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Ausgabe
Mai 2008

Ärzteverband
Deutscher Allergologen e. V.
Deutsche Gesellschaft für
Allergologie und Klinische Immunologie e. V.
Gesellschaft für
Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.
Pressedienst 8. Mai 2008
Allergie auf Eier
Wenn Hansi krank macht
Marie* klagte seit
Jahren über wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfälle und
Nesselsucht. Zweimal kam sie sogar wegen unerklärlicher
„Kreislaufzusammenbrüche" in die Notaufnahme einer Klinik, wurde jedoch
nach erfolgloser Magen- und Darmspiegelung und ergebnislosen
Laboruntersuchungen ohne gesicherte Diagnose entlassen. Erst der
Allergologe Professor Dr. Ludger Klimek vom Ärzteverband Deutscher
Allergologen (ÄDA) brachte im Allergiezentrum in Wiesbaden die Ursache
der Beschwerden an den Tag: Das 10-jährige Mädchen leidet an einer
Allergie auf Ei-Proteine. „Marie konnte nicht einmal hart gekochte Eier
vertragen. Sie durfte also auch Ostern keine gefärbten Eier essen“,
berichtet Klimek. Er empfiehlt, bei Verdacht auf eine
Nahrungsmittelallergie einen auf die Behandlung von Allergien
spezialisierten Facharzt aufzusuchen.
Ei-Allergien gehören zu
den häufigen Nahrungsmittelallergien des Kindesalters. Die
Sensibilisierung erfolgt über den Magen-Darm-Trakt. 80 Prozent der
Kinder entwickeln mit Beginn des Schulalters eine Toleranz. Das heißt,
sie „verlieren“ die Allergie wieder. Bei älteren Kindern, Jugendlichen
und Erwachsenen entwickelt sich eine Allergie auf Nahrungsmittel vor
allem durch Sensibilisierung über den Atemwegstrakt. Am bekanntesten ist
die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie (Kreuzallergie) bei
Pollenallergikern: Menschen mit einer Allergie auf Baumpollen vertragen
beispielsweise häufig kein rohes Stein- und Kernobst sowie Haselnüsse.
Die Pollen und Nahrungsmittel haben gemeinsame oder sehr ähnliche
allergene Strukturen.
Ziervögel können
Auslöser für eine Ei-Allergie sein
Bei Anke P.* trat im
Alter von 45 Jahren stets ein stark juckender Hautausschlag auf, wenn
sie eihaltige Speisen oder bestimmte Müsliriegel aß. Sie vertrug
plötzlich keine Eier mehr. Anke P. erhielt eine Überweisung in die
Allergologieabteilung des Johanniterkrankenhauses in Treuenbrietzen.
Dort versuchte die Chefärztin Dr. Uta Rabe vom ÄDA, den Grund für die
plötzliche Ei-Unverträglichkeit herauszufinden. „Meine Patientin
erzählte, dass sie bereits seit 17 Jahren einen Wellensittich in ihrem
Wohnzimmer hielt. Ziervögel können eine Allergieursache sein“, berichtet
Rabe. Sie ließ das Blut der Patientin auf IgE-Antikörper untersuchen,
die spezifisch für Wellensittichserum und Wellensittichkot sind. Auch
die für Eigelb und Eiweiß spezifischen IgE-Konzentrationen wurden
ermittelt. Alle diese Antikörper waren bei Anke P. stark erhöht. Ein
Hauttest zeigte eine starke Reaktion auf rohes Eigelb und rohes Eiweiß,
aber keine Reaktion auf Eiweiß und Eigelb von einem hart gekochten Ei.
In der allergologischen Abteilung aß die Patienten anschließend unter
engmaschiger medizinischer Überwachung in ansteigender Menge ein
gekochtes Eiweiß und ein hart gekochtes Eigelb. Sie vertrug das ganze Ei
ohne Probleme. „Dieser Test war wichtig für die Lebensqualität der
Patientin. Auf Speisen, bei deren Zubereitung die Eier stark erhitzt
werden, braucht sie nicht zu verzichten. Aber andere Eierspeisen muss
sie ab jetzt natürlich strikt meiden“, so Rabe.
Warum verträgt ein
Jugendlicher oder Erwachsener plötzlich kein Ei mehr? „Die Ursache kann
tatsächlich ein als Haustier gehaltener Vogel sein“ erklärt die
Allergologin Uta Rabe. „Besonders der Kot und das Blutserum von Vögeln
enthalten eine allergene Struktur, die auch im Eidotter vorkommt. Dieses
Allergen ist bis zu 70°Celsius gegen Hitze stabil. Menschen, die zu
Hause einen Wellensittich, Kanarienvogel oder andere Ziervögel halten,
können auch im Erwachsenenalter durch Einatmen von Vogelallergenen aus
Federstaub, getrocknetem Kot oder Urin eine Allergie auf Hühnerei
entwickeln. Ärzte sprechen dann von einem Vogel-Ei-Syndrom. Es gibt
Beschreibungen, dass dieses Syndrom auch auftreten kann, wenn die
Vogelhaltung viele Jahre zurückliegt.“
Symptome des
Vogel-Ei-Syndroms können neben Hautbeschwerden auch Niesreiz,
Augenjucken, Reizhusten und Atemnot sein. Menschen mit einem
Vogel-Ei-Syndrom spüren die Sensibilisierung an den Atemwegen nicht
immer. Oftmals haben sie keine Beschwerden, wenn sie sich mit ihrem
Vogel im Zimmer aufhalten, vertragen aber plötzlich kein Ei mehr. Nach
dem Genuss von Eierspeisen tritt Juckreiz an der Haut oder im Mund auf.
Häufig wird die Ursache dieser Unverträglichkeit nicht oder sehr spät
erkannt. „Bei Vogelhaltern mit plötzlichen
Lebensmittelunverträglichkeiten sollte der behandelnde Arzt daran
denken, dass ein Vogel-Ei-Syndrom die Ursache sein kann“ empfiehlt Dr.
Uta Rabe aus Treuenbrietzen. Sie warnt gerade Menschen vor dem
unabsichtlichen Essen von eihaltigen Produkten, die auf den Genuss von
Ei-Produkten mit heftigen Allergiesymptomen reagieren. „Eier sind in
vielen Lebensmitteln versteckt enthalten, beispielsweise in Mayonnaise,
Baisers, panierten Nahrungsmitteln und Cremespeisen. Manche
Ei-Allergiker vertragen jedoch Eiprodukte und hart gekochte Eier, wenn
sie über längere Zeit mehr als 70°Celsius erhitzt werden.“
*Namen geändert
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