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Ausgabe
Mai 2008

Ärzteverband
Deutscher Allergologen e. V.
Deutsche Gesellschaft für
Allergologie und Klinische Immunologie e. V.
Gesellschaft für
Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.
Pressedienst 8. Mai 2008
Anaphylaxie – ein unterschätztes Krankheitsbild
Schulung kann vor tödlichem
Allergieschock schützen
Menschen mit einer
Allergie auf Insektengifte, Nahrungsmittel oder Medikamente leben in der
ständigen Gefahr, einen allergischen Schock (Anaphylaxie) zu erleiden.
Schon Spuren des für sie gefährlichen Allergieauslösers können Atemnot
oder einen Kreislaufzusammenbruch auslösen. Untersuchungen aus England
zeigen, dass Erdnüsse oder Baumnüsse die Ursache von etwa zwei Drittel
aller Anaphylaxie-Fälle sind.1 An einer Baum- und
Erdnussallergie leiden auch Kinder häufig. „Jedes zehnte Kind in
Deutschland reagiert im Allergietest positiv auf Erdnuss“, berichtet der
Kölner Kinder- und Jugendarzt Dr. Ernst Rietschel von der Gesellschaft
für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). „Eine
Nussallergie ist sehr gefährlich, weil bereits Allergenmengen von
weniger als ein Gramm fatale allergische Reaktionen auslösen können.“
Personen mit
Anaphylaxiegefahr müssen laut Rietschel unbedingt darin geschult werden,
den für sie gefährlichen Auslöser zu meiden und sich im Notfall richtig
zu verhalten. Für Risikopatienten entwickeln die allergologischen
Fachgesellschaften derzeit ein entsprechendes Schulungsprogramm. „Erste
Pilotschulungen werden in Kürze an Allergiezentren in Berlin, Köln,
München und Gießen stattfinden“, sagt Kinderallergologe Rietschel, der
das Projekt mit betreut. „Langfristig müssen die Schulungen dringend
bundesweit etabliert werden, denn der richtige Umgang mit
anaphylaktischen Reaktionen kann den Patienten das Leben retten.“
Eine Anaphylaxie ist ein
absoluter Notfall, der durch Ersticken oder einen Kreislaufzusammenbruch
tödlich enden kann. Zu den Alarmzeichen gehören Juckreiz, Brennen und
Schwellungen von Haut, Zunge, Rachen und Lippen, Heiserkeit, Engegefühl
im Hals, Luftnot, Erbrechen, Durchfall, heftige Bauchschmerzen,
Schwindel, Kreislaufprobleme und Blässe. „Meistens treten die
Beschwerden bereits kurze Zeit nach dem Verzehr des fraglichen
Lebensmittels auf“, erklärt Rietschel. Zwischen dem Essen des Auslösers
und einem anaphylaktischen Schock vergehen bei
Nahrungsmittel-Allergikern etwa 30 Minuten. Insektengift-Allergiker
haben durchschnittlich 12 Minuten nach dem Stich erste Beschwerden. Bei
einer Allergie auf Medikamente können bereits innerhalb von fünf Minuten
anaphylaktische Symptome auftreten. „Gefährdete Personen müssen ständig
Notfallmedikamente bei sich tragen und darin geschult sein, diese
richtig anzuwenden. Außerdem sollte bei den ersten Alarmzeichen
unverzüglich ein Notarzt gerufen werden“, rät Rietschel.
Optimale Allergie-
und Asthmatherapie ist lebenswichtig
Mehr als zwei Drittel
aller Todesfälle aufgrund einer Insektengift-Allergie und vier Fünftel
derjenigen, die wegen einer Medikamenten-Allergie sterben, hatten zuvor
keine Anzeichen ihrer Allergie. Dagegen treten bei einer
Nahrungsmittel-Allergie meistens schon bei früherem Kontakt mit dem
Allergieauslöser allergische Reaktionen auf.1 Anaphylaktische
Reaktionen sind sehr schwer vorhersehbar. Wenn bereits einmal eine
systemische allergische Reaktion aufgetreten ist, muss daher bei einem
allergologisch ausgebildeten Facharzt die Ursache festgestellt und
Möglichkeiten zur Meidung des Auslösers besprochen werden. „Der
Allergologe wird außerdem Medikamente für den Notfall verordnen und über
andere Maßnahmen entscheiden, die das Risiko für Allergieschocks senken.
So ist für Nahrungsmittel-Allergiker, die gleichzeitig an Asthma leiden,
eine optimale Asthmatherapie sehr wichtig und Insektengift-Allergiker
müssen auf jeden Fall mit einer spezifischen Immuntherapie behandelt
werden“, sagt Rietschel.
Eine fachärztliche
Behandlung kann die Gefahr allergischer Schocks senken, doch erhalten
viele Betroffene keine ausreichende Diagnostik und Behandlung. Frau
Monika Milewski, Professor Bernhard Przybilla und Privatdozentin
Franziska Ruëff untersuchten die Krankengeschichte von 306 Patienten,
die im Jahr 2006 aufgrund einer Anaphylaxie in der Hautklinik der
Ludwig-Maximilians-Universität München behandelt wurden. 101 der
Betroffenen hatte bereits zuvor eine schwere anaphylaktische Reaktion
erlitten. Als Ursache für die erneute Anaphylaxie stellten die
Allergologen aus München bei den meisten dieser Patienten eine
unterlassene oder zu späte Diagnostik oder eine unterlassene spezifische
Immuntherapie mit Insektengift fest.2 „Anaphylaxie ist ein
völlig unterschätztes Krankheitsbild“, warnt die Allergologin Franziska
Ruëff. „Von 100 Menschen erleidet einer mindestens einmal in seinem
Leben einen allergischen Schock. Dieses Risiko ist höher, als den
Betroffenen bewusst ist.“
1
Pumphrey R: Anaphylaxis: can we tell who is at risk of a fatal reaction?
Curr Opin Allergy Clin Immunol, 2004;4:285-290.
2
Milewski M, Przybilla B, Ruëff F: Gefährdung durch wiederholte
Anaphylaxie. 2008 in press.
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