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Ausgabe
Juli 2008
Informationsdienst
Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko
Leipzig. Ein Umzug oder die Trennung der Eltern kann bei
Kindern das
Risiko deutlich erhöhen, später an einer Allergie zu
erkranken. Das
geht aus einer Langzeitstudie über Zusammenhänge zwischen
Lebensstil,
Immunsystem und Allergien hervor, die vom Helmholtz-Zentrum
für
Umweltforschung in Leipzig (UFZ), vom Helmholtz Zentrum
München und
vom Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF) in
Düsseldorf
geleitet wird. Die Forscher hatten Blutproben von 234
sechsjährigen
Kindern untersucht und im Zusammenhang mit Umzug oder
Trennung der
Eltern erhöhte Blutkonzentrationen des Stresspeptides VIP (Vasoaktives
intestinales Peptid) gefunden. Der Botenstoff VIP aus der
Gruppe der
Neuropetide könnte eine Vermittlerrolle zwischen
Stressereignissen im
Leben und der Immunregulation einnehmen, schreiben die
Forscher im
Fachblatt Pediatric Allergy and Immunology. Dass
Stressereignisse
einen Einfluss auf die Entwicklung von allergischen
Krankheiten haben
können, war bereits länger bekannt. Die zugrunde liegenden
Mechanismen
galten aber lange Zeit als ungeklärt. In der jetzt
veröffentlichten
Studie wurden erstmals Stressereignisse in den frühen
Lebensjahren
innerhalb einer großen epidemiologischen Studie mit Hilfe
von
Immunmarkern und Neuropeptiden untersucht.
Stressereignisse in der Kindheit stehen zunehmend im
Verdacht, eine
große Rolle bei der späteren Entwicklung von Asthma,
Hautkrankheiten
oder allergischen Sensibilisierungen zu spielen. Dramatische
Lebensereignisse wie der Tod eines Angehörigen, schwere
Erkrankungen
eines Familienmitgliedes oder die Trennung der Eltern, aber
auch
harmlose Ereignisse wie beispielsweise ein Umzug stehen im
Verdacht,
das Allergie-Risiko bei betroffenen Kindern zu erhöhen.
Offenbar
spielt das Immunsystem eine Vermittlerrolle zwischen Stress
auf der
einen Seite und allergischen Krankheiten auf der anderen
Seite. Da
diese Mechanismen bisher kaum verstanden worden sind,
versuchten die
Forscher im Rahmen einer epidemiologischen Studie (LISA),
stressbedingte Faktoren mit Einfluss auf das Immunsystem zu
identifizieren. Parallel zu Blutuntersuchungen analysierten
die
Forscher gemeinsam mit Kollegen vom Institut für
Sozialmedizin der
Universität zu Lübeck auch verschiedenste soziale Faktoren
im Umfeld
der Kinder, um auslösende Faktoren für stressbedingte
Fehlregulationen
des Immunsystems herauszufinden.
Bei Kindern, deren Eltern sich innerhalb des letzten Jahres
getrennt
hatten, fanden die Forscher erhöhte Blutkonzentrationen des
Neuropetides VIP (Vasoaktives intestinales Peptid) sowie
erhöhte
Konzentration von Immunmarkern, die mit der Auslösung
allergischer
Reaktionen verbunden sind, wie das Zytokin IL-4. Schwere
Krankheiten
oder der Tod von nahen Verwandten führten dagegen zu keinen
auffälligen Veränderungen. Auch Arbeitslosigkeit der Eltern
war nicht
mit erhöhten Stresspeptidkonzentrationen im Blut der Kinder
assoziiert. So tragisch diese Ereignisse auch sind, offenbar
sind sie
jedoch für die Stressreaktionen von Kindern von geringerer
Bedeutung
als beispielsweise eine Trennung oder Scheidung der Eltern,
schlussfolgern die UFZ-Forscher. Wie bereits in einer frühen
Arbeit
aus der gleichen Studie gezeigt wurde, können auch nach
einem Umzug
(ebenso wie bei Trennung der Eltern) erhöhte Konzentrationen
des
Stresspeptides VIP im Blut der Kinder nachgewiesen werden.
Vorangegangene Untersuchungen in LISA zeigten, dass es einen
Zusammenhang zwischen einer erhöhten Konzentration u.a. des
Neuropeptides VIP und allergischen Sensibilisierungen bei
sechsjährigen Kindern gibt.
Auch wenn die Ergebnisse wegen der vergleichsweise geringen
Anzahl an
betroffenen Kindern vorsichtig interpretiert werden sollten,
so geben
sie doch wertvolle Hinweise darauf, was genau durch Stress
im Körper
passiert.
Den Untersuchungen liegen Daten 6-jähriger Kinder der
LISA-Studie
zugrunde. LISA steht für "Lifestyle - Immune - System -
Allergy" und
untersucht Einflüsse des Lebensstils auf das Immunsystem und
die
Entstehung allergischer Erkrankungen bei Kindern. Neben dem
Helmholtz-
Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ), dem Helmholtz
Zentrum
München und dem Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF)
in
Düsseldorf sind weitere universitäre und klinische Partner
beteiligt,
unter anderem das städtische Klinikum "St. Georg" in
Leipzig. Für die
LISA-Studie wurden zwischen Ende 1997 und Anfang 1999 über
3000
neugeborene Kinder in den Städten München, Leipzig, Wesel
und Bad
Honnef rekrutiert. Die Eltern wurden wiederholt zu
verschiedenen
familiären und gesundheitlichen Parametern befragt.
Zusätzlich
erfolgten Blutuntersuchungen zu verschiedenen Zeitpunkten.
Im
sechsten Lebensjahr wurden insgesamt 565 Kinder in Leipzig
untersucht,
bei 234 Teilnehmern wurden Blutanalysen zu Neuropeptiden und
Immunparametern durchgeführt. Im Laufe der
6-Jahres-Untersuchung war
fast ein Drittel der Leipziger Studienfamilien von
Arbeitslosigkeit
betroffen. Bei etwa der Hälfte aller Familien traten schwere
Erkrankungen naher Angehöriger auf. Todesfälle bei
Angehörigen oder
die Trennung der Eltern betrafen dagegen nur jedes sechste
bzw. zehnte
Kind.
Weitere Informationen:
Dr. Irina Lehmann, Dr. Gunda Herberth
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1216 /-1547
http://www.ufz.de/index.php?de=1585
oder
über die Pressestelle des Helmholtz-Zentrums für
Umweltforschung (UFZ)
Tilo Arnhold
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de
Publikationen:
Herberth G, Weber A, Röder S, Elvers H-D, Krämer U, Schins R
PF, Diez
U, Borte M, Heinrich J, Schäfer T, Herbarth O, Lehmann I.
Relation
between stressful life events, neuropeptides and cytokines:
an
epidemiological study.
Pediatric Allergy and Immunology 2008, [Epub ahead of print]
doi:10.1111/j.1399-3038.2008.00727.x
Herberth G, Weber A, Röder S, Krämer U, Diez U, Borte M,
Lehmann I.
The stress of relocation and neuropeptides: an
epidemiological study
in children.
Journal of Psychosomatic Research 2007, 63, 451-452
doi:10.1016/j.jpsychores.2007.06.012
Herberth G, Daegelmann C, Weber A, Röder S, Giese T, Krämer
U, Schins
R PF, Behrendt H, Borte M, Lehmann I. Association of
neuropeptides
with Th1/Th2 balance and allergic sensitization in children.
Clinical Experimental Allergy 2006, 36, 1408-1416
doi:10.1111/j.1365-2222.2006.02576.x
Links:
Umweltbedingte Störungen der Gesundheit aufdecken (UFZ-Magazin
2006):
http://www.ufz.de/data/UFZ_XII_FT9_Gesundheit_Umwelt4357.pdf
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen
Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden
Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit
Wasserressourcen,
biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und
Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien,
Bioenergie, dem
Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf
die
Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen
Fragestellungen.
Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen
Nutzung
natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen
unter dem
Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das
UFZ
beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg
900
Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und
Sachsen-Anhalt
finanziert.
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung
großer und
drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und
Wirtschaft durch
wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs
Forschungsbereichen:
Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien,
Struktur
der Materie, Verkehr und Weltraum. Die
Helmholtz-Gemeinschaft ist mit
25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15
Forschungszentren und
einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte
Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in
der
Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz
(1821-1894).
Arten der Pressemitteilung:
Forschungsergebnisse
Publikationen
Sachgebiete:
Medizin und Gesundheitswissenschaften
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.ufz.de/index.php?de=16934
Zu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der
WWW-Adresse:
http://idw-online.de/pages/de/image70307
Klinik-Schwester Annett Bergner mit einem Kindergartenkind
beim Prick-Test in der umweltmedizinischen Sprechstunde der
Kinder- und Jugendambulanz des Städtischen Klinikums "St.
Georg" in Leipzig. Der Prick-Test dient zum Nachweis einer
sogenannten Typ-I-Allergie, wie zum Beispiel einer
Sensibilisierung gegenüber Pollen oder Tierhaaren.
Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie
unter:
http://idw-online.de/pages/de/news266114
Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution173
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