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Ausgabe
Juli 2008

Pressemitteilung
der IQWIG - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Gesundheitswesen
Neueste Forschung zu Allergien: Hyposensibilisierung kann helfen
Die spezifische Immuntherapie wirkt bei vielen Menschen / Der Versuch,
Hausstaubmilben zu beseitigen, ist jedoch meist nicht hilfreich
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
hat aktuelle Forschungsarbeiten zu Allergien geprüft. Dabei zeigte sich,
dass die früher umstrittene spezifische Immuntherapie gegen allergische
Beschwerden tatsächlich vielen Menschen helfen kann.
Wenn alles grünt und blüht, erreicht die Allergiesaison ihren Höhepunkt.
Immer mehr Menschen sind betroffen: In Deutschland hat mindestens einer
von fünf Einwohnern Heuschnupfen. Fast die Hälfte der Bevölkerung
reagiert wenigstens zeitweise auf Allergene wie Pollen oder
Hausstaubmilben. Es ist aber immer noch unklar, warum Allergien in den
letzten Jahrzehnten so stark zugenommen haben. Der Leiter des IQWiG,
Prof. Dr. med. Peter Sawicki, sagte, bisher sei noch keine der Theorien
zur Häufung von Allergien wissenschaftlich nachgewiesen. So ist zum
Beispiel die Annahme, dass Impfungen im Kindesalter für die Zunahme der
Allergien verantwortlich sein könnten, offenbar nicht belegt.
"Es gibt viele unbewiesene Behauptungen über Allergien", so Peter
Sawicki, "aber es gibt auch immer mehr Forschungsergebnisse, die die
Fakten von den Mythen trennen. Zum Beispiel hat sich gezeigt, dass teure
und zeitraubende Versuche, Hausstaubmilben in der Wohnung zu bekämpfen,
wie das Entfernen von Teppichen und häufiges Waschen des Bettzeugs,
meistens nichts nützen: Es ist einfach unmöglich, alle Milben zu
beseitigen - egal, wie viel Mühe man sich macht. Aber es stehen
inzwischen wirksame Allergiebehandlungen zur Verfügung, zum Beispiel die
spezifische Immuntherapie, und eine ganze Reihe von Medikamenten, die
die Beschwerden lindern."
Das Institut hat die neuesten unabhängigen Forschungsarbeiten zu
Allergien analysiert, um herauszufinden, welche Therapien oder
vorbeugenden Maßnahmen tatsächlich wirken. Das Ergebnis: Die spezifische
Immuntherapie gegen allergische Beschwerden kann vielen Menschen helfen.
Bei dieser auch Hyposensibilisierung genannten Behandlung wird der
Wirkstoff, ein Allergenextrakt, als Spritze unter die Haut oder in Form
von Tropfen, Tabletten oder Spray unter die Zunge (sublingual) gegeben.
Sie wird immer häufiger eingesetzt: Der Arzneiverordnungs-Report 2007
zeigt, dass mehr als ein Dutzend dieser Extrakte mittlerweile zu den
3000 Medikamenten zählen, die in Deutschland am häufigsten verschrieben
werden.
Peter Sawicki: "Besonders die sublinguale Immuntherapie wird in Europa
immer beliebter. Die Forschung hat gezeigt, dass sie bestimmte
allergische Reaktionen bei Erwachsenen verringern kann und weniger
unerwünschte Wirkungen auslöst als die Injektionsbehandlung. Wir sind
noch nicht völlig sicher, ob die sublinguale Therapie genauso wirksam
ist wie die Behandlung mit Spritzen, und ob sie auch bei Kindern wirkt.
Aber wir denken, dass die vielen Studien, die diese Fragen derzeit
untersuchen, bald gute Antworten liefern werden."
Der Einsatz von so genannten Antihistaminika ist in den letzten Jahren
zurückgegangen. Das IQWiG hat auch die aktuelle Forschung zu einigen der
meistverkauften Antihistaminika untersucht. Demnach können all diese
Wirkstoffe Allergiesymptome lindern, sie haben häufig aber auch
unerwünschte Wirkungen. Wie schnell sie wirken und wie oft sie
Nebenwirkungen haben, ist verschieden.
Das Institut hat außerdem geprüft, wie man Allergien bei Kindern
vorbeugen könnte, und folgende Schlüsse gezogen: Eltern können ihre
Kinder schützen, indem sie aufhören zu rauchen. Säuglings-Ersatznahrung
kann gelegentlich Allergien auslösen. Und es gibt erste Hinweise, dass
es vorbeugend wirken könnte, in den letzten Schwangerschaftswochen
probiotische Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen. "Die Wirkung von
Probiotika in der Schwangerschaft ist ein Forschungsgebiet, das das
IQWiG weiterhin aufmerksam beobachten wird", so Sawicki.
Die IQWiG-Website Gesundheitsinformation.de informiert die Bevölkerung
allgemeinverständlich und aktuell über medizinische Entwicklungen und
Forschungsergebnisse zu wichtigen gesundheitlichen Fragen. Die heute
veröffentlichten Informationen berichten über Allergievorbeugung bei
Kindern, über spezifische Immuntherapie und häufig eingesetzte
Antihistaminika. Wer über die neuesten Veröffentlichungen der
unabhängigen Gesundheits-Website auf dem Laufenden sein möchte, kann den
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Kontakt: information@iqwig.de
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Eine vollständige englischsprachige Kurzversion
dieser Studie
(sog. MEDLINE Abstract) finden Sie
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