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Ausgabe Mai 2008
Ärzteverband
Deutscher Allergologen e. V.
Deutsche Gesellschaft für
Allergologie und Klinische Immunologie e. V.
Gesellschaft für
Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.
Pressedienst 8. Mai 2008
Insektengift-Allergie unbedingt fachärztlich behandeln lassen
Wespen und Bienen machen Allergikern
das Leben schwer
Der 34-jährige Thomas
war frisch verheiratet und erwartete mit seiner jungen Frau das erste
Kind, als er vor drei Jahren zu Hause von einer Wespe gestochen wurde.
Innerhalb von Minuten verlor er das Bewusstsein: Thomas reagierte stark
allergisch auf das Wespengift. Seine Frau rief sofort den Rettungswagen.
Der Notarzt traf 15 Minuten nach dem Insektenstich ein und reanimierte
den Bewusstlosen. Zu dem Zeitpunkt war das Gehirn von Thomas jedoch
schon so geschädigt, dass bleibende, sehr schwere körperliche und
geistige Behinderungen zurückblieben. „Viele Menschen, die so einen
schweren allergischen Schock erleiden, sterben. Doch auch dieser Fall
hat uns sehr betroffen gemacht“, berichtet Privatdozentin Dr. Franziska
Ruëff von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische
Immunologie (DGAKI). „Seine Frau bekam ihr Kind allein, während ihr Mann
noch in der Reha war. Ein normales Eheleben war nie mehr möglich. Der
Mann war durch die Hirnschädigungen ein völlig anderer Mensch geworden.
Ich möchte dringend an alle Menschen mit einer Insektengift-Allergie
appellieren, diese im schlimmsten Fall tödliche Krankheit mit einer
spezifischen Immuntherapie behandeln zu lassen“, sagt die an der
Hautklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätige
Allergologin.
Die Ursache der
Insektengift-Allergie ist eine Überempfindlichkeit des Immunsystems auf
das Gift von Bienen oder Wespen. Als Mastzellen bezeichnete Immunzellen
der Erkrankten setzen nach einem Stich Botenstoffe frei, die innerhalb
von Sekunden bis Minuten zu ersten Symptomen wie Juckreiz an Handflächen
oder Fußsohlen führen können. Weitere Alarmsignale für einen
allergischen (anaphylaktischen) Schock sind großflächige, juckende
Schwellungen und Rötungen der Haut, Schweißausbrüche, Schwindel,
Übelkeit, Herzjagen und Atemnot. Ein Allergieschock kann mit raschem
Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit einhergehen und ohne sofortige
ärztliche Behandlung tödlich enden. Daher müssen Betroffene stets
Notfallmedikamente bei sich tragen. „Oftmals sind die Allergiker aber
sehr unsicher, wann genau und wie sie die für den Notfall verordneten
Medikamente verwenden sollen. Sie müssen sie sich die Anwendung von
ihrem allergologisch ausgebildeten Arzt erklären lassen, wenn nötig auch
wiederholt“, rät die Allergie-Expertin Ruëff. Insektengift-Allergiker
sollten sich bei Verdacht auf eine Schockreaktion hinlegen und sofort
einen Notarzt rufen.
Immuntherapie heilt
Insektengift-Allergie fast immer
„Die Gefahr eines
Allergieschocks durch Insektengift besteht bei drei Prozent der
Bevölkerung, das sind 2,4 Millionen Menschen in Deutschland“, berichtet
Professor Dr. Bernhard Przybilla von der Hautklinik der
Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er leitet außerdem die
Arbeitsgruppe Insektengift-Allergie der Deutschen Gesellschaft für
Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). „Besonders gefährdet, an
einem Allergieschock zu sterben, sind Menschen mit Mastozytose.“ Bei
diesen Patienten sind die Mastzellen krankhaft vermehrt und das Enzym
Tryptase ist vermehrt im Blut zu finden. An der Haut können bräunliche
Flecken auftreten, die Muttermalen ähneln. Mastozytose-Kranke mit einer
Allergie auf Insektengift reagieren nach einem Insektenstich mit
besonders heftigen Symptomen.
Franziska Ruëff
kritisiert, dass viel zu wenige Insektengift-Allergiker eine spezifische
Immuntherapie (Hyposensibilisierung) erhalten. „Mit einer fachärztlich
durchgeführten Immuntherapie kann praktisch jeder Patient geheilt
werden“, betont die Allergologin. Die Patienten erhalten bei dieser
Therapie über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren
Insektengiftallergene in den Oberarm injiziert. Anfangs erfolgen die
Injektionen zur Dosissteigerung in kurzen Abständen, später reicht alle
vier bis sechs Wochen eine Spritze. Das macht das Immunsystem
langfristig unempfindlich. „Leider stellen wir in unserer Klinik fest,
dass etwa 90 Prozent der Menschen, die bereits einmal eine
lebensbedrohliche allergische Reaktion aufgrund eines Insektenstichs
erlitten haben, keine ausreichende Diagnose, keine ausreichende Therapie
und keine Schulung erhalten“, bedauert Ruëff.
„Eine spezifische
Immuntherapie schützt vor der gefährlichen Sofortreaktion des Körpers“,
sagt auch Professor Albrecht Bufe, Vorsitzender der Gesellschaft für
Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) aus Bochum. „Kinder
können bereits ab dem sechsten Lebensjahr, wenn nötig auch früher, mit
einer Immuntherapie behandelt werden.“
„Da nahezu jeder
Patient mit Insektengift-Allergie durch eine korrekt ausgeführte
spezifische Immuntherapie sicher geschützt werden kann, ist es
unbegreiflich, dass derzeitig weniger als zehn Prozent der
Insektengift-Allergiker und nicht einmal alle Mastozytose-Kranken
hyposensibilisiert werden“, bedauert Przybilla „Angesichts der fast
100-prozentigen Wirksamkeit bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung ist
das ein katastrophaler Prozentsatz!“
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