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Ausgabe
Mai 2008

Ärzteverband
Deutscher Allergologen e. V.
Deutsche Gesellschaft für
Allergologie und Klinische Immunologie e. V.
Gesellschaft für
Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.
Pressedienst 8. Mai 2008
Was tun bei Gräser- oder Roggenpollenallergie?
Gräserpollenalarm im Frühsommer
„Gräser- und
Roggenpollenallergiker müssen 2008 mit einem Frühstart der
Hauptpollenflugzeit rechnen“, prognostiziert Medizin-Meteorologe Dr.
Klaus Bucher vom Deutschen Wetterdienst in Freiburg. Bereits in der
vorletzten Aprilwoche schwirrten aufgrund der warmen
Witterungsverhältnisse vereinzelt die ersten Gräserpollen durch den Wind
getragen in der Luft. „Jetzt, Anfang Mai werden die meisten Gräsersorten
voraussichtlich richtig loslegen und eine hohe Allergenkonzentration in
Form von Pollen freisetzen“, warnt Bucher. Im Juni, wenn die
Fußball-Europameisterschaft und die Grillsaison ihren Höhepunkt
erreichen, wird auch die Konzentration von Gräser- und Roggenpollen
maximal sein. Das Ende der Heuschnupfensaison für Gräserallergiker ist
mittlerweile in den späten Herbst gerückt, wie der im Februar 2008
aktualisierte Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher
Polleninformationsdienst zeigt (www.pollenstiftung.de). Auf der Homepage
des Deutschen Wetterdienstes (www.dwd.de/pollenflug) können Betroffene
außerdem eine grafische Darstellung der Pollenflugvorhersage sowie eine
Pollenstatistik finden.
In Zukunft noch mehr
Heuschnupfenallergiker
Die Häufigkeit
allergischer Erkrankungen hat sich in den letzten 20 Jahren fast
verdoppelt. Die Ursache hierfür ist nicht eindeutig geklärt.1
„An vorderster Stelle vieler Faktoren steht die Umweltverschmutzung, wie
eine erhöhte Feinstaubbelastung“, weiß Privat-Dozentin Dr. Claudia
Traidl-Hoffmann, Allergologin aus München und Mitglied der Deutschen
Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). Tests
mit Mäusen zeigten bereits, dass Feinstaub eine allergische Reaktion
verstärken kann. An Feinstaub gebundene Allergie-auslösende Proteine –
die Allergene – können darüber hinaus tiefere Lungenabschnitte erreichen
als das Pollenkorn. Dieses ist zu groß sind, um in die Lunge zu
gelangen. Zudem werden in Städten, wo die Luftverschmutzung größer ist
als in ländlichen Gegenden, höhere Allergieraten beobachtet.
„Seit etwa zehn Jahren
wissen wir, dass neben der Umweltbelastung auch der Klimawandel ein
Grund für die Zunahme von Pollenallergien ist“, fügt Traidl-Hoffmann
hinzu. „Höhere Temperaturen führen nicht nur zu längeren und
frühzeitigeren Blühphasen, sondern fatalerweise auch zu neuen oder
aggressiveren Pollensorten wie die der Ambrosia-Pflanze.“ Die
Privat-Dozentin des Zentrums Allergie und Umwelt der Technischen
Universität München (ZAUM) glaubt, dass Heuschnupfen-geplagte zukünftig
das ganze Jahr über mit einer Pollenbelastung rechnen müssen.
Zurzeit leiden 15 bis 25
Prozent der erwachsenen Bundesbürger an einem allergischen Schnupfen.
Eine Datenauswertung der International Study of Asthma and Allergies in
Childhood (ISAAC) von 2006 hat ergeben, dass 6,9 Prozent der Sechs- bis
Siebenjährigen und 15 Prozent der 13- bis 14-jährigen Jugendlichen an
Heuschnupfen erkrankt sind.2 Bei etwa der Hälfte der
Heuschnupfenkranken sind Gräserpollen die Allergieauslöser. Ständiges
Niesen, Augenjucken oder gar Atemnot gehören zu den häufigsten Symptomen
eines allergischen Schnupfens.
Stopp dem
Heuschnupfen durch Immuntherapie und Medikamente
Das Meiden der Allergene
ist die beste Möglichkeit, allergische Reaktionen zu minimieren. Dies
ist jedoch für Pollenallergiker nur schwer zu praktizieren. Deshalb
verordnen allergologisch tätige Fachärzte Betroffenen beispielsweise
Antihistamin-Tabletten und Kortison-Nasensprays, um die Symptome zu
lindern. „Die Angst vor einer Behandlung mit Kortikosteroiden ist völlig
unbegründet. Die heute eingesetzten Präparate weisen keine schweren
Nebenwirkungen mehr auf“, beruhigt Professor Dr. Wolfgang Czech,
Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA). „Hilft die
medikamentöse Therapie nicht ausreichend, die allergischen Reaktionen zu
unterdrücken, rate ich dringend zu einer spezifischen Immuntherapie.“
Die spezifische
Immuntherapie (SIT) ist die einzige ursächlich wirksame Therapie gegen
Heuschnupfen. Gleichzeitig kann sie einem so genannten „Etagenwechsel“
zum allergischen Asthma vorbeugen. Üblicherweise erfolgt eine SIT über
drei Jahre. Der Arzt spritzt die Allergene in regelmäßigen Abständen
unter die Haut. Das Immunsystem gewöhnt sich langsam an den
Allergieauslöser und wird dadurch wieder unempfindlicher. Die SIT hat
bei einer Gräserpollenallergie eine Erfolgsrate von über 80 Prozent.
Laut Czech vom ÄDA habe sich diese Therapiemöglichkeit in Deutschland
seit Jahrzehnten etabliert. Sie müsse jedoch noch häufiger – auch bei
Kindern und Jugendlichen – in Erwägung gezogen werden.
Neue
Therapiemöglichkeit hilft Erwachsenen und bald Kindern ebenso
Neu ist die Möglichkeit
einer SIT in Form von Tabletten: Seit November 2006 ist eine
Gräser-Impf-Tablette in Deutschland zur Behandlung von Gräser- oder
Roggenpollenallergien bei Erwachsenen zugelassen. Optimistisch äußert
sich der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische
Allergologie und Umweltmedizin (GPA) Professor Dr. Albrecht Bufe
bezüglich einer Zulassung der Tablette für Kinder und Jugendliche: „Die
ersten Studienergebnisse zeigten eine gute Wirksamkeit der
Gräser-Impf-Tablette auch bei jungen Patienten mit einer
diagnostizierten Gräserpollenallergie.“ Aufgrund ihres guten
Nutzen-Risiko-Profils sei die Tabletten-Immuntherapie für Kinder und
Jugendliche sehr von Interesse.
Die gefriergetrocknete
(lyophilisierte) Gräser-Impf-Tablette enthält eine definierte Menge an
Allergenen des Wiesenlieschgrases (Phleum pratense). Der
Allergiker kann diese selbst einmal täglich unter die Zunge legen, wo
sich die Tablette innerhalb weniger Sekunden auflöst und die
Wirksubstanz freisetzt. Die Allergene wirken dann über die
Mundschleimhaut auf sein Immunsystem. „Die Therapie mit der
Gräser-Impf-Tablette ist einfach zu Hause durchführbar und eignet sich
vor allem für Gräser- und Roggenpollenallergiker mit Angst vor Spritzen
oder Zeitmangel. So können weitaus mehr Heuschnupfen-Betroffene an eine
spezifische Immuntherapie herangeführt werden als bisher“, bemerkt
Professor Dr. Claus Bachert, Präsident der DGAKI.
Kreuzreaktivität unter Süßgräsern
Allergologen nutzen das
Phänomen Kreuzreaktivität häufig für eine spezifische Immuntherapie –
für viele Allergiker ist es hingegen eher lästig, dass dieses Thema
überhaupt existiert. Sind nämlich die Oberflächenstrukturen zweier
unterschiedlicher Allergene sehr ähnlich, können spezielle Antikörper
(IgE-Antikörper) des Immunsystems diese nicht voneinander unterscheiden.3,4
„Ein Heuschnupfenpatient, der beispielsweise gegen Gräserpollenallergene
sensibilisiert ist, reagiert oft auch allergisch auf den Genuss von
Getreide und Hülsenfrüchte wie Soja und Erdnüsse“, erklärt Czech vom
ÄDA. „Dieses Phänomen wird als Kreuzallergie oder Pollen-assoziierte
Nahrungsmittelallergie bezeichnet.“ Eine hohe
Kreuzreaktivität besteht ebenfalls unter den zahlreichen Gräsersorten.
Alle Süßgräser bilden botanisch eine Familie. 95 Prozent der Gräser- und
Getreidearten gehören zu nur drei Unterfamilien. Botanisch sehr eng
verwandt sind beispielsweise Roggen, Weizen, die Rispen- und
Knäuelgräser und das Wiesenlieschgras.
Aufgrund der
Kreuzallergenität von Süßgräsern ist eine spezifische Immuntherapie mit
dem Allergen Phl p 5 aus dem Wiesenlieschgras auch bei einer Allergie
gegen andere Gräser und Roggen erfolgreich sein. Untersuchungen belegen,
dass eine Immuntherapie mit Phl p 5 vollständig die
IgE-Antikörper-Bindung gegenüber anderen Gräserpollenallergenen hemmt
und so das Immunsystem auch an diese gewöhnt. 3,5
7.550 Zeichen (mit
Leerzeichen)
Belegexemplar erbeten
1.
Ring J, et al.: Why are allergies increasing? Curr Opin Immunol 2001;
13:701-708
2.
Asher MI, et al.: Worldwide time trends in the prevalence of symptoms of
asthma, allergic rhinoconjunctivitis, and eczema in childhood: ISAAC
Phases One and Three repeat multicountry cross-sectional surveys. Lancet
2006;368(9357):733-743
3.
Weber RW: Cross-reactivity of pollen allergens:
recommendations for
immunotherapy vaccines. Curr Opin Allergy Clin Immunol.
2005;5(6):563-369
4.
Laffer S, et al.: Complementary DNA cloning of the major allergen Phl p
1 from timothy grass (Phleum pratense); recombinant Phl p 1 inhibits IgE
binding to group I allergens from eight different grass species. J
Allergy Clin Immunol. 1994;94(4):689-698
5.
Kleine-Tebbe J, et al.: Kreuzallergenität bei Süßgräsern: Konsequenzen
für Diagnostik und Therapie. Abstract für 2. Gemeinsamen Deutschen
Allergie-Kongress Lübeck 2007
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