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Ausgabe August 2008


 


Im August beginnt die Pollensaison der allergenen Beifußambrosie

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Julius Kühn-Institut, Dipl.-Biol. Stefanie Hahn,


Julius Kühn-Institut legt aktuelle Übersicht zur Ambrosia-Verbreitung
in Deutschland vor und bittet Bevölkerung Fundorte zu melden und
Pflanzen zu beseitigen.

(Braunschweig) Jetzt im August beginnt die Blütezeit der unscheinbaren
Beifußambrosie, Ambrosia artemisiifolia. Allergiker fürchten die aus
Nordamerika stammende Pflanze zu Recht, denn schon geringe
Pollenkonzentrationen (5-10 Pollen pro Kubikmeter Luft) können einen
allergischen Anfall auslösen: brennende Augen, gereizte Schleimhäute
sowie Niesanfälle sind die Folge. Die Pflanze wird oft durch
verunreinigtes Vogelfutter in Privatgärten eingeschleppt. Um der
weiteren Ausbreitung der Allergiepflanze entgegenzutreten, unternehmen
Bund und Länder vereinte Anstrengungen. Das Julius Kühn-Institut (JKI)
- Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (ehemals BBA)
koordiniert das nationale Aktionsprogramm Ambrosia seit 2006. Nach
ersten bundesweiten Erfassungsaktionen im Jahr 2007 liegt nun eine
Übersichtskarte über Vorkommen und Verbreitung der Beifußambrosie in
Deutschland vor.

"Dafür wurden die von verschiedenen Organisationen gesammelten
Fundortdaten an das JKI gemeldet oder in Form von Tabellen oder
Erfassungsbögen übergeben", berichtet Koordinator Dr. Uwe Starfinger.
Ein Teil der Fundmeldungen ging direkt bei dem Wissenschaftler vom
Julius Kühn-Institut ein oder wurde über das Formularsystem der
Internetseite www.jki.bund.de/ambrosia eingegeben. "Ohne die Mithilfe
der Pflanzenschutzdienste und Umweltbehörden in den Bundesländern
sowie die agrarmeteorologischen Beobachter des Deutschen
Wetterdienstes wäre diese Karte nicht zustande gekommen", betont
Starfinger. Doch auch den Medien und nicht zuletzt den aufgeklärten
Bürgern kommt eine wichtige Rolle im Kampf gegen die unliebsame
Pflanze zu.

"Bis auf einige Autobahnrandstreifen handelt es sich bei den
Ambrosiafunden um begrenzte Einzelbestände, die oft von wachsamen
Spaziergängern oder Gartenbesitzern entdeckt wurden", sagt Starfinger.
Große Bestände mit über >100 Pflanzen gibt es vor allem im Süden und
in Städten. Eine Ausnahme bildet die südwestliche Niederlausitz in
Brandenburg (Gebiet um Calau und Drebkau). Hier kommt Ambrosia
großflächig vor und tritt auch in landwirtschaftlichen Kulturen auf.

"Durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist die Gefahr durch die
Ausbreitung der Pflanze vielen Menschen bekannt geworden", zieht
Starfinger Bilanz. So wurden viele Pflanzen ausgerissen oder anders
vernichtet. In gut der Hälfte (52 %) der Fälle in der JKI-Datenbank
hatten die Meldenden selbst die Pflanzen beseitigt. Die erfassten
Bestände wurden zu 64 % in Gärten oder Parks gefunden. In 14 % der
Fälle handelte es sich um so genannte Ruderalflächen, z. B. nicht
bewirtschaftete Wegränder. 55 % der Meldenden gaben an, die Pflanze
sei höchstwahrscheinlich durch verunreinigtes Vogelfutter
eingeschleppt worden. "Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, die
Bevölkerung über den Einschleppungsweg und über die Pflanze selbst
aufzuklären", so Starfinger.

Das JKI empfiehlt, Ambrosia vor der Blüte auszureißen und über den
Hausmüll zu entsorgen. Vögel sollten möglichst mit Ambrosia-freiem
Futter gefüttert und die Futterstellen sollten kontrolliert werden.
Während der Blüte, die bis in den Oktober andauert, sollten Allergiker
die Arbeiten nicht selbst durchführen. Handschuhe und Staubmaske sind
angemessene Schutzmaßnahmen. "Die Meldungen an die JKI-Datenbank und
viele direkte Telefon- und E-Mail-Kontakte zeigen, dass die
Bürgerinnen und Bürger unseren Empfehlungen folgen", freut sich
Starfinger. Entgegen anderslautenden Meinungen ist die Allergiegefahr
der Pflanzen ernst zu nehmen. Das Aktionsprogramm wird fortgesetzt.

Doch nicht nur zahlreiche Einzelpflanzen sind im letzten Jahr bekämpft
worden. Die Projektgruppe Biodiversität hatte im Auftrag des JKI Daten
zur Bekämpfung von im Jahr 2006 gemeldeten großen Beständen erhoben.
Dabei zeigte sich, dass sich die Ambrosie grundsätzlich zurückdrängen
lässt. Da jedoch bei länger bestehenden großen Vorkommen immer auch
Samen im Boden verbleiben, müssen solche Flächen auch in den
Folgejahren immer wieder kontrolliert und Bekämpfungsmaßnahmen ggf.
wiederholt werden.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Uwe Starfinger
Inst. f. nationale und internationale Angelegenheiten der
Pflanzengesundheit
am Julius Kühn-Institut (JKI) - Bundesforschungsinstitut für
Kulturpflanzen
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
E-Mail: uwe.starfinger(at)jki.bund.de

Hintergrundinformation zum bundesweiten Aktionsprogramm:
Eine vom Julius Kühn-Institut (damals noch Biologische
Bundesanstalt/BBA) begründete interdisziplinäre Arbeitsgruppe hatte
Ende 2006 ein Aktionsprogramm beschlossen, mit dem die weitere
Ausbreitung der Ambrosia artemisiifolia in Deutschland gestoppt werden
sollte. Das Aktionsprogramm ist seit 2007 ein zentraler
Handlungsschwerpunkt im "Aktionsplan gegen Allergien" des
Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
(BMELV). Ziel ist es Allergien zurückzudrängen und den Alltag von
Allergikern zu erleichtern.
 

 

 

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