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Ausgabe Februar 2008


 

Aktuelle Bewertung der deutschen allergologischen Fachgesellschaften

Möglichkeiten und Grenzen der sublingualen Immuntherapie

Die spezifische Immuntherapie (SIT) bietet Allergiepatienten als einzige Therapieform die Chance, ihre Krankheit dauerhaft zu heilen. Darüber hinaus wirkt die Immuntherapie im Sinne einer Allergie-Impfung präventiv. Sie kann den Etagenwechsel der allergischen Rhinitis zum Asthma sowie Neusensibilisierungen verhindern. Eine Vielzahl von Studien belegt die gute Wirksamkeit der subkutan verabreichten SIT bei Patienten mit einer Insektengift-, Pollen- oder Milbenallergie.1

Nach Schätzungen der deutschen allergologischen Fachgesellschaften erhält jedoch nur jeder zehnte Heuschnupfenpatient eine SIT. Ein Grund dafür liegt darin, dass sich einige Allergiepatienten aus zeitlichen oder räumlichen Einschränkungen sowie aus Angst vor einer Spritze gegen die SIT entscheiden. „Vom Patienten selbst anzuwendende Allergenpräparate in Tropfen- oder seit 2006 auch in Tablettenform können die kausal wirkende Immuntherapie mehr Allergikern zugänglich machen“, sagt Professor Claus Bachert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI).

Beurteilung der Wirksamkeit nur für einzelne Präparate möglich

Die Wirksamkeit der sublingualen Immuntherapie (SLIT), bei der die Allergenpräparate unter die Zunge getropft werden, belegt eine Meta-Analyse für die SLIT bei Erwachsenen mit allergischer Rhinitis.2 Die bisherigen Studien zur SLIT sind jedoch aufgrund sehr unterschiedlicher Score-Systeme, Untersuchungskollektive und Studiendesigns kaum vergleichbar. „Das trifft vor allem auf die Studien bei Kindern zu. Zwar konnte ein Effekt belegt werden, doch doppelblind-plazebokontrollierte Studien lagen für die Meta-Analyse nur in geringer Zahl vor“, erläutert Professor Carl-Peter Bauer, Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Die deutschen allergologischen Fachgesellschaften halten daher die präklinische und klinische Dokumentation der einzelnen Präparate für entscheidend.3

Für die SLIT stehen Präparate aus natürlichen Allergenen zur Verfügung. Zurzeit sind in Deutschland für die Tropfentherapie zwei Lösungen (Birke bzw. Birke/Erle/Hasel) durch das Paul-Ehrlich-Institut überprüft und als Arzneimittel zugelassen. Alle anderen Tropfenpräparate werden als individuelle Rezeptur verordnet. Eine Aussage zur Effektivität dieser Präparate muss zum jetzigen Zeitpunkt für jedes einzelne Präparat individuell erfolgen.

Die Wirksamkeit von Majorallergen-standardisierten löslichen SLIT-Präparaten dokumentiert eine Analyse der Ergebnisse von 15 doppelblind-plazebokontrollierten Studien bei Kindern und Jugendlichen (sieben Studien, n=363) sowie Erwachsenen (acht Studien, n=704). „Die sublinguale Behandlung von Allergien des Respirationstrakts mit den Majorallergen-standardisierten Präparaten ist wirksam und sicher“, stellte Bachert fest. „Nur für diese Präparate konnte bisher eine Langzeitwirkung bis zu fünf Jahre nach Therapieende und ein Präventiveffekt auf die Asthmaentwicklung gezeigt werden.“

Einen hoffnungsvollen Fortschritt für die Allergietherapie sieht Bachert in der Entwicklung der seit November 2006 verfügbaren Gräser-Impf-Tablette. Bisher ist nur diese Tablette für die spezifische Immuntherapie in Tablettenform durch das Paul-Ehrlich-Institut zugelassen. „Gräser- und Roggenpollenallergiker mit guter Compliance können von der schnelllöslichen Tablette profitieren“, glaubt der Präsident der DGAKI. Der Schluckreflex ist weniger ausgeprägt als bei der Tropfentherapie. Die Wirksamkeit der Gräser-Impf-Tablette wurde an über 2.400 erwachsenen Patienten belegt. Die Symptomatik und der Bedarf Symptom lindernder Medikamente reduzierte sich mit zunehmender Therapiedauer.4 Ergebnisse einer Studie an Kindern mit Gräserpollenallergie werden für 2008 erwartet.

Toleranzentwicklung durch SLIT zunehmend belegbar

Wie eine spezifische Immuntherapie eine immunologische Toleranz entstehen lässt, war lange unklar. Nach heutigem Kenntnisstand gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Therapie regulatorische T-Zellen zur Produktion der Zytokine TGF-ß und IL-10 induziert und damit die Immunantwort der TH2-Zellen und die Produktion entzündungsauslösender Zytokine herunterreguliert. Die normale Balance zwischen TH1- und TH2-Zellen wird wieder herstellt. Zudem induziert die SIT die Produktion von allergenspezifischem IgG, insbesondere IgG4 und senkt die Konzentration spezifischer IgE-Antikörper.1 Die Immuntherapie greift somit kausal an den Steuerelementen der allergischen Immunantwort an und verhindert frühzeitig die allergische Entzündungsreaktion.

Für die Gräser-Impf-Tablette ließ sich ein dosisabhängiger Anstieg der IgG-Antikörperkonzentration belegen.5 Zusätzlich zu den immunologischen Effekten, wie sie für die subkutan verabreichte Immuntherapie bekannt sind, könnte hierbei auch eine Modifikation der lokalen Immunantwort eine Rolle spielen.3

 

4.968 Zeichen (mit Leerzeichen)

Belegexemplar erbeten

 

1.  Kleine-Tebbe J, et al.: Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. Überarbeitete Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAKI) und des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (ÄDA) und der Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Allergo J 2006;15:56-74.

2.  Wilson DR, Lima MT, Durham SR: Sublingual immunotherapy for allergic rhinitis: systematic review and meta-analysis. Allergy 2005;60(1):4-12.

3.  Kleine-Tebbe J, Bachert C, et al.: Aktueller Stellenwert der sublingualen Immuntherapie bei allergischen Krankheiten. Allergo J 2007;16:492-500

4.  Durham SR, Riis B: Grass allergen tablet immunotherapy relieves individual seasonal eye and nasal symptoms, including nasal blockage. Allergy 2007;62:945-957.

5.  Malling HJ, et al.: Safety and immunological changes during sublingual immunotherapy with standardized quality grass allergen tablets. J Investig Allergol Clin Immunol 2006;16(3):162-8.

 

 

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