neben Hausstaubmilben vor allem Blütenstaub. Die Pollenkörner bestimmter Pflanzen enthalten Eiweißstoffe, auf die empfindliche Menschen mit einem Heuschnupfen reagieren. Aber Pollen enthalten nicht nur Allergene. Sie setzen außerdem Fettsäuren, so genannte Pollen-assoziierte Lipidmediatoren (PALM), frei, die das Immunsystem auf direktem Wege reizen. Möglicherweise hilft die Entdeckung der PALMs die Frage zu beantworten, warum in den letzten Jahrzehnten immer mehr Menschen an Heuschnupfen erkrankt sind. Die Privat-Dozentin Dr. Claudia Traidl-Hoffmann vom Zentrum Allergie- und Umwelt Münchner (ZAUM) wird auf dem 2. Gemeinsamen Deutschen Allergie-Kongress vom 26. bis 27. September 2007 in Lübeck neue Erkenntnisse über PALMs präsentieren. „Die Allergieraten sind vor allem in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts stark angestiegen und halten sich jetzt auf einem hohen Niveau“, sagte Professor Dr. Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), auf dem Allergie-Kongress in Lübeck. „Die PALMs sind neben der Klimaerwärmung möglicherweise ein entscheidender Schlüssel zur Erklärung der hohen Zahlen von Pollenallergikern“, so der Bochumer Allergologe und Lungenfacharzt.

Luftschadstoffe machen Pollen aggressiver

Schätzungsweise 32 Prozent der Heuschnupfenpatienten haben eine Allergie gegen Gräserpollen und 29 Prozent gegen Birkenpollen.3 Mitarbeiter des ZAUM - Zentrum Allergie und Umwelt München – stellten Ende der 90iger Jahre unter der Leitung von Professor Dr. Heidrun Behrendt fest, dass Gräserpollen und Birkenpollen nicht nur Allergene enthalten. Sie setzen mit den PALMs auch Substanzen frei, die in ihrer Struktur und ihrer Funktion Botenstoffen des Menschen ähneln. Traidl-Hoffmann konnte in der Arbeitsgruppe Zelluläre Immunologie herausstellen, dass PALMs bestimmte weiße Blutkörperchen direkt aktivieren (Neutrophile und Eosinophile) und somit per se proentzündlich wirken.4 Dendritische Zellen, die zentralen Vermittler des Immunsystems, werden darüber hinaus durch PALMs so stimuliert, dass diese eine entzündliche Reaktion in eine Th2-dominierte, proallergische Richtung drängen.5,6 „Alle Menschen atmen Pollen ein und kommen während der Pollensaison ständig mit den Pollenallergenen wie auch mit den Allergie fördernden PALMs in Kontakt. Für uns stellt sich nun weniger die Frage, warum viele Menschen an Heuschnupfen erkranken, sondern was bei denen anders ist, die gesund bleiben! Hier öffnen sich der Forschung Gebiete, die möglicherweise zu neuen Behandlungsmöglichkeiten bei Allergien führen“, hofft Traidl-Hoffmann.

Die Münchner Arbeitsgruppe fand bei der Untersuchung der PALMs eine mögliche Erklärung dafür, warum Pollen in den letzten Jahrzehnten scheinbar so aggressiv geworden sind: „Pollenkörner setzen in Regionen mit hoher Schadstoffbelastung besonders viele PALMs frei“, erklärt die Münchner Forscherin. „Die Tatsache, dass mit zunehmender Industrialisierung und in Gegenden mit starkem Straßenverkehr mehr Menschen unter einen Pollenallergie leiden, könnte zum Teil mit diesem Phänomen zusammenhängen.“

Bei Pollenallergie im Herbst zum Allergologen

Schon seit längerem ist bekannt, dass die Balance zwischen Th1- und Th2-Zellen bei Allergikern mit einer spezifischen Immuntherapie wieder hergestellt werden kann. Diese auch als Hyposensibilisierung oder Allergie-Impfung bezeichnete Therapie ist die einzige Behandlung, mit der das Immunsystem bei Allergiekranken unempfindlicher gemacht werden kann. DGAKI-Präsident Professor Schultze-Werninghaus rät anlässlich des Lübecker Allergie-Kongresses allen bisher unbehandelten Pollenallergikern, einen Allergologen aufzusuchen: „Jetzt nach den Sommerferien, wenn der Pollenflug zu Ende geht, ist die richtige Zeit, um mit einer spezifischen Immuntherapie anzufangen. Bereits im nächsten Frühling können die Beschwerden dann deutlich gebessert sein.“ Bei einer spezifischen Immuntherapie wird das Immunsystem der Allergiker durch die regelmäßige Gabe geringer Allergenmengen an den Allergieauslöser gewöhnt. Die Behandlung dauert meistens drei Jahre und hilft bis zu 90 Prozent der Pollenallergiker. Die Präparate gibt es in Form von Spritzen – heutiger Standard –, in Form von Tropfen und, bisher nur gegen die Allergie auf Gräserpollen, in Form einer neuen, schnelllöslichen Tablette. Voraussetzung für den Behandlungserfolg ist eine fachärztliche Allergiediagnostik.

4.587 Zeichen inklusive Leerzeichen, Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten

 

Auszug aus dem Programm des Allergie-Kongresses Lübeck

·       Freitag, 28. September 2007, 11.30-13.00 Uhr, Symposium 11:
Pollenassoziierte Lipidmediatoren – Wegbereiter der allergischen Reaktion auf Pollen? (Priv.-Doz. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, München)

 

Quellen

1.       Weißbuch Allergie in Deutschland, 2. Auflage. DGAKI, ÄDA, DAAU (Ring J, Fuchs T, Schultze-Werninghaus G, Hrsg.), Urban und Vogel, München 2004. ISBN 3-89935-182-7

2.       Statistisches Bundesamt Deutschland: 2006: Bevölkerungsrückgang hält an. Pressemitteilung vom 5. Januar 2007. (Einwohnerzahl Deutschland 2006: 82,31 Millionen) http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2007/01/PD07__003__12411.psml

3.       Heinzerling L et al: Standard skin prick testing and sensitization to inhalant allergens across Europe – a survey from the GA2LEN network. Allergy 60:1287-1300; 2005.

4.       Traidl-Hoffmann C, Plötz S, Kasche A, Jakob T, Ring J, Behrendt H. Chemotaxis and activation of human peripheral blood eosinophils induced by pollen derived lipid mediators. J Allergy Clin Immunol, 113:1152-1160; 2004

5.       Mariani V, Gilles, S, Jakob T, Thiel M, Ring J, Heidrun Behrendt, Traidl-Hoffmann C.Immunomodulatory mediators from pollen enhance the migratory capacity of dendritic cells and licence them for Th2 attraction. J Immunol: 178:7623-31, 2007

6.       Traidl-Hoffmann C, Jakob T, Mariani V, Hochrein H, Karg K, Müller MJ, Wagner H, Ring J and Heidrun Behrendt.Pollen associated phytoprostanes inhibit dendritic cell IL-12 production and augment Th2 Polarization. J Exp Med 201:627-36. 2005.

 

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Eine englischsprachige Kurzversion dieser Studie (sog. MEDLINE Abstract) finden Sie hier

 

 

 



 

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