|
Ausgabe
März 2008

Informationsdienst
Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Fraunhofer-Gesellschaft
Allergischen Substanzen auf der Spur
Testen, welche chemischen Substanzen allergische Reaktionen
hervorrufen können - das geht bisher nur im Tierversuch. Im
Projekt
"Sens-it-iv" arbeiten Forscher an neuen Verfahren: Sie
sollen das
allergische Risiko von Chemikalien zuverlässig voraussagen -
ohne
Tierversuche.
Die Gefahr lauert überall: in Textilien, Kosmetika,
Medikamenten,
Waschmitteln, Lebensmitteln, Spielzeugen oder gar am
Arbeitsplatz -
Substanzen, die Allergien auslösen können, sind immer
präsent.
Angesichts der dramatischen Zuwächse von allergischen
Krankheiten wird
der Bedarf nach deren Eindämmung größer. Vor zwei Jahren hat
die EU
eine neue Verordnung beschlossen. Demnach sollen sämtliche
Chemikalien hinsichtlich ihres toxischen Risikos neu
bewertet werden. Eine besonders wichtige Frage: Welche
Substanzen haben ein
sensibilisierendes Potenzial, können also Allergien
auslösen?
Bisher waren Tierversuche nötig, um diese Frage zu
beantworten.
Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Toxikologie und
Experimentelle Medizin ITEM in Hannover arbeiten nun
innerhalb des EU-
Projekts "Sens-it-iv" an Verfahren, die künftig die Tests an
Tieren
überflüssig machen sollen. "Wir haben unser Augenmerk auf
Substanzen
gerichtet, die über die Lunge in den Körper gelangen, das
heißt, die
der Mensch inhaliert", sagt Projektleiter Dr. Armin Braun.
"Um das
allergische Risiko einer Substanz bewerten zu können,
behandeln wir
keine lebenden Tiere damit, sondern benutzen stattdessen
Lungenschnitte." Das Lungengewebe stammt vorwiegend aus
Nagetieren und wird mit einem speziellen Verfahren präzise
und fein geschnitten. Die
Forscher behandeln diese "Precision-cut Lung Slices" (PCLS)
mit der
Substanz und werten die Reaktion des Gewebes mit
unterschiedlichen
Methoden aus: Unter anderem stellen sie fest, welche Gene im
Gewebe
möglicherweise aktiviert oder welche Eiweißmoleküle von der
Zelle
verstärkt produziert werden: Sind welche darunter, die bei
der
Immunantwort eine Rolle spielen, die also eine allergische
Reaktion
auslösen? Außerdem können sie im Mikroskop mögliche
Wechselwirkungen zwischen Zellen des Gewebes und der
Immunabwehr sehen. Da es sich bei den PCLS um ganze
Gewebeschnitte handelt, beobachten die Forscher
physiologische Vorgänge im natürlichen Zellverband, ähnlich
wie es bei einer Immunantwort im Körper der Fall ist.
Noch behandeln die Wissenschaftler die PCLS mit chemischen
Substanzen, deren allergenes Potenzial bekannt ist, um das
Verfahren zu
verbessern. In naher Zukunft wollen sie eine Vielzahl von
Substanzen
testen, die noch nicht bewertet sind. Für diese
In-vitro-Tests, also
Versuchen in Kultur, sind dann nur wenige Tiere notwendig,
aus denen
man das Lungengewebe entnimmt. Vor allem die Industrie - sei
es für
Kosmetika, Textilien oder Pharmazeutika - und auch Behörden,
etwa für
Arbeitsschutzbestimmungen, werden von "Sens-it-iv"
profitieren.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2008/01/
Mediendienst12008Thema2.jsp Ansprechpartner
Zu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der
WWW-Adresse:
http://idw-online.de/pages/de/image60344
Neue Verfahren sollen das allergische Risiko von Chemikalien
zuverlässig voraussagen und Tierversuche ersetzen.
Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie
unter:
http://idw-online.de/pages/de/news241665
Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution96
Hier können Sie diesen kostenlosen Newsletter
abonnieren oder abbestellen:
Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung
hier
|