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Ausgabe
Mai 2009

Luftverschmutzung
führt auch bei Erwachsenen zu Asthma
Asthmafälle
trotz geringerer Feinstaub-Belastung durch den Strassenverkehr
(3)
Das
Risiko, an Asthma zu erkranken, ist umso höher, je mehr
die Luft am Wohnort mit Feinstaub aus dem Strassenverkehr
verschmutzt ist. Das gilt für Kinder, aber auch für
erwachsene Nichtraucher. Zu diesem Schluss gelangt eine Untersuchung
der vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Sapaldia-Kohortenstudie.
Asthma ist eine entzündliche Erkrankung der Atemwege.
Sie belastet die Betroffenen sehr, denn sie geht mit einer
dauerhaften Überempfindlichkeit gegenüber einer
Vielzahl von Reizen einher und führt zu Anfällen
von Luftnot. Bei Kindern ist Asthma die häufigste chronische
Krankheit, aber auch Erwachsene können Asthma neu entwickeln.
Auch
sie erkranken umso häufiger, je mehr von Autos ausgestossener
Feinstaub über Bett und Küchentisch schwebt. Diese
Art Luftverschmutzung - also die Belastung der Atemluft mit
weniger als zehn Mikrometer grossen Kleinstpartikeln aus dem
Strassenverkehr - ist zwar zwischen 1991 und 2002 schweizweit
insgesamt um einen Viertel gesunken. Sie macht durchschnittlich
auch nur zwischen sechs und 16 Prozent der Gesamt-Feinstaubbelastung
aus. Doch der verkehrsbedingte Feinstaub ist für die
menschliche Gesundheit besonders gefährlich, denn er
korrelierte bei Nichtrauchern mit dem Auftreten von Asthma,
an dem in diesen Jahren 41 von insgesamt 2725 (1.5 Prozent
aller untersuchten) Personen erkrankten. Dies berichtet die
Sapaldia-Kohortenstudiengruppe in der Zeitschrift Thorax (*)
Argumente
für städtebauliche Diskussion
Die 41 Asthmafälle sind nicht geografisch zufällig
über die Schweiz verteilt, sondern traten gehäuft
entlang von stark befahrenen Strassen auf. Wo die Belastung
sank, sank auch das Risiko, an Asthma zu erkranken. Der Erstautor
der Studie, der soeben neu in Basel angetretene Ordinarius
für Sozial- und Präventivmedizin Nino Künzli,
sagt: "Unsere Resultate tragen zur städtebaulichen
Diskussion bei, welche Gebäude in welchem Abstand von
verkehrsintensiven Strassen errichtet werden sollen."
Die bisher einzige auf die Luftverschmutzung abgestimmte Regulierung
- in Kalifornien dürfen innerhalb von 300 Metern Abstand
zu Autobahnen keine neue Schulen errichtet werden - decke
sich mit den Befunden ihrer Studie, so Künzli.
Weltweit
einzigartiges Modell
Die Belastung der untersuchten Personen errechneten die
Forschenden mit einem weltweit einzigartigen Modell, das die
stündlichen Feinstaubemissionen des Verkehrs während
der gesamten Zeitspanne mit meteorologischen Daten wie Wind
und Niederschlag kombinierte. So konnten die Forschenden den
zeitlichen Verlauf der Feinstaubbelastung für die acht
Gegenden, aus denen die untersuchten Personen stammen, festlegen
(**).
Wegen
der zunehmenden Verbreitung von Katalysatoren und anderen
Luftreinhaltemassnahmen ist die durchschnittliche Luftverschmutzung
mit Feinstaub aus dem Strassenverkehr in der Schweiz zwischen
1991 und 2002 von 2,84 auf 2,25 Mikrogramm pro Kubikmeter
gesunken. Dabei nahm die Verschmutzung in städtischen
Gebieten wie Basel oder Genf mehr ab als in ländlichen
Gebieten wie Davos oder Montana, wo die Luft schon 1991 rein
war. Auch wenn die sinkende Luftbelastung eine gute Nachricht
sei - weiterhin erkrankten Personen an Asthma. "Grund
genug, dass nur noch Fahrzeuge mit minimalem oder sogar ohne
Schadstoffausstoss verkauft werden", sagt Künzli.
Die
Forschenden beschränkten ihre Untersuchungen auf Personen,
die nie geraucht haben. Im Zigarettenrauch sind nämlich
zum grossen Teil die gleichen Schadstoffe, die der Strassenverkehr
produziert, in viel stärkeren Konzentrationen enthalten.
Deshalb weisen Rauchende - auch ohne der Luftverschmutzung
ausgesetzt zu sein - ein erhöhtes Asthma-Risiko auf.
(*)
Nino Künzli, Pierre-Olivier Bridevaux, L.-J. Sally Liu,
Raquel Garcia-Esteban, Christian Schindler, Margaret W. Gerbase,
Jordi Sunyer, Dirk Keidel, Thierry Rochat, on behalf of SAPALDIA
Team (2009): Traffic-Related Air Pollution Correlates with
Adult-Onset Asthma among Never-Smokers. Thorax Published Online
First: 8 April 2009. doi:10.1136/thx.2008.110031
(**)
SAPALDIA (Swiss Cohort Study on Air Pollution and Lung Diseases
in Adults)
Sapaldia hat zum Ziel, die Ursachen für die zeitlichen
Veränderungen in respiratorischen und allergischen Symptomen
ausfindig zu machen. Die Kohortenstudie mass 1991 die Lungenfunktion
und mögliche Allergien von 9'651 zufällig ausgewählten
Teilnehmenden aus acht verschiedenen Orten: Aarau, Basel,
Davos, Genf, Lugano, Montana, Payerne, Wald. 2002 gaben 8'047
Personen noch einmal Informationen über ihren Gesundheitszustand.
2010 soll eine erneute Untersuchung stattfinden.
Weitere
Informationen:
http://www.snf.ch > Medien > Medienmitteilungen
http://www.sapaldia.net
Informationsdienst
Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Schweizerischer Nationalfonds SNF, Presse- und Informationsdienst
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