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Ausgabe
46 (Oktober 2007)

Ärzteverband Deutscher
Allergologen e. V. (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie e. V. (DGAKI)
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin
e. V. (GPA)

Allergien können für Kinder lebensgefährlich sein
Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern.
Etwa neun bis zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen sind
betroffen. Aber nicht jedes asthmakranke Kind wird
behandelt: Bei mindestens zwei bis drei Prozent der jungen
Asthmatiker wird die Lungenkrankheit nicht erkannt. Darauf
wies der Kölner Kinderallergologe Dr. Ernst Rietschel von
der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und
Umweltmedizin (GPA) am 26. September 2007 auf dem 2.
Gemeinsamen Deutschen Allergie-Kongress in Lübeck hin.
„Allergien können bei Kindern lebensgefährlich sein. Asthma
und schwere Nahrungsmittelallergien müssen unbedingt von
einem allergologisch ausgebildeten Kinder- und Jugendarzt
behandelt werden.“
Keine
Angst vor Kortison
Besonders
groß ist die Gefahr für Asthma bronchiale bei Kindern mit
Heuschnupfen. Erstes Asthmazeichen ist bei Kindern mit
allergischem Schnupfen oft ein trockener Reizhusten in der
Nacht. Neben Husten sind ein pfeifendes Atemgeräusch und
Atemnot typische Symptome für Asthma bronchiale. Die Ursache
ist meistens eine Allergie auf Pollen oder Hausstaubmilben.
Die Therapie besteht in der Inhalation atemwegserweiternder
und antientzündlicher Medikamente. „Viele Eltern haben
Bedenken, wenn ihre Kinder regelmäßig Kortison inhalieren
müssen. Diese Ängste sind unbegründet. Moderne Präparate
wirken bereits in niedriger Dosierung sehr gut gegen die
Entzündung der Bronchialschleimhaut, gelangen aber kaum in
den Blutkreislauf“, betont Rietschel.
Asthmakranke profitieren von Immuntherapie
Neben der medikamentösen Therapie hat sich bei allergischem
Asthma die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung,
Allergie-Impfung) bewährt. Diese Behandlung macht das
Immunsystem langfristig unempfindlicher gegenüber den
Allergieauslösern. Dadurch können sich die Beschwerden bei
Heuschnupfen oder Asthma deutlich bessern und die Patienten
benötigen weniger Medikamente. Eine Immuntherapie kann an
Heuschnupfen erkrankte Kinder vor Asthma schützen, wirkt
also auch präventiv: Eine aktuelle Studie an 205 Kindern mit
Heuschnupfen aufgrund von Gräser- oder Birkenpollen zeigte,
dass die Immuntherapie mit standardisierten
Allergenpräparaten das Asthmarisiko fast halbiert.1
Somit könnte jedes zweite Kind durch eine rechtzeitige
Immuntherapie vor Asthma geschützt werden.
Die Patienten erhalten bei einer spezifischen Immuntherapie
regelmäßig ein Allergenpräparat unter die Haut injiziert.
Seit 2006 ist eine Immuntherapie gegen die Allergie auf
Gräserpollen auch mithilfe einer schnelllöslichen Tablette
möglich. Sie ist jedoch noch nicht für die Behandlung bei
Kindern zugelassen. „Die ersten Studienergebnisse zur
Wirkung dieser Therapieform bei Kindern erwarten wir erst
nächstes Jahr“, sagte der Kinder- und Jugendarzt Rietschel
auf dem Lübecker Allergie-Kongress.
Teenager sind bei Asthma besonders gefährdet
Jugendliche Asthmatiker haben verglichen mit jüngeren
Kindern ein erhöhtes Risiko, an ihrer Erkrankung zu sterben:
Viele erhalten nur eine unzureichende oder gar keine
Asthmatherapie. Teenager nehmen ihre Asthma-Symptome oft
nicht richtig wahr, wissen zu wenig über ihre Erkrankung
oder mögen nicht zum Arzt gehen. „Eine Mitschuld an der
schlechten Versorgung von jugendlichen Asthmatikern trifft
eventuell auch die behandelnden Ärzte“, stellte Rietschel
fest. „Während sie bei jüngeren Kindern die Eltern eingehend
über die Erkrankung informieren, unterbleibt bei
Jugendlichen häufig eine Asthma-Schulung durch den Arzt.“
Bei Erdnussallergie droht lebensbedrohlicher Allergieschock
Neben Asthma können auch Allergien auf Nahrungsmittel für
Kinder lebensgefährlich verlaufen. Besonders gefährlich sind
Allergien gegen Erdnüsse. „Mehr als zehn Prozent der Kinder
sind gegen Erdnüsse sensibilisiert“ sagte der Kinder- und
Jugendarzt Rietschel während des Allergie-Kongresses in
Lübeck. „Bei diesen Kindern können bereits geringste Spuren
von Erdnussbestandteilen im Essen eine schwere allergische
Reaktion in Gang setzen und zum allergischen Schock führen.“
Ein Allergieschock (Anaphylaxie) ist ein absoluter Notfall:
Die Bronchien verkrampfen und verengen sich, es kommt zu
dramatischer Luftnot, der Kreislauf bricht zusammen. Wird
nicht rechtzeitig eingegriffen, können die Betroffenen
sterben. „Kinder und Eltern, aber auch Kindergärtnerinnen
und Lehrer sollten deshalb unbedingt die Symptome kennen,
mit denen sich ein allergischer Schock ankündigt“, forderte
Rietschel. Zu den Alarmzeichen gehören Juckreiz, Brennen und
Schwellungen von Haut, Zunge, Rachen und Lippen, Heiserkeit,
Engegefühl im Hals, Luftnot, Erbrechen, Durchfall, heftige
Bauchschmerzen, Schwindel, Kreislaufprobleme und Blässe.
Meistens treten die Beschwerden bereits kurze Zeit nach dem
Verzehr des fraglichen Lebensmittels auf.
Kinder sollten erst ab dem dritten Lebensjahr Erdnüsse essen
Erdnüsse haben ein hohes allergenes Potenzial, das heißt der
Körper entwickelt sehr häufig und sehr rasch eine
Überempfindlichkeit. Für Kinder sollten Erdnüsse bis zum
dritten Geburtstag tabu bleiben. Denn Allergien entstehen
besonders häufig in den ersten Lebensjahren. Hat sich die
Überempfindlichkeit des Immunsystems erst einmal
ausgebildet, ist es meistens zu spät: 75 Prozent der
Betroffenen reagieren ihr Leben lang allergisch auf
Erdnüsse. Weil eine ursächliche Behandlung bisher nicht
existiert, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Erdnüssen
konsequent aus dem Weg zu gehen. Das ist nicht einfach.
Viele Nahrungsmittel enthalten Erdnüsse oder
Erdnussbestandteile in geringen Mengen. Daher müssen die
Betroffenen immer Notfallmedikamente bei sich tragen und
wissen, wie man sie anwendet: Adrenalin in Form einer
Spritze, Adrenalin zum Inhalieren, ein Antiallergikum sowie
Kortison.
5.707
Zeichen inklusive Leerzeichen, Abdruck honorarfrei,
Belegexemplar erbeten
Auszug aus dem Programm des Allergie-Kongresses Lübeck
Abstract-ID:
P19:
Asthmatische Jugendliche – Selbstmanagement einer
gefährdeten Risikogruppe zwischen Pädiatrie und Pneumologie.
(Dr. Rainer Schramedei, Davos, Poster)
Abstract-ID:
P77:
Anaphylaxie aus Patientenperspektive. Eine bundesweite
Befragung des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e. V.
(Sabine Schnadt, Mönchengladbach, Poster)
Quellen
1.
Jacobsen et al.: Specific immunotherapy has long-term
preventive effect of seasonal and perennial asthma: 10-year
follow-up on the PAT study. Allergy 2007; 62: 943-948.
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Eine englischsprachige Kurzversion
dieser Studie (sog. MEDLINE Abstract) finden Sie
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